Reisen mit Stricknadeln

Ich war heute im Zug unterwegs. Irgendwann stiegen plötzlich ganz viele Menschen ein – darunter auch drei junge Gören, die sich um mich herum platzierten: zwei an dem Tisch auf der anderen Gangseite, eine mir gegenüber an meinem Tisch. Ich hatte nur ein Gepäckstück und konnte somit nur einen weiteren Platz „reservieren“. Der „reservierte“ Platz war der direkt neben mir. Im Nachhinein verfluchte ich mich ob der Dusche am Morgen. Ohne die hätte ich sicher noch viel mehr Freiraum gehabt, aber nein, da poppen dann plötzlich so gesellschaftliche Fesseln wie Hygiene, Sauberkeit und ähnlicher Firlefanz auf. Ich muss gestehen, dass ich auch den aktuellen Pestausbruch auf Madagaskar im Hinterkopf hatte, als ich mich heute morgen der reinigenden Wirkung des herabrieselnden Wassers hingegeben habe. Und nein… bevor es zu Missverständnissen kommt: ich war in letzter Zeit nicht in Madagaskar und trage somit keinerlei Schuld an der Pest dort.

Jedenfalls saß ich also geduscht und wohlriechend im Regional-Express, keine Chance der Invasion der Menschen – insbesondere den drei jungen Gören – zu entgehen und war infolgedessen allem weiteren hilflos ausgeliefert.
Junge Gören reden viel und ausgiebig und so schön der Fortschritt der Technik auch ist: es gibt Momente, da wünscht man sich das laute Schnauben einer Dampflok und ihr dumpf-dröhnendes Poltern über marode Schienen zurück… Marode Schienen haben wir weiterhin, aber diese blöden Regional-Expresse sind sehr leise; zumindest innen. Hat man nicht zufällig eine ältere Dame in der Nähe, deren Arzt ihr zur Bekämpfung der Gicht und überhaupt als Training für die grauen Zellen Stricken als Therapie und/oder Prophylaxe empfahl, ist es schwer auf die Schnelle an eine Stricknadel zu kommen, um sich aufgrund akuter Hirnsuizid-Gefahr die Trommelfelle zu durchstechen. Bei mir war jedenfalls keine Oma weit und breit und somit weiß ich nun, dass junges Gör (anderer Tisch) sich mit Christian verlobt hat. Standesamtlich ist dann im Februar. Sie feiert nun quasi seit einer Woche durch, aber das ist ok, weil es die Wochen vorher eher selten Alkohol gab. Junges Gör (mein Tisch) war wiederum auf einem Konzert, bei dem auf der einen Seite die Trinkfraktion stand, auf der anderen Seite die in Beziehung und junges Gör (mein Tisch) fand das witzig, weil sie junges Gör (anderer Tisch) da quasi als Bindeglied sah. Die sah das auch so und bot sich fürs nächste Konzert als Mittler zwischen den Welten an. Das fand ich persönlich ja nett und war kurz davor, mich in das Gespräch einzumischen. Gleich darauf driftete es aber wieder in Hemisphären ab, die mir sehr fremd waren und ich träume von älteren Damen, die sich an meinen Tisch setzen, mich freundlich anlächeln und dann ihr Strickzeug auf den Tisch legen… die größte Nadel zeigt dabei genau in Richtung meiner Hand. Ich muss nur zugreifen… der Schmerz ist sicher nur kurz, aber die Ruhe danach herrlich und mit nichts zu vergleichen.
Es kam aber keine Oma, dafür stiegen viele Leute wieder aus und junges Gör (mein Tisch) wurde zu junges Gör (auch anderer Tisch). Zu hören waren sie aber weiterhin…

Es gibt so viele Momente im Leben, die einen mit Schmerz und Trauer erfüllen. Der Moment, wenn man nach einer Fahrt im Regional-Express die Tasche in den Kofferraum legt und feststellt, dass man ja einen iPod, voll aufgeladen, sowie funktionierende Kopfhörer dabei hatte, gehört eindeutig dazu.

