Stille Kämmerchen, Denkkappen und Wundermaschinen

Es gibt ja wirklich alle möglichen Arten von Maschinen. Waschmaschinen, Brotbackmaschinen, Spülmaschinen, Betonmischmaschinen, Bierflaschenabfüllmaschinen und bestimmt gibt es auch Maschinenreinigungsmaschinen (wenn die das gegenseitig machen können, die Maschinen, dann brauchen die uns bald nicht mehr).

Der übliche Weg – so stelle ich mir das zumindest vor – ist der, dass es eine Tätigkeit gibt, die entweder sehr zeitintensiv, sehr diffizil oder einfach tierisch nervig ist. Also wird ein Ingenieur gerufen, der sich mal anschaut, was da genau zu tun ist. Danach geht er in ein stilles Kämmerchen, setzt seine Denkkappe auf und denkt nach. Nach Stunden, Tagen oder gar Monaten kommt er wieder aus dem Kämmerchen, die Denkkappe ist ganz schwarz vom Ruß des vor lauter Nachdenken qualmenden Kopfes, und präsentiert die Pläne für eine Wundermaschine, die besagte Tätigkeit schneller, genauer oder weniger genervt erledigen kann, als ihr menschliches Pendant. Die Maschine wird entsprechend der Pläne gebaut, an die Steckdose angeschlossen und schon sind alle glücklich. Vielleicht bis auf das nun arbeitslose menschliche Pendant, aber immerhin ist es vorbei mit dem Genervtsein ob der blöden Tätigkeit, denn die macht ja ab sofort die Wundermaschine.

Vor einiger Zeit saß einer dieser Ingenieure in seinem stillen Kämmerlein, die Denkkappe zeigte schon erste Zersetzungsspuren, denn es gab viel zu grübeln, aber er hat es geschafft und so durfte ich letztens die von ihm entworfene Maschine im Einsatz erleben. Ein wahrlich erhebender Moment.
Im ersten Moment macht sie einen eher unscheinbaren Eindruck: etwa mannshoch, im typischen Maschinenblau (Maschinen sind entweder einheitlich grün, blau, seltener rot), gibt es unten eine Zufuhr für Papier, das von einer breiten Rolle kommt. Bedient wird die Maschine mittels eines Fußschalters oder über eine Lichtschranke, die an einem Arbeitstisch angebracht ist. Aktiviert man die Maschine auf die eine oder andere Art passiert folgendes: das Papier wird in die Maschine gezogen, es kruschelt darin und aus der Maschine kommt oben (bei Betätigung des Fußschalters) oder direkt am Arbeitstisch (bei Aktivierung via Lichtschranke)…zerknülltes Papier! Genau! Das ist eine Papierzerknüllmaschine! Ist das nicht großartig? Die Maschine schnappt sich Papier und zerknüllt es! Nicht zu fassen. Wenn ich wüsste, wo der Erfinder dieser unglaublichen Maschine wohnt… ich würde glatt mal vorbeifahren und ihm einen selbstgebackenen Marmorkuchen bringen, als Würdigung für diese Erfindung.

…Und draußen vor der Halle in der die Maschine steht, sitzt ein trauriger, alter Mann, wirft kleine Steinchen auf den Parkplatz und murmelt etwas von „…ich habe das mindestens genauso schnell und gut gemacht und genervt war ich auch nie…“

PS: Das zerknüllte Papier wird übrigens zum Schutz in Versandkartons gelegt, damit der Ware nichts passiert.

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Gemeinsame Interessen

Paare sollten gemeinsame Interessen haben. Das ist essentiell und extrem wichtig, damit die Beziehung funktioniert. Welche Interessen das sind, ist zweitrangig. Einfach irgendwelche Dinge, die man gemeinsam tut, unternimmt, macht. Briefmarken sammeln zum Beispiel. Oder einen Nutzgarten anlegen. Sex! Es gibt Paare, die schwören auf Sex als gemeinsames Interesse. Habe ich gehört. Manche fahren auch gemeinsam Rad. Das ist auch toll. Man unternimmt was in der freien Natur, hat Bewegung und ist unter Leuten. Gut, je nach Vorlieben, ist es beim Sex ähnlich, aber gemeinsames Radfahren ist gesellschaftlich eher akzeptiert.
Grundsätzlich ist da ja auch nichts dagegen einzuwenden, nur: muss es soweit gehen, dass man als Paar dann auch wirklich die ganze Zeit nebeneinander fährt? Wenn man mit dem Rad auf einer Autobahn unterwegs ist, macht das nichts – da ist genug Platz – aber auf einem schmalen Radweg wird es schon ein bisschen eng. Vor allem, wenn der männliche Part des Radelduos an seinem Lenker zwei Außenspiegel befestigt hat, die jede Harley neidisch werden lassen und die Dame über ein Hinterteil verfügt, auf dem fünf Pokestopps und zwei Arenen Platz hätten. Zusammen ergibt das eine „Gesamtfahrzeugbreite“, die sich nur im Millimeterbereich unter der tatsächlichen Breite des Fahrradwegs bewegt.

