Fieberthermometer und Weinverkostungen

Rotwein soll man immer bei einer bestimmten Temperatur trinken. Die Angaben schwanken so um die zehn bis zwölf Grad.

Das ist doch pervers! Ich habe gerade nachgemessen: meine Körpertemperatur beträgt aktuell 37,2 Grad. Soll ich mich jetzt in eine Badewanne mit Eiswürfel setzen, damit ich auf zehn bis zwölf Grad unterkühle? Was soll denn der Quatsch? Wer hat denn mit einer akuten Unterkühlung noch Lust auf den ach so tollen Rotwein? Und wie ist das bei einem Date… geht man da gemeinsam in die Eiswürfelwanne oder reicht es, wenn einer der beiden sich in der Dusche eine Fuhre Crushed Ice übers Haupt gießt, während der andere in der Wanne erfriert? Und überhaupt: was soll denn an dem Abend noch gehen, außer den Rotwein in der Mikrowelle auf Temperatur gebracht und unter die dicke Decke gekuschelt bei einer Folge „Frauentausch“ gemeinsam genossen? Da dann doch lieber heiß geduscht den Rotwein genießen. Scheiß auf die Etikette (also jetzt nicht wörtlich… so auf die Weinflasche… das wäre schon sehr eklig) und lieber nicht im Kältekoma den Wein genießen, als auf Yetitemperatur die vereisten Lippen nicht öffnen können; dann bringt einem der tollste Wein nämlich auch nichts, wenn man ihn nicht trinken kann. Wenn er warm genug ist, kann man ihn sich überleeren, aber das wäre ja auch Verschwendung.

Ich habe keine Lust mehr, mich da rein zu denken. Ich trinke den Wein einfach so und ohne auf meine Körpertemperatur zu achten. Der Wein merkt das eh nicht und ich werde mich hüten, ihm die aktuellen Daten zu sagen. Sähe vielleicht auch blöd aus, wenn man im Restaurant sitzt und seinem Glas Zahlen wie 37,2 zuraunt. Andererseits sitzen da auch Leute, die was von blumig, vegetabil, balsamisch und ähnlichem labern. Einmal war da eine Frau, die von „vollmundig“ sprach. Es dauerte etwas, bis ich merkte, dass es um den Wein ging. Was damit gemeint war… keine Ahnung.

Wein ist also Wein und Körpertemperatur spielt dabei keine Rolle …es sei denn, Sie messen wie ich auch auf die altherkömmliche Methode. Da empfiehlt es sich, das Messgerät vor dem Weingenuss zu entfernen – wenn man es vergisst, kommt es ob einer Überdosis an Sinnesempfindungen zu einem verfälschten Ergebnis bei der Weinverkostung.

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