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Es ist ein bisschen wie bei einer Tetanus-Impfung

Im Dezember gehe ich Skifahren. Ich entschuldige mich schon jetzt bei allen Beteiligten: sorry liebe Ski… das habt ihr echt nicht verdient. Entschuldigung Berg… ich will mir gar nicht vorstellen, was da tektonisch alles abging, als Du geboren wurdest, aber dass nun auch noch ich komme… Sorry an die armen Skilehrer, die noch nicht wissen, was ihnen blüht.
Aber egal. Wir müssen da durch. Wir alle. Und je mehr wir uns gegenseitig unterstützen, desto einfacher wird es für alle Beteiligten. Das ist ein bisschen wie bei einer Tetanus-Impfung: locker lassen, dann tut es weniger weh (und ja: ich kann Gedanken lesen und weiß, wer da abschweifende Gedanken hatte. Pfui! …die Namen sind notiert. Ich melde mich bei Gelegenheit…).

Vielleicht habe ich ja auch Glück und es ist kein Schnee in Sicht. Die Chancen dafür stehen schlecht, aber man weiß ja nie. Dann würde ich eine Woche lang morgens aufstehen, frühstücken und mich in den (hoffentlich vorhandenen) Whirlpool legen. Den ganzen Tag. Ab und an käme jemand mit einem langen Holzstock und würde einen wenden. Wie Wellfleisch im Kessel. Abends verließ ich das Becken, die Haut so faltig wie bei einem chinesischen Faltenhund (bei denen das übrigens auch ohne Einweichen so aussieht) und der Fußpilz wäre mittlerweile in der vierten Generation und würde mich wohlig warm zum Abendessen begeben, abends an der Hotelbar die Schnelligkeit der Barbediensteten auf die Probe stellen, ins Zimmer gehen, direkt ins Bett fallen, um am nächsten Morgen wieder aufzustehen zwecks Frühstück, danach Whirlpool (der hoffentlich vorhanden ist)… Das klingt doch auch nach einem Plan.

Tatsächlich habe ich überlegt, mein Skikarriere an den Nagel zu hängen. Ich weiß, das klingt drastisch …nach all der Zeit, all den Mühen, aber manchmal hadere ich… soll ich das Feld nicht doch den Jüngeren überlassen, die die Aura der Berge, das Gefühl des Schnees unter den Brettern und den Geruch der Gipfeltoiletten noch nicht so intensiv genossen haben, wie ich in all der Zeit, die ich schon alpin unterwegs bin? Drei unvergleichliche Jahre, aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Was kann denn noch kommen nach drei Jahren? Da hat man doch schon alles gesehen, alles erlebt, alles getan. Wieso eine Skikarriere künstlich am Leben erhalten und wider die Natur ins Unendliche treiben? Ist es unbedingt nötig, dass man fünf Jahre lang Ski fährt? Oder – ganz absurd – sogar noch länger. Dann besser aufhören, wenn es am Schönsten ist. Das wäre bei mir vor zwei Jahren gewesen, aber besser zu spät als nie. Ich nehme dieses Mal noch mit, danach ist Schluss.

Nächstes Jahr steht dann Snowboarden auf dem Programm.

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Ich esse später – Gesundheit geht vor

Heute habe ich lecker gekocht: Pilzpfanne mit Hähnchenbruststreifen (leicht asiatisch angehaucht. Also die Geschmacksnote. Ich bin damit jetzt nicht losgezogen, habe einen Asiaten gesucht, der da mal drüberpustet). Das war sehr lecker – einzig, dass es so lange dauert, bis man essen kann stört enorm. Die Kochzeit selbst geht eigentlich, aber man sollte schon so eine Stunde warten, zwischen dem ersten Testessen des Juniors bis man selbst speist. So lange kann das unter Umständen dauern, bis sich die ersten Symptome einer Pilzvergiftung zeigen. War aber alles ok und mit heftigem Kohldampf schmeckt es gleich doppelt gut.