Mathematik war nie mein Lieblingsfach. Diese dämlichen Züge, die an verschiedenen Bahnhöfen losfahren und sich irgendwann an einer bestimmten Stelle treffen werden (was man berechnen soll)… wenn interessiert denn sowas? Ok, den Sachverständigen, der den genauen Hergang des Zugunglücks rekonstruieren soll wahrscheinlich schon. Aber seien wir doch mal ehrlich: wieviele Zugunglückssachverständige gibt es in Deutschland? Allzu viele dürften es nicht sein und trotzdem werden schon seit Generationen Kinder genötigt, so einen Mist auszurechnen. Vielleicht hätte Mathematik einen besseren Ruf, wenn es auch mal um realitätsbezogene Rechenaufgaben ginge. Sowas wie:

Breite des Fahrradwegs – (Lenker + Harleyaußenspiegel) – Breite des Hinterns ≠ mein Fahrrad und ich

Meinetwegen kann dann noch ein Sachverständiger nachforschen, wo wann wer losgefahren ist – ausgehend von der Stelle des Zusammenstoßes, aber das ist einem selbst wahrscheinlich relativ egal, wenn einem ein Harley-Außenspiegel im Kopf steckt und man unter einem Hintern von der Größe des Saarlands nach Luft schnappt.

Bei manchen Pärchen wäre es besser, wenn sie gemeinsam Briefmarken sammeln würden. Oder einen Nutzgarten anlegen. Von mir aus können sie es auch mal mit Sex probieren – solange sie dabei kein Faible für Harley-Außenspiegel haben und das Ganze weit weg von Fahrradwegen stattfindet.

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Passiver Enthusiasmus

Es stimmt schon: die schnellsten sind sie nicht, die Schweizer. Merkt man jetzt gerade, da immer wieder vereinzelte Böller explodieren. Der Nationalfeiertag war gestern, aber bei manchen dauert es halt länger, bis sie das Feuerzeug parat, den Böller ausgepackt, die Lunte in Position gebracht und diese schließlich entfacht haben und schwupp ist man einen Tag zu spät dran. Ich mache den Leuten da gar keinen Vorwurf. Geht mir ja oft nicht anders. Wie oft stand ich schon im Garten und dachte daran, dass ich den Rasen doch endlich mal mähen sollte und hastenichtgesehen ist das Gras schon so hoch, dass man den Rasenmäher darin nicht mehr findet und eigentlich lohnt es sich auch gar nicht mehr, weil es laut Wettervorhersage ja eh in den nächsten Tagen anfängt zu schneien. Wieso sollte ich also auf die Idee kommen, den Schweizern ob ihres massiv ausgebremsten Aktionismus Vorwürfe zu machen.

Wenn man längere Zeit in der Schweiz ist, muss man übrigens aufpassen. Es kann passieren, dass man assimiliert wird. So berichtete heute ein Deutscher, der schon seit längerer Zeit in der Schweiz wohnhaft ist, von seinem „passiven Enthusiasmus“ (dies in Bezug auf Twitter und Co.). In welchem anderen Land auf der Erde könnte es zu einem Phänomen wie „passivem Enthusiasmus“ kommen, wenn nicht in der Schweiz? Ich muss gestehen, dass mir als Liebhaber schöner Worte immer noch ein klitzekleines Tränchen im hintersten Augenwinkel hängt, ob dieser grandiosen Wortschöpfung: Passiver Enthusiasmus. Hach, wie schön.
Wenn sich das mit dem Assimilieren auf alle Bereiche auswirkt, hätte der Begriff „passiver Enthusiasmus“ gestern schon das Licht der Wortwelt erblicken sollen – aber manches dauert hier halt einfach länger.

