Es könnte alles so einfach sein, wäre Amalgam aus Blei und nicht aus Quecksilber

Heute Nacht wurden in Deutschland 130 Millionen an Feuerwerk verballert. Was für eine Zahl. 130 Millionen. Das sind fast so viele Nullen wie beim HSV üblicherweise auf dem Platz stehen. Davon könnte man als Frau locker ein halbes Jahr über die Runden kommen, wenn Schuh-, Taschen- und Klamottenläden 24 Stunden offen hätten. Wobei… stimmt so auch nicht: Frau braucht ja mehrere Stunden, um sich einen Überblick über das Sortiment zu verschaffen. Der finale Kaufprozess ist dann schnell erledigt: ein, zwei Stunden reichen da völlig. Und mit 130 Millionen im Portemonnaie muss man sich ja auch nicht unbedingt immer entscheiden, sondern kann beides kaufen und das noch in sämtlichen Farbnuancen (von Lachs, über Pfirsich bis zu Apricot), die zu haben sind.

Mein Beitrag zu den 130 Millionen war exakt 0 Millionen. Mein Drang Dinge anzuzünden ist seit der Therapie gering und das neue Jahr mit einem pyromanen Rückfall zu beginnen, erschien mir wenig erstrebenswert. Also stand ich mit Sektglas in der Hand da, schaute den anderen beim Zündeln und vor allem den Raketen am Himmel beim Explodieren zu. Das war schön und vor allem kostengünstig. Da ich nicht bei den Schwaben gefeiert habe, musste ich auch keinen Eintritt zahlen (wobei das dann eh „Austritt“ hätte heißen müssen, denn es war ja draußen).
Also nicht wundern, wenn Sie in den nächsten Tagen in der Zeitung die offiziellen Zahlen bezgl. Ausgaben für Silvesterfeuerwerk lesen: es sind nicht ganz 130 Millionen; ich habe dieses Jahr nicht mitgemacht. Übrigens auch nicht beim Bleigießen, was im Nachhinein schade ist, denn ab nächstes Jahr ist das verboten. Dann dürfen Dinge nur bis zu einem bestimmten Bleigehalt verkauft werden und der Bleigehalt ist bei Blei naturgemäß außerordentlich hoch, weshalb Bleigießsets einem Verkaufsverbot unterliegen. Das ist meine große Chance, ich werde reich – dachte ich… aber der Plan hat sich zerschlagen. Meinen schlechten Zähnen sei Dank wimmelt es in meinem Mundraum von Amalgam und ich dachte, das könne man einschmelzen und zum Bleigießen verwenden… nur: Amalgam besteht aus Quecksilber und nicht Blei. Ich wäre also ein adäquater Helfer in der Not, wenn mal ein Thermometer kaputt ginge, aber zum Bleigießen bin ich nicht zu gebrauchen. Mist. Wieder nichts mit schnellem Reichtum ohne meinen Adoniskörper dafür herzugeben. Früher oder später werde ich den schreienden und mit Geldbündel wedelnden Horden von Frauen doch nicht mehr widerstehen können und für den schnöden Mammon und ein Leben in Luxus meine moralischen Prinzipien zusammen mit der Leopardenunterwäsche über Bord werfen. Aber noch bleibe ich standhaft… was natürlich ein bisschen kontraproduktiv ist, denn auch darauf haben sie es natürlich abgesehen. Es könnte alles so einfach sein, wäre Amalgam aus Blei und nicht aus Quecksilber, aber nein, sogar die Dentalchemiker wollen nur das eine und das findet sich nicht in meinen Zähnen. Schlimm, aber natürlich auch nachvollziehbar.

