Kinder-Strohwitwer

Ab morgen bin ich für ganze zwei Wochen Strohwitwer. Kinder-Strohwitwer. Sagt man da auch Strohwitwer, wenn die Blagen aus dem Haus sind? Ach, ist doch egal, wie man das nennt. Die Hauptsache ist doch die kinderlose Zeit. Ich habe schon die übriggebliebenen Silvesterraketen gerichtet und eine Flasche Sekt kaltgestellt. Der Junior geht zwar schon am frühen Vormittag, was eigentlich ein bisschen früh für eine Party ist, aber Feste wollen gefeiert werden, wie sie fallen.

Ein bisschen sauer war er schon, als er die zweihundertachtzig Ballons gesehen hat, die ich morgen aufsteigen lassen werde und dass ich die Bläsersektion des hiesigen Musikvereins angeheuert habe, um „Gonna fly now“ zu spielen, fand er ebenfalls leicht übertrieben. Auch dass ich sein Zimmer für die zwei Wochen untervermietet habe, stört ihn ein bisschen, glaube ich (Vielleicht hätte ich die Besichtigung auf die Zeit legen sollen, wenn er im Fußballtraining ist. Tja, hinterher ist man immer schlauer. Beim nächsten Mal dann.).  Immerhin konnte ich ihn davon überzeugen, dass die Lichterketten rund ums Haus für die anstehende Weihnachtssaison sind und die bereitstehenden Kisten mit Partyhüten, Wunderkerzen, Tröten und so weiter für Fasching nächstes Jahr. Ich bin mir nicht sicher, ob er mir wirklich geglaubt hat. Wahrscheinlich verrät mich mein glückseliges Grinsen, das die letzten Tage mein Gesicht dauerhaft ziert. Und bestimmt sind es diese kleinen, über die Wange kullernden Freudentränchen, die ihn an meinem seufzenden „Am liebsten würde ich Dich gar nicht gehen lassen…“ zweifeln lassen. Die und meine etwas strengere Ansage: „Aber egal! Gebucht ist gebucht und Du gehst! Komme, was wolle!“

Den Caterer habe ich extra auf den späten Nachmittag bestellt. Das kriegt er also gar nicht mit. Um die Zeit dürfte auch die Band kommen und mit Aufbau und Soundcheck beginnen. Wird alles ein bisschen knapp: Tische und Bänke für zweihundert Leute sind nicht mal eben so auf die Schnelle aufgestellt. Immerhin muss man sich um das Team von der mobilen Bar nicht kümmern, die bauen das alles alleine auf …auch die zehn Kühlschränke und die vier Zapfanlagen. Die Nachbarn sind alle vorgewarnt: es könnte lauter und auch spät werden. Die Nachbarskinder werden mit Unmengen an Eis bestochen, damit sie dem Junior nicht erzählen, was hier während seiner Abwesenheit los war. Zur Sicherheit wird noch ein kräftiger Schuss Wodka ins Eis gemischt, damit die Kids schön früh müde werden und zeitig schlafen gehen. Und weil die Kids am nächsten Morgen bestimmt ein bisschen länger schlafen, können die Nachbareltern auch noch eine Runde mitfeiern. Bestimmt sind die alle total neidisch auf mich. Kann ich ihnen nicht verübeln – ginge mir umgekehrt genauso.

Ich hatte noch überlegt, ob ich einen dieser gewaltigen Strahler besorge, nachts diese Lichtkegel in den Wolkenhimmel zaubern, aber das wäre dann vielleicht doch ein kleines bisschen zu viel des Guten gewesen. Außerdem habe ich ein bisschen Angst, dass der viele Schaum bei der Mitternachtsschaumparty den Strahler beschädigt (bin mir auch nicht sicher, ob man die überhaupt an eine 220 Volt-Steckdose anschließen kann). Zumal: man muss es ja auch nicht übertreiben.

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