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Es ist schon ein Kreuz mit der Gesundheit

Aus orthopädischer Sicht bin ich eine Lusche. Ich hatte mir mal den kleinen Zeh gebrochen (ein Squash-Court ist klein und man ist sehr schnell von der einen in die andere Ecke gehechtet… und wenn man nicht rechtzeitig abbremst, kann es passieren, dass man voll in die Ecke latscht. Was nicht gut ist, vor allem nicht für das schwächste Glied eines Fußes: den kleinen Zeh. Wenn zuviel Energie im Spiel ist, kann es schon mal vorkommen, dass er mit der Gesamtsituation nicht klarkommt und bricht. So geschehen bei mir), aber da war der Gips null spektakulär und hat eigentlich auch nur einen halben Tag gehalten. Ob der Zeh jemals wieder korrekt zusammengewachsen ist, kann ich nicht mal sagen. Irgendwie sehen kleine Zehen immer aus, als wären sie gebrochen, schief, geschrumpelt und fehl am Platz. Ich rede mir ein, dass ich seitdem wetterfühlig bin und Wetterwechsel in eben jenem kleinen Zeh frühzeitig spüre, allerdings geht es dem Zeh wie den meisten Meteorologen: er irrt sich häufiger mal.
Die Sache mit dem gebrochenen Zeh ist schon ein paar Jährchen her (im Zeh gefühlte vierzehn Winter oder so) und seitdem war ich orthopädiefreie Zone. Bis vor kurzem. Da begab es sich, dass mein linkes Knie meinte, behandlungswürdig zu sein. Es äußerte dies durch Schmerzen und ein Anschwellen um mindestens das Doppelte – grob geschätzt. Die erste Woche habe ich dieses Herumgezicke noch ignoriert, aber tatsächlich war es gar nicht zu ignorieren. Treppensteigen war eine Qual, Sitzen auch, Aufstehen sowieso… eigentlich war alles nur unter Schmerzen möglich. Ich bin mitten in der Nacht mehrfach schreiend aufgewacht, weil ich mich umdrehen wollte, wie ich das immer mache, das Knie diese Aktion aber mit einer Schmerzattacke kommentierte. Half also alles nichts, also musste ich wohl oder übel zum Arzt.
Früher dachte ich, dass Orthopäden in dem ganzen Ärztekaleidoskop noch die harmlosesten seien, denn schließlich arbeiten sie mit Knochen, Mechanik und Hebelwirkung und all dem. Orthopäden schauen einem einfach nur an, drehen die Schulter mal nach vorne, mal nach hinten, murmeln irgendwas, dann gibts eine Salbe oder – bei gebrochenem kleinen Zeh – einen Gips und fertig. Keine Schläuche in Körperöffnungen, keine Schnitte ins zarte Fleisch und vor allem: keine Spritzen. Stimmt aber gar nicht! Der Kleine-Zeh-Orthopäde hat mir allen Ernstes Blutabgenommen! Mit einer Spritze! Wäre ich nicht einer Ohnmacht sehr nahe gewesen, hätte ich protestiert, stattdessen habe ich es einfach über mich ergehen lassen. Ich weiß bis heute nicht, warum der unbedingt mein Blut wollte. Vielleicht ein Vampir, der sich als Orthopäde tarnt. Hm. Wenn ich so zurück denke… ein bisschen blass war der schon. Hm. Aber egal. Ist ja wieder alles gut bei mir (was die Zehen betrifft) und ich kann weiterhin bei Sonne raus, ohne dass ich in Rauch aufgehe und in einem Sarg schlafe ich auch nur, wenn sich nichts besseres findet.