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Erzengel und Gigolo

Tag 3 des Sportprogramms, um mich zu einem durchtrainierten Kerl, mit asiatischem Touch und Duckface zu machen liegt hinter mir und was soll ich sagen: es ist noch ein weiter Weg bis „durchtrainiert“, und asiatisch und Duckface habe ich erreicht durch Nummer 73. Vom China-Imbiss… war zwar asiatisch und mit Ente, aber halt leider nicht bei mir, sondern in der Warmhalteschachtel. Wie durchtrainiert die Ente war, konnte mir auch keiner sagen. Tag 2 war gnädig mit mir: da musste man nur was lesen und ich habe das auch mit aller Härte durchgezogen. Es ging um Ernährung, viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate, Gemüse bis zum Abwinken und ähnliches. Wusste ich schon, aber Danke für den Reminder.

Tag 3 heißt dann wieder: man bewege den faulen Hintern. Ich mache die sportlichen Übungen übrigens im Wohnzimmer. Um die Nachbarn nicht zu erschrecken und/oder keine falschen Hoffnungen zu wecken, mache ich dafür die Rolläden runter, denn die viele der Übungen finden am Boden statt und ähneln dem, was man sich als Zwölfjähriger so vorstellt, aber eklig findet, als Vierzehnjähriger vorstellt, gut findet, aber nicht hat, dafür ein paar Jahre später ausgiebig und in meinem Alter nicht mehr so oft und dann ist man auch froh, wenn man zwischendurch auch einfach nur so liegen darf und nichts dabei tun muss. Aber egal wie könnten die Bewegungen zusammen mit dem lauten, schmerzbedingten Stöhnen meinerseits zu Irritationen bei den Nachbarn führen, weshalb die Rolläden unten, sämtliche Türen und Fenster zu und zum Übertönen des Gestöhnes die Anlage laut aufgedreht läuft. Nun denken die Nachbarn wahrscheinlich, ich habe jeden zweiten Tag wilden Sex… und in dem Glauben möchte ich sie gerne belassen. Geht doch nichts über ein leicht verruchtes Image gepaart mit dem Aussehen eines Erzengels… wobei Erzengel jetzt vielleicht einen Hauch übertrieben ist. Andererseits… wer weiß schon, wie so ein Erzengel aussieht. Gibt ja meines Wissens keine Fotos von den Jungs, also womöglich bin ich das perfekte Abbild eines Erzengels mit dem Privatleben eines hormonüberlasteten Gigolos – also genau das, was ich in meinem Lebenslauf immer behaupte. Wurde übrigens noch nie hinterfragt, was ich ein bisschen schade finde. Das mit dem perfekten Abbild eines Erzengels ließe sich ja mangels Fotos schwer nachweisen, aber der Rest… wahrscheinlich war der Rest des Lebenslaufs einfach zu beeindruckend, dass diese Sache dann nicht mehr ins Gewicht fiel. Es stand in den Absagen letztlich auch nie, woran es lag.

Morgen ist Tag 4 und ich habe gespickt: es ist wieder ein Text – voll von wichtigen Informationen und Kommata. Da freue ich mich drauf, denn der erste Tag des neuen Jahres sollte keine schmerzhaften Tätigkeiten beinhalten. Es sei denn, man steht drauf, aber dann kann man das ja tun und den Text trotzdem lesen. Hauptsache ist, ich muss mich nicht mehr als nötig bewegen. Das sollte ich hinkriegen, wobei trotzdem jede Bewegung von Schmerz begleitet sein wird. Die Schmerzfreaks fänden das wahrscheinlich doof. Bei denen wäre die Strafe, wenn man sagt: „Ich lass Dich in Ruhe, aber lies dieses Kapitel!“ „Nein, Meister. Schlag mich!“ „Keine Schläge, Du liest das!“ „Neiiiiiinnnnn“. Ich lese dagegen gern und alles ist gut. Somit ist der Jahresstart für mich safe, alles wird gut und 2018 kann kommen.

In diesem Sinne: einen guten Rutsch allerseits.

