Fangnetze, Frösche und die Zeugen Jehovas

Wer ab und zu Skirennen sieht kennt die Dinger: Fangnetze. Im alpinen Raum werden damit die Skiläufer abgefangen, denen die Piste nicht genug, der dahinter kommende Abhang aber in todbringendem Gegensatz zum Verlassen der Piste steht. Skiläuferanliegen minus Piste = Fangnetz. Wird den sehr schnell fahrenden Abfahrtsrennläufern und -läuferinnen gelegentlich zum Verhängnis, aber das ist ein anderes Thema und hat auch gar nichts mit Fröschen zu tun. Diese landen nämlich oft auch in einem Fangnetz, wenn auch nicht unbedingt in den Alpen und noch seltener beim Skifahren. Letzteres ist eh absurd, weil der gemeine Froschfuß nicht in einen Skischuh passt, und Skifahren somit nicht möglich ist. Ich hatte mich auch schon gewundert, warum man so wenig Frösche auf den Pisten sieht, aber somit wäre das nun auch geklärt. Bei uns sind die Fangnetze gespannt, damit die Frösche nicht über die Straße hoppeln und dort von Pirellis und Good Years überrollt werden. Im direkten Vergleich haben Pirelli und Good Year die besseren Karten und wer mag schon die Reifen voller Frochleichen haben (Froschlaich muss auch nicht sein, aber das passiert nur beim Durchqueren von stehendem Gewässer und wann macht man das schon). Damit sich das in Grenzen hält, spannen Menschen, die wissen, wann Frösche die Tendenz haben, über Straßen zu hüpfen (ich wüsste das z.B. ohne die Schilder nämlich nicht) und die auch ein gewisses Faible dafür haben, Frösche aus Netzen zu puhlen, in Eimer gefüllt über die Straße zu tragen und dort wieder aus den Eimern zu schütten. Muss man wollen, aber bei mir klingeln ja auch immer wieder die Zeugen Jehovas. Früh am Morgen. Mit seltsamen Anliegen. Wenn an denen eintrichtern könnte, dass Frösche, die man aus Fangnetzen gepuhlt und via Eimer auf die andere Straßenseite gebracht hat ab diesem Moment unbedingt und bis zum Ende ihrer Tage als Vorspeise in einem französischem Restaurant an Gott glauben würden… das hätte schon was. Bei mir würde niemand mehr klingeln, die Frösche kämen sicher auf die andere Seite und im Himmel wäre der Nachschub an Froschschenkeln soweit auch gesichert. Und die Jehovas hätten was Gescheites zu tun, anstatt bei wildfremden Leuten zu klingeln und Religionsmafia zu spielen.
Bisher zeichnet sich das aber noch nicht ab und somit gibts die Fangnetze, gebaut von Fachleuten, plus die Warnschilder. Nur… dieses Jahr gab es keine. Zumindest sind sie mir nicht aufgefallen. Wenn es keine gab… waren die Frösche dieses Jahr zu faul zum Wandern? Gehen sie mittlerweile woanders hin? Sind ihnen unsere Seen und Teiche nicht mehr gut genug? Sind die Insekten andernorts günstiger? Sind die Froschdamen offener (wobei ich nicht wissen möchte, was Frösche so treiben… Das ging bisher komplett an mir vorbei, das war gut so und darf gerne so bleiben…) und inwiefern (Nein! Ich will es nicht wissen!)? Was können wir tun, um wieder attraktiv für Frösche zu sein? Eine Idee wäre, den Fröschen mehr Komfort anzubieten. Stichwort Wellness. Ein paar Stunden einfach mal gepflegt im warmen, aber nicht zu heißen Wasser abhängen. Sous Vide nennt man das und es macht sie Schenkel sehr zart. Äh, entspannt.

Man muss einfach mal schauen. Vielleicht war die Froschwanderung auch dieses Jahr, aber man wurde nicht darauf hingewiesen, weil das Drucken der Plakate, um auf den Umstand der wandernden Frösche hinzuweisen, 12 Quadratmeter an hessischem Baumbestand für das zu bedruckende Papier gerodet und dem ökologischen Weltbild des froschrettenden Verbands in eklatanter Weise widersprochen hätte, weshalb es keine Hinweisschilder gab – dafür froschleichentriefende Pirellis und Good Years. Die Geister der überfahrenen Frösche werden noch Jahrzehnte in denWagen spuken, bevor sie in den Froschhimmel kommen und eventuell nochmal gelaicht werden. Wahrscheinlich in einer Pfütze, die von einem Pirelli oder Good Year durchpflügt werden. Das würde ich dann eventuell als Zeichen werten und im Himmel bleiben.

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