Auch witzig in Zeiten des Hygienewahns: es war auch Soja-Sauce mit im Spiel und ich glaube, die ist schon seit mindestens 3 Jahre abgelaufen. Nur: wie äußerst sich das bei Soja-Sauce? Schmeckt die plötzlich salzig und komisch und ist ungenießbar? Das gilt per se für Soja-Sauce. Also eigentlich könnte man sie kaufen, darin riechen, Geschmacksprobe nehmen und direkt in den Müll hauen. Wäre aber doof. Kann mir aber nicht passieren, denn ich habe die Sauce ja mit verkocht. sie war Bestandteil der Pilzpfanne. Nun bin ich kein Chemiker und kein Biologe, aber ich gehe mal davon aus, dass auch giftige Soja-Sauce nicht viel länger als giftige Pilze braucht, um tödlich zu wirken, also war die Gefahr dank des Testessens des Juniors gebannt. Man sollte sich also bezüglich diesen ganzen Mindesthaltbarkeitsdaten gar keinen Kopf machen – sofern man Kinder hat. Ein bisschen doof wird’s, wenn der Junior eines Tages mal auszieht. Ich sollte mich mal schlau machen, wie Pilz- und Soja-Saucen-Gift bei Katzen wirkt. Wenn das ähnlich ist, ist alles gebongt. Ansonsten muss der Junior halt öfter mal zum Essen kommen. Wirkt eventuell ein bisschen seltsam, wenn ich nicht gleich mit esse, aber Gesundheit geht vor.

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Ich habe ein Date mit einer Archäologin

Katzen sind wie kleine Kinder: sie quengeln, sie jammern, aber man versteht nicht, was sie einem sagen wollen. Ständig brauchen sie was zu essen, frisches Wasser, wollen manchmal mit ins Bett und ständig betüdelt werden. Und haarig sind sie auch. Also Katzen. Ok, manche Babys auch – aber dann waren die Eltern meistens Geschwister oder ähnlich nah verwandt und damit kenne ich mich nicht aus, weil ich nur einen Bruder und wir keine gemeinsame Katzen haben. Man will da auch nicht weiter drüber nachdenken, wobei es schon spannend wäre, den Zusammenhang zwischen Skinhead-Geschwistern und Nacktkatzen mal näher zu erforschen, aber nein: Krebsforschung und erneuerbare Energien haben ja die größere Lobby, also werden wir nie die Wahrheit über die wirklich spannenden Themen herausfinden. Wieviele Nacktkatzen müssen noch im kalten Sachsen-Anhalt erfrieren, bis hier mal ein Umdenken stattfindet? Und dann kommen noch die ganzen Perser- und Siamkatzen und nehmen den armen Nacktkatzen die Mäuse weg. Armes Deutschland.

Meine Katzen kommen so gar nicht nach mir, denn die haben ausgiebig Fell. Sehr viel, sehr flauschiges Fell. Sie finden ihr Fell selber total cool und lecken deshalb auch des öfteren drüber. Ich habe das auch mal probiert, aber es ist geschmacklich nicht meins (vor allem nicht in gewissen Regionen… Aber Respekt! Ich käme da gar nicht hin. Also bei mir selbst). Außerdem hatte ich den Mund voller Fusel (und eine Katze, die mich sehr erstaunt anstarrte). Das haben die Mädels auch, aber sie – und das machen die von sich aus! Die Intention kam nicht von mir! Ich möchte das hiermit ein für alle Mal klarstellen – schlucken das… können es aber anscheinend nicht so recht verdauen. Ich hatte mit den paar Fuseln nun weniger Probleme; die beiden dafür mehr. Das äußert sich so, dass sie sich verhalten wie Teenies frisch vom Oktoberfest kommen: sie kotzen. Man muss es so drastisch sagen, denn ist auch so. Sie machen das nicht still und leise und auf dem Klo, sondern höchst theatralisch mit lautem Röcheln, dazu noch ein Geräusch, das die FBI-Agenten unter den Lesern vom Waterboarding bei Verdächtigen kennen. Es ist unschön, was aber ganz gut korreliert zum visuellen Eindruck des Endergebnisses: eine graue Haarwurst, umgeben von diversen Speiseresten auf einem undefinierbaren Flüssigkeitsspiegel. Nicht schön. Und schmeckt ganz fürchterlich – man kann es also nicht Zweitverwerten. Der (nicht wirklich vorhandene) Schwabe in mir heult deshalb, der ganze Rest ist froh.