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Schornsteinfeger plus Katze in die Waschmaschine und dann unter der Leiter durch*

Aberglaube… was für ein Bullshit. Glaube an sich ist ja oft schon seltsam genug, aber mit einem „Aber“ davor wird es völlig absurd. Da soll es Unglück bringen, wenn ein Schornsteinfeger eine schwarze Katze von links unter einer Leiter hindurchwirft. Das stimmt höchstens für die geworfene Katze, allen anderen dürfte dabei nichts passieren. Weiß der Geier, wie solche Mythen entstehen. Bisher hat mir noch keine Katze, egal welcher Farbe Pech gebracht und da war es auch völlig egal, von welcher Seite sie kam. Den Drang einen Schornsteinfeger zu berühren habe ich einigermaßen im Griff (und die Verfügung der Staatsanwaltschaft tut ihr übriges) und ich bezweifle, dass das Glück bringt (tut es nicht – sagt auch die Staatsanwaltschaft). Wieso sollte ich unter einer Leiter hindurchgehen, wenn es nicht unbedingt sein muss – wobei ich das bestimmt auch schon mal gemacht habe und trotzdem noch lebe.

Man soll übrigens auch zwischen den Jahren keine Wäsche waschen, weil sonst jemand stirbt. So ein Quatsch. Ich wasche schon seit Tagen wie verrückt, aber trotzdem kam gerade eine Antwort auf meine WhatsApp-Nachricht. Nun denn, habe ich wenigstens saubere Klamotten. Aber wenn ich vielleicht die schwarz-weiße Katze, zusammen mit einem Schornsteinfeger in die Waschmaschine stecke und diese dann unter einer Leiter durch…. Aber wo kriegt man jetzt auch die Schnelle einen Schornsteinfeger her? Verdammt. Nächstes Jahr plane ich besser vor – da klappt es dann auch mit dem Sterben zwischen den Jahren.

*und zur Garnitur dann noch ein vierblättriges Kleeblatt

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Schalen, Nutztierhalter und Nutztierhitler

Es gibt Dinge, die man mit Schale essen kann – Äpfel zum Beispiel. Oder ein Hokkaido-Kürbis. Bei anderen Sachen macht die Schale kein Spaß. Orangenschale schmeckt zum Beispiel bitter. Zitronenschale sauer. Ganz heftig wird es bei Müsli – da ist die Schale extrem hart und meistens keramik im Geschmack. Und es ist für die Zähne noch schädlicher als Zucker und das will was heißen! Es gibt noch keine genauen Untersuchungen bezüglich den Zahnverlusten Müslischalen vs. Zucker, aber ich bin mir sicher, dass Zucker zwar noch führt, aber die Müslischalen stark aufholen – vor allem, wenn man sich die Pisa-Studien der letzten Jahre so anschaut… andererseits wissen die meisten Pisa-Studien-Versager noch nicht mal, was ein Müsli gibt, denn das gibts ja nicht bei McDonalds, Burgerking oder im Dönerladen. Vielleicht in letzterem, aber auch da nur in der Schweiz. Da gibts dann „Baklava mit einem Klecksli Müsli“, also mit einem Hauch Marmelade. In dem einen Dönerladen, in dem ich in der Schweiz war, gab es das allerdings nicht. Kein Müsli weit und breit, nur Baklavali natürell,
Schalen gibts in der Schweiz aber auch, die sind meistens in sehr exquisiten Gegenden und sündhaft teuer. So ein Schale in den Bergen kostet dann locker mal einen vierstelligen Bereich übers Wochenende und ich rede nicht von Lire (damit hat man ja eh nur in der italienisch-sprachigen Schweiz bezahlt, nehme ich mal an). Wird dort auch anders geschrieben, mit Ch am Anfang und einem t am Ende. Also quasi wie diese Fernsehserie in den Achtzigern mit dem Stuntman und der Badewanne vor dem Haus, usw., diesem Seavers…. Da waren aber die Buchstaben zwischen Ch und t nochmal ein bisschen anders als bei der Schweizer Variante und bei dem war es auch um einiges wärmer als in der Schweiz und überhaupt war das gar nicht zu vergleichen – aber ähnlich geschrieben. Also so wie bei Nutztierhalter und Nutztierhitler. Ähnliche Schreibweise, andere Herangehensweise, wobei ich nicht weiß, was der zweite nun genau macht, aber es ist sicher nichts Gutes oder Erstrebenswertes. Nicht für die Nachbarn, die Nichtnutztiere und schon gar nicht für die Nutztiere selbst (wobei es die Nichtnutztiere vielleicht sogar verdient hätten, aber darum geht es ja jetzt nicht). So ein Nutztier hat ein hartes Leben und braucht halt – deshalb gibt es ja die Nutztierhalter. Hätten Nutztiere Zugang zum Internet, YouTube- Twitter- und Instagram-Kanäle, sähe es anders aus. Dann bräuchten sie Zuspruch, viele Zugriffe und Hits und was wäre da passender als ein Nutztierhitler, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als die vielen Postings auf den diversen Kanälen zu liken, damit die Hits hochgehen… aber wie gesagt: das ist nichts Gutes oder Erstrebenswertes und das hat auch der Verband der Nutztiere eingesehen: deshalb gibt es kein Social Media für Nutztiere, somit auch keine Leute, die die Likes künstlich hochtreiben, keine Hits und somit keine Nutztierhitler, dafür aber weiterhin viele Nutztierhalter. Macht auch Sinn, sonst laufen die Viecher weg…

