Vorgekochte Linsen

Heute hat die Dummheit final Einzug gehalten und zwar in Form von Linsen. Ich habe wirklich und ernsthaft vorgekochte Linsen gekauft. Im Beutel. Für 1,79 Euro.

Mal ehrlich: was kann man beim Linsenkochen falsch machen? Ok, zu lang oder zu kurz, aber wir reden hier nicht von Sekundenbruchteilen, in denen sie vom einen in den anderen Zustand switchen. Und selbst wenn man versehentlich eine Spur drüber war… dann gibts eben Eintopf anstatt Salat. Meine Güte, beides lecker und das Kind meckert so oder so.
Ich kann auch gar nicht sagen, was mich bewogen hat, diese vorgekochten Linsen zu kaufen. Es war ein spontaner Reflex, der Beutel ist chic gestaltet und Reis kaufe ich manchmal auch in der Variante (Mal ehrlich: was kann man beim Reiskochen falsch machen?). Klar, man soll nicht hungrig einkaufen, aber ich war nicht hungrig. Ich hatte auch keinen unbändigen Jieper auf Linsen und überhaupt ist eigentlich gar kein Linsenwetter. Es ist zu warm für Eintopf und an für Linsensalat ist noch nicht Sommer genug. Mein Verdacht ist ja: unterschwellige Werbung. Dass man mir diese Lust auf Linsen irgendwie irgendwo untergeschoben hat. Vielleicht hat der Azubi von Linsenplatz.de bei der Radiowerbung was falsch gemacht und nun sehen lauter Kurzsichtige weiterhin schlecht, aber haben Blähungen von zu viel Linsen. Das mit den Blähungen ist bei mir im üblichen Rahmen, daran lag es also wohl nicht, aber trotzdem bin ich nun im Besitz vorgekochter Hülsenfrüchte, was meinem Ego nicht gut tut, denn Hülsenfrüchte selber kochen kann ich durchaus und das in einer mehr als akzeptablen Qualität. Da braucht es keinen Beutel für die Mikrowelle.

Immerhin ist die Zutatenliste ok: Linsen, Wasser, Salz. Da kommt den E-Nummern-Fanatikern das kalte Grausen und manch einer wird die ganze Nacht durchheulen, nachdem er das gelesen hat. Einzig die unnütze Beutelverpackung wird ihm Freude bereiten, bzw. – wenn er Glück hat – seiner umweltverachtenden Freundin (und wie man weiß, sind die Chancen, dass E-Nummern-Fanatiker und umweltverachtende Personen in einer freundschaftlichen, wenn nicht sogar amorösen Beziehung zueinander stehen statistisch gesehen relativ hoch), deren Blut diesbezüglich in Wallung gerät, was Momente der Glückseligkeit für die Beiden, aber eben auch eine unnütze Beutelverpackung für den Rest der Menschheit zur Folge hätte.

Einkaufen ist echt gefährlich. Vorgekochte Linsen und das nur, weil ich auf eine schöne Verpackung reingefallen bin. Aber okay, hätte schlimmer kommen können. Gibt ja noch anderes, was anfangs schön verpackt ist und ruckzuck ist man verheiratet. Und ähnlich wie bei Linsen sieht das hinterher auch nicht alles aus, wie auf der tollen Beutelverpackung. Da hat man dann den Salat. Oder Eintopf.

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Ob Mantacore frisch geschoren war ist nicht bekannt

Heute fühle ich mich ein bisschen wie Siegfried und Roy. Nicht, dass ich mitten auf dem Ozean an Bord eines Kreuzfahrtschiff zufällig eine Wildkatze dabei gehabt, die Liebe meines Lebens in Form eines schwulen Zauberers gefunden und mit ihm und der Wildkatze eine Show entwickelt hätte (ob die Wildkatze überhaupt viel mitentwickelt hätte ist ohnehin fraglich, aber sie wäre Teil der Show geworden), nach Las Vegas gegangen und dort weitere Wildkatzen (aber sehr viel blassere, sehr sehr viel blassere. Eigentlich sogar schon fast komplett weiße) gezüchtet und ein eigenes Theater in einem Kasino nebst dazugehöriger Mega-Show gehabt hätte. Naja, wenn man es genau nimmt, weiß ich gar nicht so genau, wie sich Siegfried und Roy fühlen und die meisten Zeit bin ich auch nicht unglücklich, dass mir ihr Gefühlsleben so gänzlich unbekannt ist, aber so ein bisschen war ich heute wie sie, denn genau wie Siegfried und Roy musste ich ein wildes Tier bändigen: die große Katze hatte einen Tierarzttermin.