Besagtes Röcheln und das Waterboardinggeräusch ist zwar nicht wirklich schön, aber immerhin hilfreich. Es warnt einen vor, dass da was kommt. Quasi wie das laute Stöhnen in gewissen Filmen, aber da gehts meistens weniger um hochgewürgte Haarbüschel. Egal. Jedenfalls vernahm ich heute Nacht eben jene Geräusche und da sich bei mir in den seltensten Fällen waterboardende FBI-Agenten nebst Terroristen aufhalten, war klar: Klasse, kotzende Katze. Es klingt tatsächlich so, als würde das Tier bald über den Jordan gehen, aber nachdem ich die große Katze draußen habe kämpfen und die kleine Katze unten habe meckern hören, war klar: eine davon hat irgendwo gereihert, leben tun aber beide noch… und habe weitergeschlafen.
Heute Morgen wollte ich dann das Elend entsorgen, nur: da war nirgends was. Die Möglichkeit, dass der Junior das zwischen Aufstehen, Zähne putzen, Zeug schultern und auf den Weg zur Schule noch weggemacht hatte, ging gegen Null. Oder eher in den negativen Bereich: er reihert noch daneben. Beides war nicht der Fall.

Ich schaue morgen früh nochmal, ob ich was finde… ansonsten wird’s spannend: trocknet es schneller ein, als die Fliegen es entdecken? Bleiben Sie dran für eine neue Folge von „Fly or Food?“ In vielen tausend Jahren gräbt sich vielleicht eine Horde Archäologen bis hierher durch und finden dieses Etwas . Hitzige Debatten wären die Folge: Gab es hier einen Kult, der Haare zu Würsten formte, um damit irgendwelche Gottheiten anzupreisen? Bestimmt entdeckt man dann auch meine Mumie und eine junge, sehr hübsche Archäologin sagt: „Oha, die Mumien aus dieser Zeit sind aber sehr gut gebaut“, wo ich ihr natürlich uneingeschränkt recht geben würde, läge ich ihr nicht gerade mumifiziert zu Füßen (wahrscheinlich auf der Treppe Richtung Bad, auf dem Weg einen FBI-Agenten davon abzuhalten, einen vermeintlichen Terroristen in meinem Badezimmer waterzuboarden (das heißt doch so, oder? Waterzuboarden? Oder doch eher „zu waterboarden“? Was sagt denn da der FBI-Duden?). Aber irgendwas ist halt immer.

Quintessenz: ich habe ein Date mit einer jungen, sehr hübschen Archäologin! Juhuuu! Weiß nur noch nicht wann.

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Carnivore Fruchtfliegen

Heute mittag schwirrte mir in der Küche eine Fruchtfliege um die Nase und gerade schon wieder eine. Wo kommen die her? In dieser Küche findet man so einiges, aber Obst und Früchte gehören nicht dazu. Ok, es gibt Erdbeermarmelade und in irgendeinem Schrank steht bestimmt auch noch eine Flasche Obstler von der letzten Party. Das wars dann aber schon. Da beides gut verschlossen sein sollte, dürfte die gemeine Fruchtfliege eigentlich auch nicht drankommen und folglich darben und schließlich verhungern. Tut sie aber anscheinend nicht. Vielleicht gibt es auch bei Fruchtfliegen gewisse Nahrungsmitteltendenzen. Vegane Fruchtfliegen oder so. Wobei… das würde nicht viel Sinn ergeben. Dann eher carnivore Fruchtfliegen, aber hier würde der Name wegen der „Frucht“ nicht passen und Fleisch liegt bei mir in der Küche nun auch nicht unbedingt frei rum. Ok, das Katzenfutter, aber das ist abgedeckt, wenn die Damen gerade mal schlafen statt zu fressen (im nächsten Leben will ich auch als Frau zur Welt kommen! Oder als Katze). Es kann höchstens sein, dass mal der eine oder andere Brocken daneben geht und die Fruchtfliege sich daran labt. Meine Küche wäre dann also quasi ein Brutherd von Mutationen, die die Natur so nicht vorgesehen hat… übrigens ein Satz, den ich auch oft zu hören kriege, wenn ich koche.
Ich werde das einfach mal beobachten und dann entsprechende Maßnahmen einleiten. Falls das mit den Mutationen allerdings überhand nimmt, muss ich halt doch ausziehen und das Haus den Fruchtfliegen überlassen. Spätestens, wenn sie anfangen von Katzenfutter auf menschliches Fleisch umzusteigen.