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Muskulös, leicht asiatisch, Duckface… hrrrrrrrrrrr

Schon seit ein oder zwei Jahren habe ich ein Buch mit einem speziellen Sportprogramm. Es nennt sich „Fit ohne Geräte“ und verspricht Fit zu werden ohne Geräte. Hieße es „Fit ohne Gräten“ ginge es wahrscheinlich um Fitness via Ernährung durch Fisch und anderes Meeresgetier, aber so heißt es nun mal nicht und Fisch spielt genau wie anderes Meeresgetier eine eher untergeordnete Rolle. Dem Klappentext nach ist das Thema „Bewegung“ und die daraus resultierenden gesundheitlichen Vorteile ohne Zuhilfenahme irgendwelcher kostspieliger und/oder sperriger Hilfsmittel. Der eigene Körper dient als Werkzeug und der ist ja schon sperrig genug, dafür hat man ihn aber auch immer dabei.
Nach den opulenten Weihnachtsschlemmereien und der fehlenden Aktivität der letzten Tage, wenn nicht sogar Wochen, zeigt das Buch auch gleich beim ersten Mal seine Wirkung. Die Schulter schmerzt, die Finger knirschen… und das kommt nur vom Umblättern der Seiten! Bin gespannt, wie das wird, wenn ich mit den Übungen starte.

Die Grundidee ist ziemlich einfach: das Programm zieht sich über 90 Tage, für jeden Tag gibt es ein kleines „Kapitel“. Normalerweise sind es sportliche Übungen, die im hinteren Teil des Buches beschrieben werden, an manchen Tagen ist es aber auch ein informativer Text oder der Befehl, sich auch mal auszuruhen. So hat man eine Anleitung und wird bei der Hand genommen – Tag für Tag. Der sportliche Part wird immer mal wieder überprüft: hat man sich verbessert, rutscht man eine Stufe höher, was komplexere Aktionen, mehr Wiederholungen in kürzerer Zeit oder ähnliches bedeutet. Die Tagesabläufe selbst, also ob Sport oder Erholung ansteht, bleibt aber gleich.

