Helikopter, Stau und Opelfahrer im hormonellen Überschwang

Auf der Autobahn im Feierabendverkehr unterwegs zu sein ist des Masochisten größtes Glück. Da ich keiner bin, ist es für mich eher nervig. Aber was will man machen. Selbst mit Stau hier und Stau dort, bleibt es meistens der schnellste und kürzeste Weg von A nach B. Oder von C nach D. Oder von V nach P. Oder von… ach, lassen wir das. Jedenfalls ist es rein physikalisch oft der kürzeste, gefühlt oft der schnellste und meistens auch der schlaueste Weg. Es sei denn, man hat einen eigenen Helikopter. So wieder Typ aus der Ecke von Karlsruhe, der Bohrmaschinen verkauft hat, die es nie gab. Der flog täglich mit dem privaten Hubschrauber von der Villa außerhalb in die Firma ein. Coole Sache. Viel zu tun hatte er ja dort wahrscheinlich auch nicht – wie auch: die Maschinen gab es ja nicht – also flog er mittags schon wieder weiter. Wahrscheinlich nach Bonn (damals noch), wo sich etwas Öl vom Rotor wischte… das brauchte er, damit es nicht so weh tat, wenn die Politikprominenz ihm ihn den… aber egal.
Ich habe keinen Helikopter – es scheitert einzig und allein an der Landemöglichkeit – also muss ich irgendwie anders von A nach B, von C nach D oder von V nach P kommen. Wenn es irgendwie möglich ist und Sinn macht, nutze ich dafür die Bahn. Entgegen allen Gemeckers allerorten kann ich trotz vieler Bahnfahrten wenig Negatives gehen die Bahn vorbringen. Die Verspätungen hielten sich in Grenzen (bzw. gab es meistens nicht), es war selten dreckig (klar liegen da mal Krümel auf dem Tisch, aber die kann man ja dezent zum Nachbarn rüberpusten) und ich fand es jedesmal um Welten entspannter, als die Strecke mit dem Auto herunterzutuckern.

Aber manchmal geht es einfach nicht anders. So wie heute. Die Anfahrt am Morgen war ja noch ok. Der Unfall bei der Ausfahrt Bruchsal tangierte mich wenig, weil Unfall rechts, ich links, LKWs wichen auf die Mitte aus. Alles gut. Im Rückspiegel war auch keine gewaltige Explosion mit Feuerball und durch die Luft fliegende Dinge zu sehen – scheint also glimpflich abgelaufen zu sein. Der übliche Stau an der Stelle, wo es von Drei- auf Zweispurig wechselt: geschenkt. Das panische Hin und Her rund um Leonberg ist zwar nervig, aber der 200er Puls geht spätestens im Engelbergtunnel wieder runter. Für die Rückfahrt waren schon verheißungsvolle 6 Kilometer Stau angekündigt, aber nun denn. Das ist eben jene drei- auf zweispurige Stelle, wo es auch bei der Hinfahrt schon zickte. Wo es immer zickt. Tatsächlich waren es wohl ein paar Kilometer weniger und es lief auch einigermaßen, wenn auch zähflüssig.
Wer in der Fahrschule war, kennt es bestimmt noch: das Reissverschlusseinfädelverfahren, kurz Reissverschlussverfahren. Das Prinzip ist relativ einfach: Links, rechts, links, rechts usw. Man fädelt sich hintereinander ein und so werden aus zwei Fahrbahnen eine. Sollte auch einigermaßen reibungslos verlaufen – wenn man es nicht mit sexuell unterforderten, hormonell aufgereizten und von Neid gepeinigten Typen in Opel-Kombis zu tun hat, die der Meinung sind, man möchte ihnen ihren verkehrsrechtlich zugeteilten Platz (was nicht stimmt! Reissverschluss- nicht Klettverschlussverfahren!) gewaltsam wegnehmen und deshalb Stoßstange an Stoßstange press an ihrem Vordermann fahren, damit noch nicht mal ein Nummernschild, geschweige denn ich, geschweige denn ich plus Auto dazwischen passen würde. Tja, was macht man da? Nicht viel. Man reiht sich eben dahinter ein, nimmt das Handy und macht ein paar Fotos mit Blitz, damit der Trottel sich wundert und sich fragt, warum der Typ, den er gerade so dumm abgedrängt hat Fotos macht. Vielleicht wird er dann auch nervös, wobei… als Opel-Fahrer? Eher nicht, da kennt man schon alles. Dann legt man das Handy zur Seite, fährt noch ein paar Meter im zähflüssigen Verkehr hinter dem tollen Hecht her … dann fährt man rüber auf die rechte Spur und überholt. Im Kopf dabei die zwei Tassen, die sich anzicken und ein leises „Immer einmal mehr als Du“ auf den Lippen.

Noch ein Grund, warum ich neben der fehlenden Landemöglichkeit keinen Helikopter habe: solche Momente würde ich dann auch verpassen und wie schade wäre das denn. Obwohl: wer weiß, was da oben in der Luft zwischen den ganzen Piloten abgeht… vielleicht will man das aber auch gar nicht wissen. Aber zum Glück baut Opel ja weder Flugzeuge noch Helikopter. Naja, Autos ja auch nicht wirklich…

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.