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MAGA

Einer von Trumps Slogans (neben: „Grab ‚em“ zum Beispiel) ist „MAGA“. Das soll englisch sein und für „Make America Great Again“ stehen. Wüsste zwar nicht, dass der Kontinent in den letzten paar Jahren nennenswert geschrumpft ist, aber meinetwegen. Machen wir ihn halt wieder größer. Streichelt Amerika mal fest – vielleicht wächst es dann. Wundert mich, dass das selbsternannte Genie und beste Präsident aller Zeiten und darüber hinaus nicht schon selbst darauf gekommen ist. „We must grab America by the…“ aber egal.

Auf Deutsch könnte man „MAGA“ als zwei kombinierte Autokennzeichen auffassen. MA steht für Mannheim und GA für Altmarkkreis Salzwedel. Wer Mannheim kennt und Dank Google erfährt, dass sich der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt – und somit in einer Gegend befindet, wo die AfD knapp 25 Prozent erreicht hat, weiß, dass „MAGA“ Trumps Politik ziemlich genau definiert – auch hier in Deutschland. Wenn man dann noch die Tatsache, dass die Vorfahren Trumps aus der Pfalz kamen berücksichtigt, ist es komplett schlüssig.

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Igel zu Hause im Wasserbett unbedingt bekorken!

Die Tage kam es wieder im Radio: es wird kälter, der Winter naht, Weltuntergang und nicht nur wir leiden, sondern auch die Tiere. Tja. Hätten sie mal was Gescheites gelernt, hätten sie jetzt eine gemütliche Hütte. Alternativ hätten sie sich der dunklen Seite der Macht anschließen und kriminell werden können – dann wüssten sie jetzt, wie man die Schlösser zu den gemütlichen Hütten der anderen knackt und hätten es auch warm. Aber nein, anscheinend wimmelt es da draußen von herrenlosen Viechern, die keine Hütte haben und/oder zu blöd sind zum Schlösserknacken.
Ginge es nach Darwin, wären die Straßen schon bald gepflastert von erfrorenen, nicht-kriminellen Kleintieren – natürliche Selektion und so – aber nein; Bäckerblume, Bild der Frau und dem Internet sei Dank, wissen wir nun: diese Tiere müssen unbedingt gerettet werden. Wäre mir persönlich egal: Wissenschaft geht vor, aber das Umfeld reagiert da immer etwas konsterniert.

Dieses Jahr fiel mir übrigens das erste Mal die Warnung der „sich ans Bein klammernden Eichhörnchenbabys“ auf. Gab es die früher nicht oder habe ich das da nur überlesen? Es geht darum, dass Eichhörnchenbabys Menschen hinterherlaufen und sich sogar ans Bein klammern. Die Warnung allerorten: Die haben keine Tollwut! Die haben ihre Mutter verloren und wollen gerettet werden!
Was soll diese Warnung? Gibt es Menschen, die diese niedlichen kleinen Dinger von der Hose gezupft, auf den Boden geworfen und draufgetreten haben? Wobei… ich hatte noch keine Eichhörnchenbabys an der Hose und wüsste somit auch nicht wirklich, wie ich reagiere. Eventuell würde ich es für eine Ratte halten, die zu lange im Sonnenstudio war. In dem Fall wäre das Szenario „Runter damit, ab auf den Boden und Bämmm“ durchaus vorstellbar. Kleiner Tipp an die Förster: kleine Schildchen mit der Aufschrift „Bin ein Eichhörnchen und nicht nicht eine höhensonnengebräunte Ratte“ an die Eichhörnchenbabys verteilen. Das kann Leben retten!
Ich hatte aber auch sonst noch nie Kontakt mit einem Eichhörnchenbaby. Ok, im Herbst, wenn die ganzen Tannenzapfen auf der Straße liegen… die sind farblich ja auch ähnlich und ob sich die Geräusche beim Drüberfahren groß unterscheiden… Keine Ahnung.