Der Termin war nötig, weil die große Katze sehr viel Fell, aber extrem wenig Lust auf Bürsten hat. Das ist eine sehr schlechte Konstellation, zumal wenn es eine Katze ist, die nach Lust und Laune nach draußen kann und von diesem Privileg auch ausgiebig Gebrauch macht. Somit verheddern sich ab und an kleine (und auch größere) Ästchen in der Katze bzw. deren Fell, die feinen Härchen legen sich um das Fremdobjekt, wickeln sich darum und binden es für immer und ewig an sich. Tatsächlich wird das im Lauf der Zeit wie Filz – es sei denn, man entfernt die Äste und sonstige Verhedderungen im Fell mittels einer Bürste, eines Kamms oder einfach irgendwie. Die große Katze versucht das mit der Zunge und teilweise klappt das auch erstaunlich gut… nur eben nicht immer. Aber für den Rest ist ja der Typ zuständig, bei dem sie wohnt: ich. Nur lässt sie mich nicht. Bzw. nicht immer und vor allem nicht überall. Rund um den Kopf, den Hals die Ohren und oberer Bauchansatz ist okay. Der Rest aber sowas von Tabu. Komme ich der verbotenen Zone zu nahe, wird aus dem Miau ruckzuck ein Metoo, das Tier springt empört auf und haut ab. Und so ergibt sich im Laufe der Zeit eine Katze mit durchaus ansehnlichem Fell im vorderen Bereich und einem einzigen großen Dreadlock-Fellknoten-Filzplatten-Areal im hinteren Bereich. Theoretisch könnte man sie nun packen, festhalten und fixieren und dann diese Knubbel mit einer Schere wegschneiden. Theoretisch. Praktisch ist es gar nicht so einfach, wenn nicht gar unmöglich eine 8-Kilo-Katze festzuhalten. Das ist wie Bullenreiten, nur dass der Bulle sehr spitze Zähne und wirklich scharfe Krallen hat. Also keine Chance und deshalb musste die große Katze heute zum Tierarzt, wo das Ganze unter Narkose vonstatten ging. Nicht wirklich schön, aber musste sein. Nun hat sie einen wuscheligen Kopf, danach ein fellloses, aber bunt-geschecktes Mittelstück, gefolgt von einem buschigen Schwanz. Und schlechte Laune, aber das legt sich sicher wieder. Zum Glück wirkt die Narkose noch ein bisschen; ansonsten hätte sie mich wahrscheinlich schon angefallen… womit wir wieder bei Siegfried und Roy wären. Da gab es ja mal einen Zwischenfall. Ich weiß nicht, ob der Tiger damals auch frisch geschoren war, aber es wäre eine mögliche Erklärung. Tja, hinterher ist man immer schlauer, aber ich lerne ja aus Fehlern (manchmal auch, wenn andere sie machen): ich denke, ich schlafe heute bei geschlossener Schlafzimmertür. Zur Sicherheit.

Kleiner Profi-Tipp zum Schluss: wenn Sie eine Katze zwecks Scheren zum Tierarzt bringen, lassen sie das mit den Sprüchen bezüglich Kosenamen für eine Katze (fängt mit M an) und dem Rasieren. Das scheint nicht gut anzukommen. Entweder ist das Personal prüde oder es gibt noch mehr Witzgiganten in der Gegend und Sie sind nicht die/der erste, die/der diesen Spruch bringt. Ging zumindest mir so. Auch die Frage nach Beispielen für mögliche Muster wird eher missbilligend zur Kenntnis genommen und der Einwurf, dass man sich das ja schließlich die nächsten Wochen tagtäglich ansehen müsse – es sei ja nicht wie in einer langen Ehe, wo das nur zu Ostern und Weihnachten zu begutachten wäre und dann auch nur ohne Licht , man sähe es fortan schließlich ständig – macht es nicht wirklich besser.

PS: kennt jemand einen guten Tierarzt? Bräuchte einen anderen… Aus Gründen.

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Nächstes Wochenende wird gerubbelt