Diesmal war ich bei einem anderen Orthopäden. Der wollte nicht mein Blut, dafür viele Fotos von mir – hauptsächlich von meinem Knie. Als erstes gab es Ultraschallbilder und die gute Nachricht: mein Knie ist nicht schwanger. Dafür hatte es einen heftigen Bluterguss und deshalb: Röntgen. Andere Aufnahmemethode, gleiches Ergebnis: Bluterguss. Aber auf den ersten Blick keine Bruchstellen. Zur Sicherheit aber noch eine Fotosession: diesmal MRT (mein erstes Mal!). Und siehe da: ein Bluterguss. Dazu noch „Knochenprellungen“ und ein Riss, mindestens aber ein Anriss des Kreuzbandes. Meniskus und die restlichen Bänder ohne Befund. Zweite Premiere nach dem MRT: ein Bänderriss, oder wenigstens -anriss. Der Cheforthopäde (die MRT-Untersuchung war in einer anderen Praxis) meinte, es wäre wohl nur ein Anriss, aber trotzdem: weiterhin schonen (deshalb war ich weder bei der EM, noch bin ich aktuell bei der Tour de France dabei: der Arzt hat es verboten) und das Bein hochlegen. Ich versuche mich weitestgehend daran zu halten, hatte aber schon drei Fast-Unfälle, weil ich das Bein auf der Autobahn nicht schnell genug runter und auf die Bremse bekam. Da die Schmerzen aber auch immer mehr abnehmen, geht das mittlerweile doch recht zügig. Ansonsten trage ich einen Stützmanschette. Aus medizinischer Sicht „nicht nötig, aber schaden tuts auch nicht“ (Zitat Cheforthopäde) macht es dennoch Eindruck. Gestern wurde ich viermal darauf angesprochen und davon sogar zweimal bemitleidet. Läuft bei mir, bzw. eben nicht: deshalb Mitleid. Aber auch das wird immer weniger werden, denn das wird ja zusehends besser. Kaum noch Gehinke beim Laufen und das Gestöhne beim Aufstehen ist wieder fast auf dem Level wie vor dem Kreuzbandriss (oder -anriss). Als hat es sich also mit dem Jugendliche von den Behindertenplätzen im Bus verscheuchen, um sich selbst hinzusetzen und Gratis-Vitaminbonbons in der Apotheke sind dann auch passé. Es ist schon ein Kreuz mit der Gesundheit.

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Figaros, Barbiere, Trump und Johnson

Ich bin mir sicher, dass es nicht an mir liegt, aber trotzdem…

Beim ersten Mal war ich bei Vanessa, beim zweiten Mal hat sich Vanessa verleugnen lassen konnte Vanessa nicht, also war ich bei Anika. Da war ich auch beim dritten Mal und wäre beim vierten Mal gerne wieder zu ihr, aber es hieß, Anika sei nicht mehr da. Nicht an diesem Tag, nicht am Tag darauf, sie wäre nie mehr da. Also war ich wieder bei Vanessa, die wohl das Pech hatte, innerhalb der Anika-Phase nicht zu vermerken, dass man mich bitte niemals nie ihr als Vertretung zuordnen solle. Pech gehabt. Besuch Nummer fünf war also wieder bei Vanessa. Das Mädchen ist aber clever und deshalb hatte sie diese Woche leider „keine Zeit“. Ich könne aber zu Thomas.

Früher gabs Figaros und Barbiere, die dann zu Friseuren wurden. Irgendwann kam dann mit Rosa Praunheim und dem heißen Stuhl (das war eine Sendung und es ging um die gleichnamige Sitzgelegenheit) eine Outingwelle und plötzlich nannten sich die schwulen Friseure „Coiffeur“. Das reicht aber mittlerweile auch nicht mehr, denn –  so sagte mir die Dame am Telefon, nachdem sie mir erläuterte, dass das nichts mehr wird mit Vanessa und mir – Thomas sei ein Hair-Stylist.

Thomas ist klasse. Er ist total nett und sympathisch, er wäscht einem die Haare, dass man kurz erwägt, dieses langweilige Leben als Hetero über Bord zu werfen und sich von ihm den Rest seines Lebens die Haare waschen zu lassen und er macht seine Arbeit extrem gut. Nur… bei mir ist da nicht viel zu machen. Da sind Haare. Die wachsen. Irgendwann haben sie eine Länge hart an der Grenze zum Inakzeptablen. Der nächste logische Schritt wäre dann, sie abzuschneiden. Ich habe das mit dem Haareselbstschneiden mal probiert. Zum Glück beim Junior, denn das sah dermaßen furchtbar aus… deshalb machen das bei mir Vanessa, Anika und nun Thomas. Nicht, dass es da eines exorbitanten Friseurwissens bedarf, aber die haben da einfach den Blick für, was von der grauen Masse nun weggeschnitten werden kann und was man wohl besser mal lässt. Und Thomas, der Hair-Stylist, hat aufgrund seines Hair-Stylisten-Wissens nochmal doppelt soviel Ahnung – was übrigens auch mehr kostet. Vanessa und Anika waren günstiger. Aber auch schneller. Bei gleichem Ergebnis, nämlich: Haare kurz. Aber egal. Anika ist nicht mehr, Vanessa will nicht mehr, Thomas hat wahrscheinlich beim Auslosen verloren und muss nun ran.
Ich habe es ihm aber einfach gemacht und die ganze Zeit die Klappe gehalten, Atmung und Transpiration auf ein Minimum reduziert und war auch ansonsten pflegeleicht. Dazu gabs ein üppiges Trinkgeld und viel Lob. Sollte Thomas bei meiner nächsten Terminanfrage plötzlich auch nicht da sein, keine Zeit haben oder anderweitig verhindert sein, liegt es wahrscheinlich doch an mir.

