Die Schweizer nennen es übrigens grillieren

…aber die Schweizer sind in vielem seltsam. Die werden ja schon pampig, wenn irgendwelche andere Länder behaupten, sie hätten eine bestimmte Bonbon-Sorte erfunden. Dann schicken sie einen kleinen Bürokraten los, der die Sache klarstellt. Schon alleine um dem Kerl nicht begegnen zu müssen, werde ich niemals nie behaupten, dass ich es war, der Ricola erfunden hat.

Bei uns nennt man es nicht grillieren, sondern einfach nur grillen. Das ist an Tagen wie diesen Volkssport und im Supermarkt am Ort kommt man nicht nach, Fleisch aufzutauen, es in Marinaden zu ersäufen und ins Kühlregal zu stellen. Das stimmt: auf den Verpackungen steht “aufgetaut”. Sogar in einigermaßen großer Schrift. Viele werden es trotzdem nicht lesen und sich das aufgetaute Zeug auf die Webergrille hauen. Ob es gut oder schlecht ist aufgetautes Fleisch zu nehmen sei mal dahin gestellt, aber letztlich gehe ich in den Laden um mir einigermaßen frisches Fleisch zu besorgen. Auftauen und in ranzigen Yoghurt mit vertrockneten Gewürzen einlegen würde ich auch noch hinkriegen. Nur mit dem Schlachten haperts. Ansonsten hätte ich wahrscheinlich auch noch Kühe im Garten für die Frisch-Grillfleischversorgung. Aber da es auch ziemlich fies wäre, so eine Kuh für ein paar Steaks zu erschießen, lasse ich das lieber. In den Laden kommen aber viele Leute, die keine eigenen Kühe, dafür aber Lust auf Steaks haben. Somit lohnt es sich die Kuh zu meucheln. Da kann man dann um einiges mehr von ihr verwerten und sie ist nur für den schnellen Grillgenuss eines einzigen gestorben und verendet mehr oder weniger körperlich unversehrt – sieht man von den zwei herausgeschnittenen Steaks ab. Und der Schußwunde in der Stirn. Ok, die Ohren würde ich vielleicht auch abschneiden. Da kann man bestimmt ein lustiges Faschingskostüm draus basteln. Aber trotzdem: viel Tod für wenig Steak. Dann doch lieber in den Laden. Dort wartet man, bis sich genug Interessenten gefunden haben. Dann geht der Azubi nach hinten, erschießt die Kuh und kommt mit feinstem Fleisch zurück an die hygienisch astreine Fleischtheke. Wer mariniertes Fleisch will kriegt das von der Kuh von gestern, das über Nacht feinste Ziegenmilch und würzige Kräuteraromen in seine Poren aufgesogen hat. Sollte man zumindest meinen, aber nein: die tauen da irgendwas auf.

Ich habe mich dann für Bio-Hackfleisch entschieden, verpackt unter Schutzatmosphäre (was auch nicht gut ist, aber was will man machen). Das wird dann morgen grilliert äh gegrillt. Es ist übrigens gemischtes Hackfleisch. Somit musste also nicht nur eine Kuh, sondern auch noch ein Schwein meinetwegen dran glauben. Ich schätze das gibt Abzug bei den Karmapunkten.

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