Supermärkte. Wenn man an einem Samstag Nachmittag gute Laune hat, aber der Meinung ist, dass sich das unbedingt ändern sollte, geht da hin. Schon beim Betreten wird man von den Rentnerhorden kritisch beäugt. Das sind die Rentner, bzw. hauptsächlich Rentnerinnen, die es unter der Woche nicht geschafft haben, zur Feierabendzeit der arbeitenden Bevölkerung im Laden zu stehen und die Kassen zu blockieren. Vielleicht ist es auch die Profi-Liga der Einkaufsrentnerinnen, die nicht nur unter der Woche, sondern auch am Samstag ihrer sich selbstauferlegten Pflicht nachgehen. Im Laden kann man ja noch einigermaßen um sie herum manövrieren, denn sonderlich schnell sind sie ja nicht… sollte man meinen. Was sie drauf haben, zeigen sie aber an der Kasse. Wenn sich anbahnt, dass eine neue Kasse eröffnet wird, könnte man das medizinische Wunder erleben, wie Usain Bolt im Bruchteil einer Sekunde blass wird wie eine mit Kernseife sieben Tage eingeweichte und dann stundenlang ausgewaschene Gardine, wenn so eine Oma ihren mit ca. 150 kg an Waren befüllten Wagen in eben jenem Bruchteil einer Sekunde an die andere Kasse zu wuchtet.
Aber nicht nur die kassenbremsenden Renterinnen nerven. Meistens sind auch die Dinge, die man möchte nicht da. Heute war das zB. grüne Currypaste. Es gibt wirklich alles und an besagtem Regal war auch rund um die Currypasten alles vorhanden. Soja- und Fischsaucen, Gewürze dies, Gewürze das, Glasnudeln, Dinge mit unaussprechlichem Namen… aber keine Currypasten. Wird also dieses Wochenende nichts mit einer Spontankarriere als Asia-Jamie-Oliver. Schade. Muss ich dem Kamerateam wohl absagen, dass ich schon mal im Voraus gebucht hatte und auch die Sendezeit auf RNF plus kann ich wieder freigeben. Sorry für alle, die sich das nun umsonst in den Videorekorder einprogrammiert haben. Die Autogrammstunde am Montagmittag im Kaufhof ist aber trotzdem. Ich signiere Din A4-Ausdrucke meiner besten Asia-Rezepte – im Tausch gegen grüne Currypaste.
Nachdem man sich also durch im Weg stehende Rentnerinnen und fehlende Currypasten gequält hat, wartet als nächstes die Kasse. Während ich mir das Schienbein massiere (eine Oma hat mich in voller Fahrt touchiert als sie an die neu eröffnete Kasse gebrettert und vor mir eingebogen ist) sehe ich schon das Schild: Rubellose! Total toll, total super! Ein Los je zehn Euro Einkauf! Kaufen Sie, rubbeln Sie! Glauben die echt, dass die Leute so blöd sind, dass sie wegen sowas dämlichen wie Rubellosen in eben jenem Laden einkaufen? So ein Quatsch. Wieso sollte ich wegen Rubellosen immer wieder in dieses Geschäft? Die Rentnerinnen in dem anderen Supermarkt sind viel hübscher und außerdem nicht ganz so schnell: da hat man zumindest eine halbwegs reele Chance vorher an der Kasse zu sein. Und überhaupt war ich heute auch nur in dem Laden, um endlich die Gutscheinhefte mit den Klebemarken einzulösen. Das geht nämlich nur noch bis zum 17.2. und alle fünf auf einmal einlösen ist mir peinlich. Deshalb habe ich heute eine Steakpfanne und ein Salatbesteck (Was ich da gespart habe! Der Hammer!) gekauft, nächste Woche hole ich dann noch das Fondue, den Schmortopf und das 2er Set Schüsselchen. Und weil die Sachen trotz der Mega-Ersparnis dank Klebemarkenheftchen noch ziemlich teuer sind, werde ich mir für das nächste Wochenende nichts vornehmen: da steht Rubbeln auf dem Programm. Aber dann werde ich nicht mehr in diesen Laden gehen. Würde auch keinen Sinn machen, weil ich dank der durchs Extrem-Rubbeln erworbenen Sehnenscheidenentzündung in den Wochen danach eh nicht selbstständig einkaufen kann und ich werde niemanden zwingen, sich mit diesen Rentnerinnen anzulegen. Oder zum Rubbeln verführen. Könnte ich mir nie verzeihen, wenn jemand wegen mir zum Rubbeljunkie würde. Reicht ja, dass ich einige kenne, die an Klebemarkenheften kleben blieben… das lag dann aber am eher am fehlenden Intellekt.

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Lauch ist auch nichts anderes als eine Frühlingszwiebel, die sich Steroide einwirft und ständig in Muckibuden abhängt

Ich stehe in der Küche und überlege, ob ich jemals einen Hamster hatte. Hatte ich meines Wissens nach nicht. Überlege, ob der Junior jemals einen Hamster hatte. Auch da: Fehlanzeige. Wir sind ein hamsterloser Haushalt. Das ist tragisch, vor allem aus Sicht hamsteraffiner Menschen. Mir persönlich ist das weitestgehend egal, da ich Hamster schon immer als die versnobte, pelztragende Variante einer Ratte sah und ich die noch weniger mag. Die Reihenfolge beim Zusammentreffen mit einer Ratte wäre also nicht ein „Zieh Dir gefälligst was an, Ratte!“, sie zieht sich ihren versnobten Pelzmantel an und schwupp kommt mein Hieb mit der Schaufel, sondern direkt die Schaufel noch vor dem Griff nach dem Pelzmantel. Sensible Menschen lesen hier zwischen den Zeilen heraus, dass mein Verhältnis zu Hamstern nicht von Zuneigung, Harmonie und Sympathie geprägt ist und sie liegen damit nicht komplett falsch. Ähnlich, wenn nicht genau gleich verhält es sich mit Lauch…