Am meisten Angst macht mir ja, dass Donald Trump und Boris Johnson Frisuren haben, als wäre ihnen genau das passiert. Als hätten sämtliche Vanessas, Anikas und Thomasse dieser Welt gesagt, dass es grad nicht ginge, dass sie keine Zeit hätte, dass sie nicht da seien. Und schwupp hat man da durchgeknallte Typen mit seltsamen Frisuren und wirren Ideen. Blüht mir das gleiche Schicksal? Muss ich mit viel jüngeren osteuropäischen Models schlafen und Folter gut finden? Werde ich Bürgermeister von London?
Das ist ja furchtbar!!! Hm, wobei… Hm… Vielleicht sage ich meinen Termin bei Thomas nächsten Monat doch ab.

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Die griechische Kollegin mit der musikalischen Macht und die massierenden ITler

In Guantanomo Bay werden die Gefangenen durch dauerhafte Musikbeschallung gefoltert, in der Hoffnung, sie mürbe zu machen und zu brechen, auf dass sie doch endlich zugeben, was immer zuzugeben ist. Das ist nicht schön, aber in Zeiten, in denen Trump als Präsidentschaftskandidat ins Rennen gehen könnte, sollte klar sein, dass Amerika nicht unbedingt immer ein Sinnbild von Schönheit ist – schon gar nicht in Bezug auf Moral, Ethik und solchem Firlefanz.

Musik wird also auch schon mal als Folterinstrument eingesetzt. Kann ich auch gut nachvollziehen: der Nachbarsjunge spielt Schlagzeug und ich habe mal über einer Familie gewohnt, wo die Tochter keine Ahnung von Klarinette hatte, diese Tatsache aber ignorierte und ausgiebig Klarinette… naja, spielte wäre übertrieben. Sie quälte sie und somit auch mich. Das war quasi Guantanamo light mitten in München.

Ich bin also ein gebranntes und vor allem gequältes Kind und folglich mache ich mir Sorgen, wenn plötzlich Dinge musikalischer Art geschehen, die so nicht vorhersehbar oder angekündigt waren. Ich sorge mich zum Beispiel, weil in der Firma plötzlich Boxen in den Fluren stehen. Diese Boxen sind Teil eines großen Soundsystems (eines edlen Soundsystems), das fortan alle Flure im ganzen Gebäude einheitlich beschallen wird. Man kommt also nun aus dem Büro mit den typischen Bürogeräuschen („Setz nochmal Wasser auf!“, „In fünf Minuten ist Meeeeeting!“, Tippetitippetitipp, „Einen schönen guten Morgen, mein Name ist xyz, was kann ich für Sie tun?“) in einen bisher ruhigen, nun akkustisch untermalten Flur. Noch ungewohnt und… gebranntes und gequältes Kind … mit einer gewissen Sorge verbunden.

Bisher läuft so Easy-Listening-Esoterik-Gedudel. Man wähnt sich beim Gang durch den Flur ein bisschen in einem Wellnesstempel – allerdings ohne Whirlpool, Sauna oder Massage. Letzteres bekämen wir vielleicht noch hin – man sagt, die Jungs aus der IT hätten gelenkige Finger vom Serverschränkebestücken, aber ich weiß ja auch nicht… So eine Massage im Flur. Hm. Ob das entspannend ist? Immerhin würde ich bei dem Gelaber über Microsoft-Updates und Festplattengeschraube höchstwahrscheinlich in einer Millisekunde einschlafen, aber das bekäme ich bestimmt von der Arbeitszeit abgezogen und das muss dann ja auch nicht sein.*
Die Macht über das, was über das allumfassende Soundsystem läuft, hat übrigens die griechische Kollegin. Das habe ich heute vormittag erfahren und schwupp war da wieder – gebranntes und gequältes Kind – diese Sorge. Es wurde nicht besser, als sie erzählte, dass sie früh morgens, wenn sie noch alleine da ist, gerne mal griechische Musik durch die Flure jagt. Griechische Musik? Das sind dann wohl Songs wie der hier