Wenn man die ganze Nummer komplett und konsequent durchzieht, ist man auf dem besten Weg so zu werden, wie der Autor, den man auf dem Cover bewundern kann. Man kriegt also einen sehr muskulösen Oberkörper, leicht asiatisch angehauchte Gesichtszüge und macht ein Duckface, während die Haare ausfallen. Also genau das, was ich schon immer wollte… morgen gehts los… sofern ich meine Schulter wieder bewegen kann, nach dem exzessiven Blättern heute.

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Weihnachten 2017

Und da sitzen dann all diesen seltsamen Menschen, die sich Unmengen an Fleisch, Beilagen, Zucker und Fett einverleiben, bei denen man meinen könnte, eine Hungersnot stände bevor und vor denen Katz und Hund vor lauter Angst als nächstes dran zu sein Reissaus nehmen. Es ist wie ein Unfall, man weiß, dass es falsch, moralisch fragwürdig und ethisch nicht korrekt ist, aber man sieht dem Treiben zu – getrieben von einer Mischung aus Abscheu und lebensmittelgetriebener Lust. Es ist wie das Schlürfen schleimig-salziger Austern oder dieser letzte Tropfen Eigelb, der einem vom lauwarmen Löffel glibbert. Wie das animalisch-aggressive Wissen um die ehemalige Agilität des Rehs oder die fromme Unschuld des Lamms, das vor einem liegt – so gar nicht agil und weit weg von fromm, dafür lecker und von zartem Biss. Es ist also nicht so, dass ich nicht um diese Triebe weiß, die einen Teller niemals leer werden lassen, weil der eigene Sabber die Suppe um viele Liter streckt. Kein schönes Bild, aber wer nicht um diesen Umstand weiß, werfe das erste Stück Baguette.
Ich wollte mich heute auch bei dieser Meute ob ihrer Gier beschweren, aber wann sitzt die ganze Familie schon mal zusammen an einem Tisch… außerdem hatte ich den Mund voll; da ist sprechen gar nicht so einfach. Und danach war ich so gut wie im Koma und nur noch zu eigenständigen Atmen fähig. Also keine Beschwerden meinerseits, sattes Kaffeegeschlürfe allerseits und müde Hunde im ganzen Raum verteilt, während die Kids mal ausnahmsweise an der frischen Luft sind statt an den Handys oder Nintendos hängen.
Ich bin hochzufrieden über diese Weihnacht. Sie war sehr entspannt und somit auch ich und die seltsamen Menschen waren gar nicht seltsam, sondern so großartig, wie sie immer sind und alles war gut, so wie es war. 2017 macht sich gut auf den letzten Metern und übergibt den Stab hochelegant an das kommende 2018. Was soll da schief gehen?

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Weichenstörer und die ideale Entsorgung einer Leiche

Ich bin letztens mal wieder mit der Bahn gefahren und fand es großartig: wo sonst sind so viele Menschen auf relativ engem Raum, dass man mit unschuldigem Blick dasitzen und pupsen kann und keiner weiß, wer es war. Ich habe das mal im Dom zu Speyer versucht und glauben Sie mir: das schallt ganz schön. Man hat schon fast Angst, dass die ganzen toten Kaiser, die da eingebuddelt sind von dem Krach wieder aufwachen – und Helmut Kohl liegt ja auch nicht so weit vom Dom entfernt… Nicht so im ICE. Die Dinger sind so gebaut, dass sich der entstehende Schall unter das Grundrauschen des Stimmengewirrs, Kofferdurchdiegängeruckelns und den quietschenden Schienen mischt. Perfekt. Da haben sich die Planer wirklich was dabei gedacht – wahrscheinlich auch hinsichtlich der im Bordrestaurant dargebotenen Speisen. Ich kenne mich mit der Technik eines ICE nicht näher aus, aber wenn sie richtig clever waren, nehmen sie die hochexplosive Abluft der Kabinen noch zur Energiegewinnung für den Betrieb der zugeigenen Klimaanlagen. Oder sie nutzen diese Energie für den Antrieb des Zuges. Mit den richtigen Fahrgästen und Zwiebelsuppe als Vor- und Bohneneintopf als Hauptspeise könnte so ein ICE vielleicht sogar völlig autark fahren. Ist aber wahrscheinlich zu gefährlich: man denke an die qualvollen Tode der Leute, wenn das Abluftsystem mal ausfällt.