Ich bin kein Freund von Suppen. Nicht, dass ich Suppen total verachte, aber muss nicht sein. Wenn ich die Auswahl zwischen einer Hühnerbrühe und der festen Version, also einem Hähnchenbrustfilet habe, nehme ich letzteres. Gleiches gilt für Rinderbouillon versus Steak. Warum sollte man etwas Leckeres verwässern?
Lauch mag ich auch nicht unbedingt. Ein seltsames Gemüse. Lauch sieht aus wie eine Frühlingszwiebel, die sich Steroide einwirft und ständig in Muckibuden abhängt. Nicht umsonst gilt „Du Lauch“ mittlerweile als Schimpfwort. Trotzdem gibt es immer noch Leute, die Lauch (als Gemüse) gut finden und einige kippen es sogar noch in die Suppe. Furchtbar. Man schwärmte mir mal von einer Lauch-Käse-Suppe vor und mir wurde schon vom Zuhören schlecht. Suppe… und dann auch noch Lauch da drin. Mir tat der Käse sowas von leid. Das hat kein Käse verdient, dass er sich mit sowas abgeben muss… dieser musste es aber wohl. Ich weiß nicht, ob ich Gast auf einer Party sein möchte, bei der man den Gästen Lauch-Käse-Suppe vorsetzt. Was kommt danach? Mettigel aus Tofu? Rohe Karotten und ein Päckchen Palmin als Dip? Zum Glück kenne ich solche Leute nicht – die Versorgung war bisher immer wunderbar und gab keinen Anlass zur Rebellion. Gemüse gab es schon ab und an, aber die Leute haben alle Geschmack und somit keinen Lauch und am Nähesten an Suppe war Gulasch (bis auf die Pilzsuppe letztens und die war der Hammer). Also alles richtig gemacht.

Worst Case Szenario wäre dann wohl eine Lauch-Hamster-Ratten-Suppe. Geschmacklich extrem widerlich und ständig das Fell vom Hamster zwischen den Zähnen. Zum Glück gibt es das nicht, bzw. wurde noch nicht aus dem asiatischen Raum zu uns herangetragen. Oder die Asia-Imbisse sind so clever und rasieren die Hamster vor der Zubereitung… dann merkt man es nicht gleich. Tatsächlich kam mir die Nummer 67 beim letzten Mal etwas seltsam vor. Hm. Lamstel-Latte-Lauch ist auch ein seltsamer Name für eine Suppe, wenn man so drüber nachdenkt…

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Katzen, Frauen, Logik und Kraulen in der Nacht (sie liegt oben)

Katzen… wunderschöne Wesen, aber mit teilweise völlig unerklärlichem, total unlogischem Verhalten. Wie bei Frauen. Mich trifft es doppelt hart, denn die beiden Katzen hier im Haus sind Damen. Es ist aber leider nicht so, dass fehlende Logik (Katze) und fehlende Logik (Frau) sich gegenseitig aufheben; eher im Gegenteil… es wird alles noch absurder. Die kleine Katze steht zum Beispiel neben einem und meckert ausgiebig. Oha, da möchte jemand gestreichelt werden, denkt man(n) und bückt sich, um die Katze hochzunehmen, damit das große Kraulen beginnen kann. Die kleine Katze haut aber ab, flüchtet sogar, wenn man ihr nachläuft. Nach zwei Minuten steht sie aber wieder da und meckert. Hat man sie dann doch mal erwischt, ist alles gut: trautes Kraulen und wohliges Schnurren (also die Katze, ich versuche nach der Jagd wieder zu Atem zu kommen). Ich habe bisher noch nicht herausgefunden, was das soll, aber es muss wohl so sein. Vielleicht ist es ein perfides Spiel, von dem ich keine Ahnung habe… ich weiß es nicht. Die Situation sieht aber völlig anders aus, wenn ihr in der Nacht einfällt, dass es mal wieder Zeit für Kuscheln wäre… da springt das vorher ach-so-ängstliche Kätzchen auf den großen schlafenden Mann, haut ihm mit der Tatze auf den Kopf und jammert laut und herzerweichend direkt in sein Ohr. Funktioniert nicht immer, aber manchmal eben doch. Dann muss ich mich auf den Rücken drehen, die kleine Katze legt sich Gesicht zu mir auf meinen Bauch, Decke drüber und dann ausgiebiges Wangen- und Halskraulen. Also ich bei der Katze. Umgekehrt gibt es höchstens eins auf die Nase, wenn ich versehentlich (oder wegen Müdigkeit) aufhöre zu kraulen.