aber ich glaube, sie meinte nicht sowas. Die Sorge wurde größer… Überhaupt: wie kann man die Macht über so etwas wichtiges wie GefangenenMitarbeiterbeschallung einer Frau überlassen? Es ist doch bekannt, dass es da gelegentlich zu…hm…sagen wir…leichten Schwankungen in der grundsätzlichen Stimmungslage kommen kann. So kleine, fast nicht wahrnehmbare Veränderungen. Vergleichbar mit Erdogan, dem man seine Verstimmungen ja auch nur anmerkt, wenn man ganz genau hinhört. Man stelle sich vor, Erdogan dürfe darüber bestimmen, was ich im Flur zu hören bekomme. Furchtbar! Zum Glück hat er nicht soviel Macht. Dafür aber die Kollegin. Sorge, Sorge, Sorge (gebranntes und gequältes Kind, sage ich da nur)!

Aber es hilft alles nichts. Man muss eben die Tür zum Flur langsam öffnen und lauschen, was da durch den Äther rauscht und wenn es hart auf hart kommt, wenn der absolute Notfall eintritt, wenn gar nichts mehr geht (Ich rede von Helene Fischer unplugged oder ähnlichem), wenn auch auf Hilfe von außen keine Hoffnung besteht, habe ich vorgesorgt: im Schreibtisch liegt eine Stricknadel mit 5 Millimeter Durchmesser. Es ist nur ein kurzer Schmerz sagt man, aber sobald das Trommelfell durch ist, hört man nichts mehr. Zumindest auf dem einen Ohr. Dann das gleiche nochmal beim anderen Trommelfell.
* Jetzt habe ich Bilder von mich massierenden IT-Menschen im Kopf und möchte mir die Stricknadel am liebsten direkt ins Gehirn stechen.

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El helado Brausewetter

Essen und Trinken sind wichtige Themen in der spanischen Kultur. Das geht so weit, dass man sogar eine Ortschaft nach einer Eissorte benennt: Malaga.

Malaga liegt in Andalusien, direkt an der Costa del Sol. Es gibt zwei Häfen: einen Handels- und einen Flughafen. Alles halbwegs Wichtige, was es in Malaga gibt, ist nach Picasso benannt, denn der kam von dort. Dass er sich später verkrümelt hat, nimmt man ihm wohl nicht weiter übel – oder es gibt anscheinend keine anderen Persönlichkeiten, die man irgendwie mit Malaga verbinden und werbewirksam einsetzen könnte. Wikipedia sagt, Antonio Banderas käme von hier. Den hätte man noch nehmen können. Aeoropuerto Banderas. Oder – auch das sagt Wikipedia: Hans Brausewetter! Das wäre doch mal ein cooler Name: Aeropuerto Brausewetter. Was für ein Spaß beim Landeanflug: „We’re now aproaching Malaga Brausewetter.“ Oder auch (bei Regen): „Wir befinden uns nun im Landeanflug auf Brausewetter. In Malaga: Brausewetter“. Da können Banderas und Picasso doch nur abkacken. Theoretisch. Tatsächlich machte der Pinselschwinger und Bronzestatuenzimmerer das Rennen. Meinetwegen. Ist ja auch kein leichtes Leben, wenn man heißt, wie eine Spielkarte – und dann auch noch „nur“ das As einer zweitklassigen Farbe (wobei: was heißt „Bander“ auf Deutsch? Ist ja vielleicht noch mieser als Pik). Letztlich ist es mir auch egal. Die Filme von Brausewetter kenne ich alle nicht, die von Banderas kenne ich, mag ihn aber hauptsächlich als Stimme des gestiefelten Katers und den Rest der malagalesischen Promis sind mir auch mehr oder weniger unbekannt. Also gerne Picasso hier, Picasso da, Picasso überall. Könnte schlimmer kommen. Zu einem Eis hat es aber auch für ihn nicht gelangt. El helado Picasso… nirgends zu lesen. Der Name würde irgendwie auch nicht zu einem Eis passen – es sei denn es handelt sich um den Auswurf eines Engländers, nach durchzechtem Vormittag, mit viel Bier, Sangria und vier Gratis-All-incl.-Eis obendrauf, was dann wie buntes Halbgefrorenes am Poolrand… das hätte dann Farbkompositorisch was von Picasso… aber warum sollte man sowas einen Namen geben… und schon gar nicht Picassos Namen… aber egal. Reicht ja, wenn die Straßen und Plätze nach ihm benannt sind. Die Engländer-Eis-Kreation kann man ja nach Brausewetter benennen – El helado Brausewetter – damit der gute Mann doch noch zu Ehren kommt; wenn auch zweifelhaften.