Auch Igel sind die Verlierer beim Kampf Winter vs. Tier (Was lief da schief Darwin?). Wenn man also einen Igel findet: einsammeln, mit nach Hause nehmen, füttern, usw. Ansonsten wars das mit Igel. Wenn man was Falsches füttert auch. Grundsätzlich kann man bei Igeln extrem viel falsch machen. Neben der Ernährung ist die Behausung noch ein Thema für sich. Einen Igel mit ins Wasserbett zu nehmen empfiehlt sich zum Beispiel ganz und gar nicht. Die wenigsten Igel können schwimmen und was bringt es, das Tier vor dem Kältetod zu retten, wenn es dann im heimischen Bett ertrinkt? Falls es gar nicht anders geht: Korken besorgen und auf die Stacheln aufstecken. Das wäre auch sinnvoll, wenn der Igel zusammen mit einem Kleinkind nächtigt (auch da aufpassen: ruckzuck gibt man dem Baby das Katzennassfutter und stillt versehentlich den Igel. Man schaut da ja oft auf Niedlichkeit und nimmt das Erstbeste aus dem Bettchen. Also vielleicht auch Kind und Igel markieren. Keine Sorge: Edding auf der Kinderstirn ist nicht schädlich. Sagen die von Edding). Und aufpassen, wen man da im Frühjahr wieder zurück in die Natur entlässt. Sonst wundert man sich, warum das so pieckst, wenn man das Kind umarmt, während es immer mehr Berichte, von einem seltsamen Waldwesen gibt, das Menschen hinterherläuft und sich ans Hosenbein klammert.

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Ich bin Nutterich

Der Junior zockt in seinem Zimmer und redet dabei sehr laut via Skype mit seinen Kumpels. Können die keine Freundinnen oder Freunde bei sich auf dem Zimmer haben und Dinge tun, bei denen sie versuchen möglichst leise zu sein, damit man nicht mitkriegt, was sie gerade tun? Mir wäre ein leises „Ich mache das jetzt, aber versuche bitte gaaaaanz gaaaaaanz leise zu sein“ irgendwie fast lieber als dieses gegröhlte „Aaaaaalter, hast Du das gesehen? HAST DU DAS GESEEEEEEEHEEEEEN!!! Den habe ich aber sowas von gepawnd! MADDAFAAAAGGGAAAA!“. Andererseits weiß ich ja nicht, wie sich so ein Näherkommen bei den Jugendlichen heutzutage so gestaltet. Eventuell genau umgekehrt: Beim Ballerspiel mit den Kumpels wird – Virtual Reality sei Dank – ganz leise, weil man ja die feindlichen Orks nicht aufwecken möchte, darüber diskutiert, wie man die Tochter des Elfenkönigs aus den Klauen eines gigantischen Megalomaniac-Orks zu befreien gedenkt („Ich mache das jetzt, aber versuche bitte gaaaaanz gaaaaaanz leise zu sein“), während andere Dinge live an die WhatsApp-Klassengruppe gestreamt wird („Aaaaaalter, habt ihr das gesehen? HABT IHR DAS GESEEEEEEEHEEEEEN!!! Die/Den habe ich aber sowas von gepawnd! MADDAFAAAAGGGAAAA/VAAAAADAFAGGGGAAAAAA!“).

So alles in allem gesehen und bei weiterem darüber Nachdenken, will ich das alles gar nicht so genau wissen. Ein paar Sachen, dann aber schon:, z.B.: gibt es zum „Motherf***er“ eigentlich wirklich ein männliches Pendant namens „Fatherfu**er“ und wenn nicht: warum nicht? Da will man für alles mögliche weibliche Bezeichnungen (Glasbläserin, Palmenwedlerin, Hofnärrin…), aber umgekehrt ist sowas nicht drin? Sollte man mal drüber nachdenken. Her mit dem Fatherfu**er, dem Bitcher, dem Nutterich. Ich wäre dann gerne letzteres und hätte das auch auf meine Visitenkarte stehen.