Hm, da steckt vielleicht doch eine Logik dahinter und zwar eine ganz perfide! Wenn man es sich genau anschaut, erreichen die Katzen trotz oder vielleicht auch wegen ihrer unlogischen Handlungen am Ende genau das, was sie wollen. Nehmen wir die kleine Katze: sie will, dass ich sie streichle, also stellt sie sich neben mich und miaut nach Aufmerksamkeit. Eigentlich könnte sie die sofort haben, aber stattdessen haut sie ab und ich verfolge sie. Mein Ziel ist es, der Katze die Streicheleinheiten zu geben, die sie braucht, aber anscheinend (so redet mir die Katze durch ihre Flucht ein) war ich zu ungeschickt, die kleine Katze hat sich erschrocken und ist vor mir abgehauen. Oje, die arme Katze. Irgendwann erwische ich sie, streichle wie verrückt und kraule noch mehr, aber tief in mir hat sich festgesetzt, dass ich das arme Ding ja so arg gestresst habe mit meinem ungeschickten Handeln… die Katze ist bestimmt total verwirrt. Das macht sie sich dann in der Nacht zunutze, klettert auf mich und miaut mir ein „Ich werde versuchen, zu vergessen was war… Ich vertraue Dir sogar so sehr, dass ich unter die Decke komme! Also los, dreh Dich um!“ ins Ohr – und das funktioniert auch noch. Nicht immer, aber oft.
So gesehen macht es die große Katze nicht anders. Sie hüpft immer auf meinen Schoß. Beim Streicheln entdecke ich Knoten in ihrem Fell, die ich entfernen möchte. Sie lässt das kurz zu, ist dann tierisch empört, schnappt nach mir und zieht von dannen …um dann zwei Minuten später wieder auf den Schoß zu springen und Kraulen einzufordern. Natürlich habe ich dann ein schlechtes Gewissen, kraule wie ein Weltmeister und lasse die Knubbel im Fell Knubbel sein. Die vermeintliche Unlogik, dass sie trotzdem wieder kommt beruht also wahrscheinlich nur auf der Tatsache, dass sie weiß, dass danach Ruhe ist und außer Kraulen kein nerviges Fellgeziepe auf dem Programm steht.

So ist das also… die Katzen durchschaue ich so langsam. Wenn mir das jetzt noch bei Frauen gelingt ist alles gut, aber ich befürchte, das wird nicht so einfach. Da ist es mit simplen Gekraule und Finger weg vom Fell nicht unbedingt getan…

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Fieberthermometer und Weinverkostungen

Rotwein soll man immer bei einer bestimmten Temperatur trinken. Die Angaben schwanken so um die zehn bis zwölf Grad.

Das ist doch pervers! Ich habe gerade nachgemessen: meine Körpertemperatur beträgt aktuell 37,2 Grad. Soll ich mich jetzt in eine Badewanne mit Eiswürfel setzen, damit ich auf zehn bis zwölf Grad unterkühle? Was soll denn der Quatsch? Wer hat denn mit einer akuten Unterkühlung noch Lust auf den ach so tollen Rotwein? Und wie ist das bei einem Date… geht man da gemeinsam in die Eiswürfelwanne oder reicht es, wenn einer der beiden sich in der Dusche eine Fuhre Crushed Ice übers Haupt gießt, während der andere in der Wanne erfriert? Und überhaupt: was soll denn an dem Abend noch gehen, außer den Rotwein in der Mikrowelle auf Temperatur gebracht und unter die dicke Decke gekuschelt bei einer Folge „Frauentausch“ gemeinsam genossen? Da dann doch lieber heiß geduscht den Rotwein genießen. Scheiß auf die Etikette (also jetzt nicht wörtlich… so auf die Weinflasche… das wäre schon sehr eklig) und lieber nicht im Kältekoma den Wein genießen, als auf Yetitemperatur die vereisten Lippen nicht öffnen können; dann bringt einem der tollste Wein nämlich auch nichts, wenn man ihn nicht trinken kann. Wenn er warm genug ist, kann man ihn sich überleeren, aber das wäre ja auch Verschwendung.

Ich habe keine Lust mehr, mich da rein zu denken. Ich trinke den Wein einfach so und ohne auf meine Körpertemperatur zu achten. Der Wein merkt das eh nicht und ich werde mich hüten, ihm die aktuellen Daten zu sagen. Sähe vielleicht auch blöd aus, wenn man im Restaurant sitzt und seinem Glas Zahlen wie 37,2 zuraunt. Andererseits sitzen da auch Leute, die was von blumig, vegetabil, balsamisch und ähnlichem labern. Einmal war da eine Frau, die von „vollmundig“ sprach. Es dauerte etwas, bis ich merkte, dass es um den Wein ging. Was damit gemeint war… keine Ahnung.

Wein ist also Wein und Körpertemperatur spielt dabei keine Rolle …es sei denn, Sie messen wie ich auch auf die altherkömmliche Methode. Da empfiehlt es sich, das Messgerät vor dem Weingenuss zu entfernen – wenn man es vergisst, kommt es ob einer Überdosis an Sinnesempfindungen zu einem verfälschten Ergebnis bei der Weinverkostung.