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Geht auf mich, Höhöhöhöhö.

Früher habe ich mich dem „All inclusive“-Phänomen beim Urlaub verweigert. Ich fand es erniedrigend, sich mittels eines grellfarbenen Bändchens identifizieren zu müssen, um von mitleidig lächelnden Angestellten ein 0,33l-Wasserfläschchen oder ein Bier im 0,2l-Plastikbecher über die Theke gereicht zu bekommen – zusammen mit einem Schnapsglas (natürlich aus Plastik) voller ranzig schmeckender Erdnüsse aus der Zeit, in der der Urlaubsort noch von der vorvorherigen Generation an Deutschen besetzt war. Das ist wahrscheinlich die Rache.

Es gibt allerdings die Momente, an denen man nichts tun. Tage, die man völlig unbeschwert erleben und sinnlos verplempern will, ohne dass man hinterfragt, ob das ok ist. Zeiten, in denen man über nichts nachdenken will und das dann auch tatsächlich durchzieht. Beamte kennen das als „Arbeitsalltag“ und genau das wollte ich auch mal erleben. Und wenn es bei mir schon nicht während der Arbeitszeit geht, dann halt im Urlaub. Also: All inclusive.
Ich muss gestehen: das hat was. Während um einen rum genervte Menschen mit nervigen nach Eis plärrenden Blagen das Kleingeld zählen – verzweifelt hoffend, dass es noch für das billigste Eis auf der schon vergilbten Langnese-Werbetafel reicht, halte ich, jovial lächelnd, mein am Handgelenk schlackerndes gelbes Bändchen in die Höhe und bekomme ruckzuck und ohne monetaren Einsatz ein 0,33l-Wasserfläschchen oder ein Bier im 0,2l-Plastikbecher. Einfach so. Das ist doch großartig! Ich bin begeistert. Man verkauft nur ein bisschen seiner Würde, kriegt ein Bändchen und schwupp ist man im Schlaraffenland, wo Getränke und Nüsschen in Plastikbechern in Hülle und Fülle zum Verzehr bereitstehen. Hammer. Den älteren deutschen Gästen muss man zu Anfang noch erklären, dass sie das Bändchen zwar zeigen müssen, aber bitte in dezenter Form und nicht so wie früher, wo noch alles besser war. Die meisten nehmen den Ratschlag auch gerne an und bedanken sich mit einem Bierchen. Im 0,2l-Plastikbecher. Natürlich mit dem bei All inclusive-Einrichtungen allgegenwärtigen: „Geht auf mich, Höhöhöhöhö.“

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Im Stehen kotzende Engländer – demnächst präsentiert von Vera Int Veen

Es gibt ja so hartnäckige Klischees. Holländer sind ausschließlich mit Wohnwägen unterwegs, Polen klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist und der übliche Sommerurlaub eines Engländers besteht aus den klassischen drei „S“: Sonnenbrand, Saufen und, klar, Saufen. Wenn man in Spanien weilt kommt noch ein viertes „S“ in Form von Sangria dazu. Und wie das ist mit vielen Klischees: oft stimmen sie. Speziell bei den Engländern kann ich das bestätigen. Da gibt es morgens schon mal einen Alibi-Kaffee, aber das wars dann mit Antialkoholischem. Spätestens um 11 Uhr sind die Schleusen geöffnet und es wird geflutet. All inklusive sei Dank mit dem Billigstem, was die jeweils lokale Spirituosenindustrie unter großzügigster Auslegung der Gesetze gerade noch so als trinkfähig in den Markt kippen darf. So gehts direkt aus dem Abbeiztank in den englischen Rachen und von da ins vom Vortag ohnehin noch vernebelte Gehirn. Ein kurzer Zwischenstopp ist im Magen. Nun ist der englische Magen aufgrund der kulinarischen Gegebenheiten in der Heimat ja schon einiges gewohnt und – so sollte man meinen – einigermaßen robust, aber bei Schnaps streicht auch er irgendwann die Segel. Vor allem bei Dauerbeschuss. Und somit nimmt so manches nicht den gewohnten, sondern stattdessen den Rückwärtsgang. Wenn man magentechnisch angeschlagene Engländer um sich herum und Glück hat, ist der Bewegungsapparat noch soweit intakt, dass es für die Auswirkungen dieses umdrehten Einfüllprozesses noch zu einem Gang auf die Toilette reicht… ansonsten muss eben alles herhalten, was auch nur im Ansatz gefliest ist und das kann auch schon mal ein Pool sein.