Zugfahren ist eine tolle Sache. Oft fährt man parallel zu Autobahnen, sieht die Staukolonnen und freut sich so sehr, dass einem vor lauter Entspannung… man ist halt entspannt. Manchmal steht man auch selbst auf offener Strecke, aber hat das Glück, dass der Verkehr auf der angrenzenden Straße so flüssig läuft, dass man das hämische Grinsen der Autofahrer nicht erkennen kann. Bei mir war es zuerst eine Weichenstörung und später auf einem Bahnhof in der Pampa „polizeiliche Ermittlungen“. Das ist ein bisschen gemein, weil man nicht weiß, gegen was und wen ermittelt wird und was dabei rumkam, erfährt man erst recht nicht. War ein Terrorist an Bord? Oder gar mehrere? Womöglich gar irgendwelche Weichenstörer, was bei meiner Fahrt sogar plausibel gewesen wäre… man weiß es einfach nicht. Speziell von Weichenstörern hört man eher selten. Wie gehen die vor? Stellen die sich neben eine Weiche, verwickeln sie in ein Gespräch und stören sie dadurch so sehr, dass die Weiche ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen kann? Oder stellen die Weichenstörer die Weiche wieder um, nachdem sie sich selbst in die korrekte Richtung geschwungen hat und die Weiche muss sich somit wieder neu positionieren, was aber die Weichenstörer stört das nicht; sie tun das, was sie am liebsten tun und stören die Weiche erneut durch verändern der Weichenposition usw. usf. Man müsste sich mal mit einem Fachanwalt für Störerhaftung unterhalten, aber wer hat schon so einen in der näheren Verwandtschaft und könnte die Feiertage dazu nutzen, diesen Themenkomplex zwischen Würstchen und Kartoffelsalat oder Gänsekeule, Rotkohl und Semmelknödel zu erörtern (Ich weiß nicht, wie die Feiertagsplanung bei Fachanwälten für Störerhaftung ist: gibt es da ganz rustikal Würstchen mit Kartoffelsalat oder darf es gerne edlen-feudal, aber dennoch dezent rustikal sein? Man müsste das im Vorgespräch bei einem Aperitif klären und zur Sicherheit beides in petto haben. Im Zweifelsfall gibt es eben Würstchen mit Semmelknödel und tags drauf Gänsekeule mit Kartoffelsalat. Den Rotkohl kann man sicher einfrieren).
Vielleicht wollen Fachanwälte für Störerhaftung an Heilig Abend und den Tagen danach aber auch einfach nur ihre Ruhe. Kann ich mir sogar gut vorstellen. Genausowenig wie ein Gynäkologe beim Anblick des gefüllten Truthahns vor sich auf dem Tisch scharf auf Fachfragen bzgl. seiner alltäglichen Arbeit ist oder ein Gerichtsmediziner in seiner Freizeit Fragen zur fachgerechten und ermittlungstechnisch am wenigsten zum Erfolg führenden Methode beim Entsorgen einer Leiche beantworten möchte – egal wie sehr der Familienstreit im Vorfeld ausgeartet ist. Also vielleicht lassen wir die Leute über die Feiertage einfach mal in Ruhe und klären später, wie es sich mit den Weichenstörern und der idealen Leichenentsorgung verhält. Bei letzterem aber bitte nicht zu lange warten.