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Tach, Post

Ende November war ein Brief im Briefkasten. Super, dachte ich mir. Steht das blöde Ding nicht völlig sinnlos da und verschandelt die Gegend. Ist aber grundsätzlich schon gut, dass er da steht; ansonsten wüsste der Briefträger ja auch nicht wohin mit all der Post, die werbetreibende Industrie hätte keinen Platz um ihre Prospekte abzulegen und ich hätte einen Schlüssel am Schlüsselbund, von dem ich gar nicht wüsste, wozu der da ist. Dank vorhandenem Briefkasten weiß ich es aber und so konnte ich an eben jenem mir nicht mehr näher geläufigen Tag Ende November mit diesem Schlüssel, den bei mir vorhandenen Briefkasten öffnen und siehe da: ein Brief. Wie passend. Wer mochte mir da wohl geschrieben haben? Die Lottogesellschaft, um mir von meinem Millionengewinn zu berichten? Mein Zwillingsbruder, von dem weder ich, noch meine Mutter wusste? Der erste Affe, der von Hand schreiben kann und mich als Adressaten für seinen ersten Brief erwählt hat? Eine Dame, die mir von ihrer geheimen Liebe zu mir beichten möchte? Oder womöglich meine Zahnärztin, die mich daran erinnert, dass es mal wieder Zeit für einen Check wäre?

Ok, sie hat natürlich vollkommen recht: ich müsste tatsächlich mal wieder zum Check, aber mal ehrlich: gibt es ein passenderes Thema zum Verdrängen als ein Zahnarzttermin? Darmspiegelung vielleicht, aber die schreiben zum Glück keine Briefe (es sei denn, die haben sehr explizite Bilder auf ihren Flyers und da ging es gar nicht um neue Garagen – mit Platz für zwei). Meine Zahnärztin hat da aber auch den falschen Ansatz. In dem Brief stand sinngemäß, dass es Zeit für ein Rendezvous wäre und ich mich doch mal melden solle. Das funktioniert ja schon bei den ganzen WhatsApp-Nachrichten nicht, die da stündlich eintrudeln, warum sollte es also hier klappen? In dem Brief sollte ein konkretes Datum mit fixer Uhrzeit stehen, wo man sich in der Praxis zur Untersuchung zu melden hat – unter Androhung von Gewalt, falls man nicht erscheint. Aber der lapidare Hinweis, dass man sich ja mal melden könne – Frau Doktor hat Lust einem mal wieder auf den Nerv zu gehen; und das im wortwörtlichen Sinn… das ist jetzt nix, was in mir den akuten Drang auslöst, mich dort zu melden. Gut, wenn man auf Schmerzen steht, sind die Finger am Telefon, um einen Termin zu vereinbaren. Ich konnte dem Drang bis zum heutigen Tag widerstehen. Bei mir ist es genau umgekehrt: ich melde mich dort wahrscheinlich erst, wenn ein Schmerz auftaucht, in der Hoffnung, dass Frau Doktor ihn beseitigt. So unterschiedlich sind Geschmäcker.

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Gold-Investment-Fachleute stehen selten ungefragt vor der Tür

Manchmal gibt es wirklich unglaubliche Zufälle. So mache ich mir schon seit einiger Zeit Gedanken, wie ich mich fürs Alter rüsten soll. Also finanziell – wegen dem anderen lasse ich mir dann diese blauen Tabletten verschreiben, wenn es soweit ist. Was also tun, mit dem vielen Geld, das in den Kissen vor sich hinmodert und dabei eher an Substanz verliert, denn an Wert gewinnt. Und wie der Zufall so will, klingelten heute zwei Leute bei mir, die vom Schicksal direkt vor meine Tür geweht wurden. Er ganz seriös im Anzug mit Krawatte, sie etwas bieder in einem Kleid, dessen Farbe Schlamm zu nennen dem gemeinen Schlamm, wie man ihn so kennt, unrecht tun würde. Ein bisschen überrascht waren sie schon, als ich sie ins Haus bat. Kannten sie wohl nicht, aber ist auch kein Wunder. Hier in der Gegend wohnen hauptsächliche Leute, die im hier und heute leben und denen egal ist, was die Zukunft bringt. Die nehmen es mit vielem nicht so genau und manchmal auch Umstände hin, die für andere inakzeptabel wären. In der Nähe von mir zu wohnen zum Beispiel.
Jedenfalls waren die beiden glücklich ob meines Interesses und legten auch gleich mal los mit ihrem Vortrag. Am Anfang lauschte ich auch noch sehr gespannt, aber nach einer halben Stunde fragte ich mich schon, was das Ganze denn nun mit dem eigentlichen Thema zu tun haben soll. Aber man ist ja geduldig. Es gibt Filme, die auch eher mäßig und zäh anfangen, aber mit einem fulminanten Ende aufwarten. Oder ein Tête-à-Tête mit einer Dame in entspannter Atmosphäre, im Hintergrund klimpert Richard Clayderman romantiktrunken auf dem Piano, zwei Rotweingläser stehen auf dem Tisch, eins mit Spuren von Lippenstift (Scheiß Erkältung, da habe ich immer so trockene Lippen. Deshalb Labels), eine gewisse Spannung ist zu spüren, die aber nachlässt, nachdem der WonderBra geöffnet ist… Also dieses Art von Sichhinziehen, das aber auf ein großartiges Ende hoffen lässt. Ich wartet also nochmal eine halbe Stunde, dann wars mir zu blöd und ich fragte, wann wir endlich zu dieser Investiere in Gold-Sache kämen.