Der Engländer heute hat es aber noch an den passendsten Ort geschafft. Allerdings reichte es nicht mehr, die Tür zu schließen. Somit konnte jeder, der anwesend war, Zeuge werden, wie man im Stehen pinkelnd zeitgleich auch noch kotzen kann. Das sollte eigentlich für einen Auftritt in irgendeiner RTL-Talent-Show reichen. Vera Int Veen ist wahrscheinlich schon auf dem Weg.

Ich hätte mir ein Autogramm holen sollen – jetzt, wo er noch nicht bekannt ist. Später wird er sich wahrscheinlich nicht mehr an mich erinnern. Kennt man ja: wenn sie mal bekannt sind, kennen einen die Schnösel nicht mehr, machen einen auf Megastar und sind großkotzig. Ok, letzteres war der Typ auch heute schon und ob das mit dem Star werden klappt, ist auch noch nicht sicher. Vera Int Veen hat sich ja gerade ein bisschen zurückgezogen.

Andererseits war mir nicht danach nach einem Autogramm zu fragen. Hatte Gründe…

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Tarnhosenkauf im Motorradzubehörfachladen

Im Motorradzubehörfachladen, den ich zum Zwecke des Kaufs von Motorradzubehör aufgesucht hatte (es passte halt einfach: ich suchte Zubehör, die hatten welches…. Topf sucht Deckel und so), stand ein Mitglied eines hiesigen Motorradclubs vor mir an der Kasse. Man erkannte das unschwer am Emblem auf dem Rücken des Shirts, dem Wappen auf der Jacke, die er bei sich hatte und den Tattoos des Logos an diversen Körperstellen. Nun muss man wissen, dass dieser Club einen nicht unzweifelhaften Ruf genießt. Es geht da um Dinge im juristischen Graubereich und die meisten sind schon ein Spur heftiger als „Nicht kompletter Stillstand mit sich nicht mehr drehenden Reifen am Stop-Schild“ oder weibliche Polizistin „Bulette“ genannt. Und wie bei Rockerclubs üblich, sehen die Mitglieder meistens auch sehr martialisch aus. Den Leuten traut man zu, dass sie eine eigene Sprache sprechen, in der ein „Es tut mir leid, aber ich bin ja konträrer Ansicht“ wie ein gebrochener Kiefer klingt. Die Herren aus den Reihen dieser Clubs tragen oft Lederkluft, oder aber auch mal – am Casual Saturday – Tarnhosen.

Ich bin kein Fachmann für Tarnhosenkauf, aber mir dennoch ziemlich sicher, dass sie nicht unbedingt zum Standardsortiment des gemeinen Kleidungsfachhandels gehören und von US-Army oder der Bundeswehr geführten Bekleidungsgeschäften habe ich auch noch nicht gehört. Wo holt sich also der modisch interessierte Rocker die Tarnhose für den gepflegten Feierabend, wenn die Lederhose mal durchatmen darf (was sie sicher auch bitter nötig hat. Ich will den Herren Rocker ja nichts nachsagen, aber den ganzen Tag in Leder. Bei den Temperaturen. In direkter Nähe eines leistungsstarken und somit extrem aufgeheiztem Motor… da ist es nicht schwer sich mit einer Lederhose solidarisch zu zeigen, die mal durchatmen möchte) – na zum Beispiel in einem Motorradzubehörfachladen. Wobei… streng genommen ist eine Tarnhose kein Motorradzubehör, aber man muss ja nicht päpstlicher sein als der Papst und die Honda mal in der Kirche lassen. Tarnhosen in Motorradzubehörfachläden sind ok! Und der Herr vom Club vor mir, war sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst, denn er trug schon eine Tarnhose. Eigentlich sogar zwei: eine am Körper (in kurz) und eine andere in der Hand (in lang), mit dem Ziel selbige käuflich zu erwerben (für die Juristen: mitschreiben! Motorradzubehörfachläden gehören anscheinend nicht zum von Motorradgangs erpressten Klientel: dort wird korrekt eingekauft und bezahlt.). Mir lag ein „Hach, wenn man die Figur für solche Hosen hat“ auf der Zunge, hatte aber Bedenken, dass der Herr dies falsch auffassen könnte und da ich nicht weiß, was „Oh, meinen Sie? Das ist zwar nett, aber ich sehe es ein bisschen anders“ in seiner Sprache heißt, mir aber grob vorstellen kann, in welche Richtung das tendieren könnte, habe ich schön die Schnauze gehalten.

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