„Was machen Sie beruflich?“
„Ich bin Nutterich.“
„Oh, Nutterich, toll! Machen Sie das schon lange?“
„Nein, erst seit 2 Jahren. Vorher war ich Bitcher.“

Bei „Bitcher“ muss man ein bisschen aufpassen. Es besteht Verwechslungsgefahr zum „Butcher“, also Metzger… wobei… gab auch schon Fälle, in denen das Hand in Hand ging – wo Trennung sich auch auf Gliedmaßen und nicht nur auf die Beziehung bezog. Aber seit ich keine Kühltruhe mehr habe…

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Hosen aus Albino-Hirschleder sind ein sehr guter Indikator!

Als Kind wurde mir mal so eine bayrische Lederhose verpasst. Ich hasste sie, aber damals war es mit Jugendschutz noch nicht weit her: das Ding war da, sie passte leidlich, das Kind sah darin niedlich aus, also musste ich die Teile anziehen. Und wurde von allen Seiten und in allen möglichen Posen damit fotografiert. Ich hoffe mal, dass die Bilder nicht in irgendwelchen Boulevardmagazinen für katholische Priester gelandet sind. „Hostie“ (analog zur „Praline“) oder „Nachtmesse“ (statt „Gala“). Es kam aber nie zu Anfragen, insofern bin ich diesbezüglich guter Dinge und glaube, dass meine Eltern die Bilder einfach nur gemacht haben, damit sie mich später mal erpressen können, wenn es um die Ausstattung beim Heimplatz geht. Ich sehe mich schon das Sky Bundesliga-Paket bezahlen, ohne selbst nie ein Spiel zu sehen – denn ich habe nicht vor, diese Erpresserbande auch noch zu besuchen!

Nach diese Episode war lange Zeit Ruhe und es gab keinen Grund für eine neue Krachlederne. Tatsächlich gäbe es diesen auch heute noch nicht, aber irgendwie wurde es Sitte, dass man sich zur Zeit von Wiesn und Wasen auch außerhalb dieser durchaus krachledernlastigen Locations selbige überstreift, was aber nur funktioniert, wenn man welche besitzt. Aus genau diesem Grund bin ich vor einigen Jahren losgezogen, um nach all den abstinenten Jahren wieder eine Lederhose zu besorgen.
Nun wohne ich weit weg vom Wasen und noch viel weiter weg von der Wiesn, aber der Einzelhandel hat gemerkt, dass es auch in diesen Gefilden einen gewissen Bedarf gibt und somit wurde ich tatsächlich fündig und bin seither stolzer Besitzer einer Lederhose mit grüner Bestickung und Knöpfen und allem drum und dran. Die Pseudohosenträger habe ich seit zwei Jahren weg und nehme stattdessen einen Gürtel, aber ansonsten ist alles so, wie es sein soll – was nicht immer sinnvoll ist. Gerade diese vielen und nicht wirklich leichtgängigen Knöpfe. Man trägt diese Hosen ja üblicherweise zu Events, bei denen es Bier aus opulenten Gefäßen gibt und wer sich ein bisschen mit Volumenberechnung, Röhrensystem und den grundlegendsten Grundlagen der Physik auskennt, sollte erkennen, dass viel Input auch zu einem nennenswerten Output führt. Das ist Natur, das ist gut so, aber auch Knöpfe aus Hirschhorn sind Natur und wenn diese sich in einer Öse aus Hirschleder befinden, die Finger aufgrund des vorher genannten Inputs nicht mehr unbedingt zu einer filigranen Operation am Hypothalamus – geschweige denn zum schnellen Öffnen der Knöpfe fähig sind, kann das schon mal zu Szenen führen, die an einige aus Hitchcock-Filmen erinnern. Vielleicht jetzt nicht die bei Psycho unter der laufenden Dusche – das macht alles nur noch schlimmer – aber die Problematik an für sich dürfte klar sein. Bisher ging auch alles glatt. Also bei mir. Für andere kann und will ich da nicht sprechen.