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Überdimensionierte Koffer in zu schmalen Gängen

Egal zu welcher Tageszeit, an welchem Tag oder auf welcher Strecke man mit der Bahn unterwegs ist: jedesmal gibt es mindestens einen Idioten, der einen überdimensionierten Koffer, gerne auch noch ein oder zwei andere Taschen und/oder Rucksäcke dazu, unter Stöhnen, Ächzen und sehr starkem Schwitzen durch den Gang wuchtet, dabei den am Gang sitzenden Leuten die Kaffeetassen, Butterbrezeln oder vegane Tofu-Riegel aus der Hand stößt und ähnlich wie der Fettberg in Londons Untergrund alles verstopft, dabei komisch riecht und bei einer Umfrage der betroffenen kaffeenassen oder Butterbrezel- oder Tofu-Riegellosen Personen am liebsten weit weg oder zumindest auf der ICE-Strecke Berlin-München, aber halt einfach nicht in diesem Zug sein sollte.

Es wird spannend zu sehen, wie das Ganze aus Sicht des stöhnend- und ächzenden, stark schwitzenden Kofferdurchdengangschleppers wirkt, der auch noch zusätzlich zwei Skistöcke dabei hat – zusätzlich zu der Tasche mit den Skischuhen und dem Rucksack. Bin mal gespannt, ob die Augenärzte-Lobby ein Wort für mich einlegt, wenn nach der Reise Skistöcke in Zugabteilen plötzlich verboten würden.

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Namensplaketten, FKK-Strände und cremeverschmierte Drohnen

Es gibt so kleine Namensplaketten, die man online erwerben kann. Man kann sich da alles Mögliche draufgravieren lassen. Die Dinger haben verschiedene Größen und die kleinsten sind wirklich sehr klein. Die Schrift zu lesen, erforderte eine angemessene Sehstärke und eine ruhige Hand – sofern man die Plakette zwischen den Fingern hält, während man versucht das Gravierte zu lesen. Da sich diese Mini-Plaketten nicht als Geschenk zu Weihnachten, Ostern, Geburtstag oder Kommunion eignen, steht zwangsläufig die Frage im Raum, was ich stattdessen verschenke. Und wieso ich plötzlich zum gravierte Plakettenfachmann mutiert bin. Zu ersterem habe ich mir selbst strengste Schweigepflicht auferlegt, zu zweiterem muss ich ein bisschen ausholen:

