Das Grönemeyer-Komplott

Heute lief erstaunlich oft Grönemeyer und ich dachte nur: „Verdammt, der Herbert!“, aber anscheinend ist er gar nicht gestorben. Welchen anderen Grund diese Anhäufung an Grönemeyer hatte… keine Ahnung. Ich glaube, es war sogar immer der gleiche Song, nur welcher das war, kann ich nicht sagen. Ich hätte auf den Text hören sollen, dann könnte ich jetzt danach googeln, nur: ich habe auf den Text gehört und außer Genuschel nichts verstanden, was googeln extrem schwer bis nahezu unmöglich macht.

Wie das wohl ist, wenn in einer großen Stadt, einer Metropole… sowas wie Hamburg, München oder Berlin …wenn also in so einer gewaltigen Stadt eine Preisverleihung ansteht… Vor den Toren des beindruckenden Schauplatzes – denn es ist ein große Preisverleihung, natürlich, sonst wäre sie ja in Castrop-Rauxel oder Fürth, ist sie aber nicht, sondern sie findet in einer großen Stadt statt und natürlich lässt man sich nicht lumpen und nimmt keine heruntergekommene Turnhalle oder gar die Stadthalle aus den späten Siebzigern, wo die Asbestdecke nur grob abgetragen und durch Styroporblenden ersetzt, sondern das beste Gebäude, das sich auftreiben lässt – (Sie kommen noch mit? Kleiner Hint: es geht um die Tore des beindruckenden Schauplatzes in der großen Stadt, in dem eine aufsehenerregende Preisverleihung stattfinden wird. Vor diesen Toren also…) drängen sich Hipster (Berlin), belederhoste Fans (München) oder Matrosen (Hamburg. Oder Berlin, wenn nebenan eine Comic Convention stattfindet und eine Horde Donald-Duck-Cosplayer gerade zufällig vorbeikam), um die Stars aus der Nähe zu sehen, die es zu besagter Preisverleihung drängt.
Natürlich bekommt nicht jeder der anwesenden Promis einen Preis, aber das ist ja auch egal: man muss sich trotzdem blicken lassen, den einen oder anderen Schluck Champagner trinken und letztlich ist man auch auf solchen Festivitäten, um mit den anderen Promis smallzutalken. Da wird dann abgelästert, weil das Lippenaufspritzen bei der einen dann doch etwas zu drastisch ausfiel, weil eine andere das gleiche Kleid anhat, wie auf der Preisverleihung vor zwei Wochen in Castrop-Rauxel und dass die Dame ja wohl eh auf dem absteigenden Ast zu sein dürfte, wenn sie schon nach Castrop-Rauxel ginge. Bald würde man sie bestimmt auch in Fürth sehen, usw. usf.
Nebenbei bedienen sich die Stars und Sternchen am Buffet. Für viele die erste genießbare Nahrung, nachdem sie aus dem Dschungelcamp zurück sind. Und irgendwo in dieser Meute geballter Prominenz stehen zwei Männer, die scheinbar in ein Gespräch vertieft ist, doch selbst, wenn man direkt daneben steht und die Lauscher weit aufreisst: man versteht nicht, was die beiden bereden, sondern hört nur „Nuschelnuschelhmmnuschelnuschelhm“. Man schiebt sich noch näher heran, aber keine Chance – man versteht nicht. Man überlegt, sich einfach dazuzustellen, um seine Neugier offensiv und direkt zu befriedigen, aber sowas macht man nicht. Man grübelt nicht hin und her und plötzlich erkennt man die beiden: das sind ja Herbert Grönemeyer und Til Schweiger. Klar, dass da alles Lauschen nichts bringt.
Ob die beiden sich in einer Geheimsprache unterhalten und tatsächlich verstehen, was der andere so nuschelt? Wäre interessant zu wissen, nur: selbst wenn sie es einem auf Nachfrage sagen würden: man verstünde die Antwort ja eh nicht. Kann man also gleich bleiben lassen und sich lieber wieder den Schnittchen widmen: sowohl denen vom Buffet, als auch den C-Promi-Damen. Muss man ja ausnutzen, wenn man schon mal in so einer großen Stadt bei einer sensationellen Preisverleihung ist. In Castrop-Rauxel gibts ja immer nur Kartoffelsuppe. Von Schnittchen keine Spur. Auch sonst nicht. Und von Fürth hört man ähnliches.