Die richtig guten Krachledernen kosten übrigens Unsummen (meine ist wahrscheinlich gar kein Hirschleder. Eher Kuh. Oder Meerschweinchen. Irgendwas günstigeres) und werden über Generation hinweg vererbt. Oder verkauft. Deshalb gibt es z.B. in München auch Läden, in denen man das edle Textil auch Second Hand kaufen kann. Wobei „Hands“ da eher selten eine Rolle spielen aber „Second Penis“ ist als Shop-Name wahrscheinlich nicht verkaufsfördernd.
Die Problematik der Knöpfe habe ich beschrieben und ehrlich: ich hab das ganz gut im Griff. Es gibt aber auch weitaus ungeschicktere Männer als mich und ob ich deren Hose neu auftragen will… ich weiß ja nicht. So eine Hose kann man nicht einfach mal in die Waschmaschine werfen und bei 590 Grad 29 Stunden durchwaschen… Man bekommt also eine Hose, bei denen die Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großenkel des Hirsches gerade erst gezeugt werden, eine Hose, die auf viele Jahrgänge an verschüttetem Wiesnbier gesetzt und vor allem vielen Jahrgängen an getrunkenem Wiesnbier ausgesetzt war. Meistens, aber rein statistisch gesehen auch nicht immer erfolgreich. Dazu muss man wissen, dass es auf der Wiesn nicht nur Bier, sondern auch Hendl, Radi, Wurstsalat, Obatza und andere kulinarische Köstlichkeiten gibt und wenn man sich dann noch mal vor Augen führt, wie komplex sich das Öffnen der Hirschhornknöpfe vom Hirschleder gestalten kann und das in Situationen, in denen eine gewisse Dringlichkeit herrscht…

Es ist einfach so: wenn da eine Hose aus feinstem Albino-Hirschleder angeboten wird, dann sollte die aussehen, wie die Zähne der Zahnarztfrau aus der Zahnbürstenwerbung und sich farblich eindeutig von den anderen angebotenen Hosen unterscheiden… wenn dem nicht so ist, würde ich vielleicht den Laden komplett wechseln. Einfach nur aus Gründen.

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An die zwei Pärchen, die vorhin auf dem Fußgänger-Radweg unterwegs nach Hause waren

Was soll ich sagen… es ist ein Fußgänger-Radweg, ergo sollten sowohl Fußgänger, als auch Radfahrer hier unterwegs sein dürfen und normalerweise ist das auch problemlos möglich. Ich fahre da öfter mal entlang und bisher ging das auch immer ohne Probleme. Der Weg ist gepflastert und super zu fahren, wie auch super zu begehen. Ich habe beides schon gemacht. Jetzt, wo der Herbst so langsam anklopft, sind ab und an Blätter auf dem Weg, aber nie so, dass es gefährlich würde.

Das dürften auch die beiden Pärchen gemerkt haben, die da vorhin auf dem Heimweg waren. Sie hatten bestimmt einen tollen Abend und turtelten noch. Dabei liefen sie paarweise nebeneinander her. Dafür ist der ansonsten wirklich großartige Fußgänger-Radweg dann aber doch nicht gemacht, weshalb ich noch zusätzlich mit dem Rad nicht auch noch daneben gepasst hätte. Aber wozu gibt es Klingeln. Ich klingelte. Keine Reaktion. Ich klingelte vehementer, während ich radelnd näher kam. Keine Reaktion. Die blieben nebeneinander auf dem Weg und ein Vorbeikommen, ohne Touchieren der Damenhintern wäre nicht möglich gewesen… also: klingeln und zwar zusammen mit abbremsen und fast vom Rad steigen. Dann endlich geht diese Formation auseinander und die eine Dame meint allen Ernstes, sehr trotzig und frech zu mir, dass sie mich schon gehört hätten. Was dann von mir kam war politisch nicht wirklich korrekt. Deren Antworten allerdings auch nicht, was mich dazu bewog, 300 Meter weiter nochmal umzudrehen, um meine nicht nette Aussage bezüglich der ersten Dame auch auf das weibliche Pendant des anderen Pärchens auszuweiten und den Herren beider Pärchen ein paar Verhaltenstipps für das Begehen öffentlicher Fußgänger-Radwege zu geben, die in direkter Relation zu den ihrerseits präferierten, aber von mir vermutetet präferierten Sexualpraktiken stehen. Fanden sie nicht so toll und wurden ähnlich ausfallend wie ich zuvor. Man kann über breite Frauenhintern auf Fußgänger-Radwegen anscheinend einfach nicht konstruktiv diskutieren.

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