Ich hätte von vornherein stutzig werden sollen. Gold-Investment-Fachleute stehen selten ungefragt vor der Tür und selbst wenn, täten sie das wahrscheinlich nicht an einem Sonntag Morgen. Nun klingt „Wir möchten mir Ihnen über Gold reden“ schon so ein bisschen wie „Wir möchten mir Ihnen über Gott reden“, wobei die Dame und der Herr von den Zeugen Jehovas das nicht so hinnehmen wollten, es wäre doch Schicksal gewesen, dass ich sie hereingebeten hätte, ich würde doch spüren, dass es da eine Verbindung gäbe, usw… den Rest habe ich durch die geschlossene Tür dann nicht mehr so richtig verstanden.
Bezüglich Investment hat mich das also nicht wirklich weitergebracht, aber was solls. Bleibt halt das Geld vorerst weiterhin in den Kissen. Speziell die Münzen tun allerdings schon ein bisschen weh und so richtig warm gibt das auch nicht (die 10er kann man knicken, die 50er sind schon ein bisschen flauschiger). Auf Dauer ist das eher nichts. Aber mal abwarten, wer diese Woche so bei mir anklingelt. Ich hätte vielleicht doch Anfang letzten Jahres bei dem Typen investieren sollen, der vom Zirkus kam und Geld für die Ponys wollte. Vielleicht hätte ich mittlerweile schon ein ganzes Gestüt. Und dort Hausverbot, weil ich immer, also wirklich immer und jeden Tag jeden mit „Hey, warum liegt hier eigentlich Stroh?“ nerven würde. Hab damals aber nicht investiert, weil ich kurz zuvor schon dieser aufstrebenden Rap-Combo was gegeben hatte: Caspar, Melchior und Balthasar hießen die. Klangen wirklich nicht schlecht. Dieses Jahr waren sie wieder da, aber von den Gründungsmitgliedern war keiner mehr dabei und das Repertoire war immer noch das gleiche. Noch so eine Fehlinvestition.

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Einzel eingeschweißte Doppelscheiben

Heute stand im Supermarkt einer, der seine Einkäufe in einen mitgebrachten Veuve Clicquot-Karton packte. Gibt ja auch nichts was besser zu einer Packung Kinder-Schokoriegeln, je zwei Packungen Lachs und Feldsalat, sowie zwei Flaschen Aperol passen würde. Wahrscheinlich geht er mit dem Faber-Sekt-Karton in München bei Feinkost Käfer einkaufen. Aber nun denn, jeder wie ihm beliebt und ehrlich gesagt war ich auch ein bisschen neidisch: dieser Veuve Clicquot-Karton wirkte bei weitem stabiler als mein dünnes Moet-Kartönchen.

Die Zusammenstellung seines Einkaufs fand ich auch etwas seltsam. Lachs und Feldsalat gehen ja noch einigermaßen Hand in Hand, aber Kinder-Schokoriegel und Aperol? Und wieso gleich zwei Flaschen? Ist das nicht eher ein Sommergetränk und zudem nichts, was man sich täglich gibt – zumal wenn überhaupt nur in homöopathischen Dosen? Ich kenne das eigentlich nur von Festen wie Hochzeit, Taufe oder ähnliches, wo man sich das halt alibimäßig vom Tablett nimmt, weil es blöd aussieht, wenn man mit einem halben Liter Humpen Weizenbier mit den kleinen Aperols (alternativ Hugos. Oder heißt der Plural da Hugen?) anstößt. Zudem will man ja niemandem wehtun und auch Gläser haben Gefühle (wobei Größe auch da nicht wichtig ist, aber sagen Sie das mal einem Aperol-Glas, das gerade Auge in Auge mit einem Weizenglas stand). In meinem Moet-Karton waren nur bodenständige Dinge, die auch weitestgehend Sinn machen: Vollkornbrot (diese Packung, wo immer zwei Scheiben einzeln verpackt sind… ok, klingt wie ein Widerspruch, ist aber so: zwei Scheiben sind zusammen eingeschweißt und gemeinsam mit weiteren einzel verschweißten Doppelscheiben in einer großen Packung. Quasi dem Heim für einzel eingeschweißte Doppelscheiben. So sollten sie das am Besten auch nennen, aber es heißt irgendwas mit Aktiv-Brot oder so. Soll wohl dicke Menschen dazu bringen, das zu kaufen, weil sie sich dann besser fühlen und meinen, sie hätten was für ihre Gesundheit getan. Gilt natürlich nicht für mich: ich würde es auch kaufen, wenn es „Einzel eingeschweißte Doppelscheiben“ heißen würde.), Käse in verschiedenen Ausprägungen, Fleischwurst, ein Tee-Ei, normale Eier, Dijon-Senf, Wacholderbeeren, Knäckebrot (Mjölk).
Ich finde das nicht schlecht für jemanden, der eigentlich nur Wachholderbeeren und zwei Brezeln holen wollte. Aber unterbewusst war mir wohl schon klar, dass das mehr wird – sonst hätte ich den blöden Karton ja nicht mitgeschleppt. Das ist dann bestimmt wie bei zu großen Tellern: man packt sich mehr drauf, weil das so leer aussieht und schwupp hat man zuviel gefuttert. Genau wie hier: Großer Karton, darin ein einsames Päckchen Wacholderbeeren und zwei Brezeln, die immerhin nicht einsam, weil zu zweit waren, aber trotzdem deprimiert und es gibt nichts traurigeres als deprimierte Brezeln… wenn die Salzkörner ihre Tränen aufsaugen wollen, es aber nicht schaffen, weil auch die Tränen so salzig sind… ich schweife ab… jedenfalls habe ich dann wahrscheinlich gedacht, dass das ja peinlich ist, mit so einem versnobten Karton an die Kasse zu gehen und dann nur ein paar Wacholderbeeren und deprimierte Brezeln drin zu haben. Konnte ja nicht ahnen, dass da jemand mit einem Veuve Clicquot-Karton vor mir steht und sich Feldsalat mit Lachs zusammen mit 1,5 Liter Aperol plus Kinder Schokoriegel zum Abendessen gibt. Da wäre ich mit meinem Mini-Einkauf auch nicht weiter aufgefallen.