Warum heute so oft Grönemeyer lief weiß ich aber immer noch nicht. War vielleicht nur Zufall. Oder es ist ein ganz fieser Komplott: weil der Radiohörer den Grönemeyer nicht versteht, dreht er das Radio voll auf (in letzter Zeit hat er ja auch nur noch so schnulzigen Kram, der noch zusätzlich drei Stufen leiser vor sich hinwabert), um vielleicht doch noch irgendwelche Textfetzen zu entschlüsseln (was nicht klappen wird, aber das ist wie bei defekten Geräten: man hat mal drauf. Hilft in den seltensten Fällen, aber man macht das halt so) und geht mit dem Ohr ganz dicht an die Lautsprecher. In dieser Position verharrt man immer noch, wenn direkt nach Grönemeyer AC/DC in der „Extra Loud Edition“ gespielt wird. Das ist der Moment, in dem zuerst das eine und nur wenige Millisekunden später das andere Trommelfell platzt, was sehr lästig ist. Und schmerzhaft. Der Radiohörer ist natürlich sauer und verklagt den Sender. Der Sender weist jegliche Schuld von sich und bekommt vor Gericht recht. Der Radiohörer verklagt Grönemeyer und es kommt wieder zu einer Gerichtsverhandlung. Der vorsitzende Richter fragt Grönemeyer, ob er etwas zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfe der musikalischen Verstümmelung von Trommelfellen zu sagen habe. Grönemeyer steht auf und sagt: „Nuschelnuschelhmnuschelnuschelhm“. Weder der Richter noch sonst jemand im Raum hat ihn verstanden. Grönemeyer bekommt Papier und Stift. Er soll aufschreiben, was er zu sagen habe. Grönemeyer schreibt und überreicht im Anschluss den Zettel. Der Richter liest vor:

„Nuschelnuschelhmnuschelnuschelhm.“

Das steht natürlich nicht auf dem Zettel, sondern das hier:

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Es tut mir leid, was dem Radiohörer widerfahren ist. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier eindeutig um Eigenverschulden, denn zu keinem Zeitpunkt kam von mir die Aufforderung, den Lautstärke des Radiogeräts zu erhöhen, was dazu führte, dass durch das im direkten Anschluss an mein Werk über den Äther verbreitete Hardrockmachwerk der geschätzten Kollegen von AC/DC die Trommelfelle des Radiohörers in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ich möchte mit meiner Musik Freude verbreiten und niemandem Schmerz zufügen. Für Schmerz ist in meiner Familie mein Bruder Dietrich zuständig, ein wunderbarer Mediziner, der schon so vielen Menschen geholfen hat – gerade auch Patienten, die an Schmerzen nach Trommelfelltraumata leiden.“

Das Gericht spricht Grönemeyer, also Herbert Grönemeyer frei, der Radiohörer eilt zwecks Schmerzbehandlung zu Grönemeyer, also Dietrich Grönemeyer und schwupp kommt neben den GEZ-Einnahmen für Herbert auch noch was in Kasse des Bruders. Ein bisschen was geht ab an die Jungs von AC/DC, der Sender kriegt auch noch einen Anteil, aber trotzdem bleibt da sicher was hängen für die Herren Grönemeyer. Und das ist der Grund, warum heute so oft Grönemeyer, also Herbert Grönemeyer lief. Eventuell. Könnte ja sein. Ganz abwegig ist es ja nicht, oder?

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.