Und noch ein kleiner Tipp vom Profi: Wacholder- schmecken im Vergleich zu Himbeeren kein bisschen in Kombination mit Vanilleeis. Sie schmecken auch nicht ohne Vanilleeis. Und sind sehr hart.

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Tigerin, Einhorn, der schwere Rote und ein Kurzer

Das Restaurant meines Vertrauens bewirbt bei Facebook ein anstehendes Event und weil die Events dort immer toll sind, war ich schon kurz davor, direkt und sofort und ad hoc zu reservieren… habe ich dann aber nicht getan, denn es handelt sich hier um den Valentinstag und da als Einzelperson aufzutauchen, käme wahrscheinlich ein bisschen komisch. Andererseits… so am Einzeltisch sitzen, sich das Menu schmecken zu lassen, während man die Weinkarte mal alphabetisch, mal per Zufallsprinzip hoch- und runter durchprobiert hätte bestimmt auch was. Vor allem, wenn die nach all den Jahren in Ehe und/oder Beziehung so langsam von dem ganzen Romantikzeugs genug habenden Herren der Neid anzusehen ist und sie feuchte Augen bekommen, wenn sie halbherzig händchenhaltend und zwangslächelnd dem Schnucki-Kuschelhase-Mausi-Gedöns der Liebsten lauschen und dazwischen mein „Ach was solls, ich nehm nochmal diesen schweren Roten und dazu noch einen Kurzen“ hören. Bei letzterem dürften eventuell auch die Damen aufhören, klingt das doch wie die ausschweifende Party mit den vielen Typen und zu viel Alkohol… aber die Zeiten sind ja vorbei, nun gibt es nur noch den einen und der sitzt gegenüber und hach, wie süß: er hat ein Tränchen im Auge…

Das klingt nach Spaß, aber ich weiß nicht… am Valentinstag alleine essen gehen… nicht, dass ich da sentimental werde. Tief in mir schlummert ein Romantiker. Eigentlich schlummert er nicht, er schläft. Tief und fest. Sehr tief und extrem fest. Trotzdem könnte die hormongeschwängerte Atmosphäre an diesem besonderen Tag vielleicht doch gefährlich werden. Womöglich mache ich der Kellnerin einen Heiratsantrag. Oder dem Kellner. Vielleicht setze ich mich zu einem Pärchen und halte Händchen mit deren händchenhaltenden Händchen. Und noch schlimmer: der Valentinstag ist dieses Jahr am Aschermittwoch und am Tag zuvor ist im Nachbarort der legendäre Faschingsumzug. Letztes Jahr war da diese tolle Tigerin, die unbedingt ein Foto mit einem Einhorn (ich) wollte. Leider hat der Romantiker in mir da schon tief und fest geschlafen, sonst wüsste ich jetzt, wer das war, könnte mich für den Umzug verabreden und gleichzeitig noch zum gemeinsamen Essen am Aschermittwoch einladen und dann je nachdem, wie die Sache läuft überrascht tun, dass es „zufällig“ ein Valentinstagsevent ist oder behaupten, dass ich wusste, dass wir uns so super verstehen und deshalb natürlich das Valentinstagevent für uns schon Jahre im voraus gebucht habe (Oh, ich darf nicht vergessen, Ringe zu besorgen!). Je nachdem kommen wir dann direkt vom Umzug und den Feierlichkeiten danach, aber ich bin mir sicher, dass sich die ganzen Verliebten nicht daran stören, wenn da eine Tigerin und ein Einhorn am Tisch sitzen.

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