Wir haben hier in der näheren Umgebung einen See. Wir haben sogar mehrere Seen, von denen der St. Leoner See der bekannteste. Er besteht aus Wasser, umrandet von Landschaft. Tolle Sache, schön anzuschauen, feucht in der Mitte und außenrum gut begehbar. So ähnlich dürfte die klassische Definition für „See“ bei Wikipedia auch klingen und der St. Leoner See hält sich strikt an diese Vorgaben. Das tut ein anderer See in der Nähe auch. Dieser ist aber ein „wilder“ See, sprich: es gibt keinen klassischen Badebetrieb mit Bademeister, Pommesbude und sanitären Anlagen. Stattdessen ein Förderband, dass den aus dem See gebaggerten Sand in ein Werk an der anderen Seite des Sees transportiert. Alles sehr rustikal und an die „Hochindustrie“ der ehemaligen DDR oder des heutigen Nord-Korea erinnernd. Aber man ist ja auch nicht am See, um sich an chromglänzenden, von Solarenergie betriebenen und via Protonenstrahl sandfördernden Super-Baggern zu ergötzen, sondern um den Freuden des kühlen Nasses zu frönen. Gerüchten zufolge tut man das an eben jenem See an gewissen Stellen mit minimalster Minimalistik-Bekleidung. In Miniformat. Also nackt. Ob das stimmt… keine Ahnung. Die Ufer sind nicht an alles Stellen von außen einsehbar, was die These natürlich unterstützen würde. Zur Verifikation könnte man natürlich auch mal quer durch den See schwimmen und dabei die Blicke schweifen lassen, nur müsste ich dafür meine Brille aufhaben, was im Wasser nie der Fall ist und außerdem bin ich jedesmal von diesen Sandbeförderungsbändern fasziniert und verbringe die Nachmittage beim Zuschauen der Sandbeförderung.
Letztens dachte ich so bei mir, dass das ja schon doof ist, wenn man nicht weiß, ob da nackte Leute am See rumliegen und vor allem: wenn da nackte Leute rumliegen… was machen die da? Blöde Frage, ich weiß. Die sonnen sich halt, wie die Leute in Badehose, Badeanzug und Bikini sich auch sonnen, nur halt ohne Badehose, Badeanzug und Bikini. Die liegen dann da, cremen sich ein oder werden eingecremt… nur gibt es nun unerwartet viel Stellen, die man sich eincremen lassen kann – bzw. sogar muss, weil es sonst zu Sonnenbrand kommt und der ist schon am Rücken schmerzhaft… die nackten Leute cremen also mehr als der gemeine Schwimmbadbesucher und bestimmt gibt es noch mehr Unterschiede, von denen man als nichtbrillenschwimmender Mensch einfach nichts weiß.
Richtig fies wäre es, wenn man mit einer Drohne die dichtbewachsenen Hügel vor dem eigentlichen Ufer überfliegen und sich dann ein Bild aus der Luft – ein Luftbild quasi – machen würde, um zu sehen, was da genau vor sich geht. So ähnlich, wie das schon Professor Grzimek mit seinen Flügen über die Serengeti gemacht, ein Flug dicht über dem Treiben unter sich, um tiefere Erkenntnis daraus zu ziehen und der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen. Genau wie die reisausnehmenden Gazellenherden und die panisch flüchtenden Elefanten würde es den FKKlern am See gehen (wobei ich hier das Bild von der Gazelle und dem Elefanten ganz nett finde: es umreisst so schön das Gesamtbild der Gesellschaft), wenn da plötzlich eine Drohne in ihr Territorium eindringt und sie beim Eincremen (und was es da sonst noch gibt) filmt.

Das finde ich sehr abstoßend und ganz furchtbar, weshalb ich mir nun eine Drohne gekauft habe, um zu zeigen: das geht auch anders! Es gibt noch andere Dinge wie sich eincremende Menschen, die es aus der Luft zu filmen gibt. Ich weiß noch nicht so genau was, aber das wird sich finden.
Nun darf man in dieser überregulierten Welt nicht einfach so ein 1,5 Kilo-Objekt über die Landstraßen, Autobahnen und Flughäfen der Republik fliegen lassen: die Bürokraten verlangen mittlerweile eine Kennzeichnung. Ein simples „Meins!“ mit Edding aufs Gehäuse gekritzelt gilt anscheinend nicht, was doof ist, denn Edding hätte ich da gehabt. Eine weitere Recherche direkt an meinem eigenen Wagen ergab desweiteren: ein normales Nummernschild ist zu groß. Zum Glück ist es wie bei allem, was plötzlich akut wird: die Händler, die das anbieten, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Wenn man im Internet nach Plakette Drohne sucht, hat man ähnlich viele Treffer wie bei „Heiße Weiber in der Nähe PLZ 69190“*. Echt der Hammer.

Ich habe nun also eine Miniplakette, auf er „Meins!“ steht. Quatsch, da steht natürlich Name, Anschrift und Blutgruppe. Das Ding wird an die Drohne geklebt, damit die Nackten wissen, wo sie das Teil abzugeben haben, wenn es bei ihnen am FKK Strand einschlägt. Hoffentlich kriege ich dann die Fettflecken von der Eincreme-Creme von der Drohne..

*Wäre interessant zu wissen, wer geschaut hat, ob es wirklich ähnlich viele Treffer sind.

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Fangnetze, Frösche und die Zeugen Jehovas

Wer ab und zu Skirennen sieht kennt die Dinger: Fangnetze. Im alpinen Raum werden damit die Skiläufer abgefangen, denen die Piste nicht genug, der dahinter kommende Abhang aber in todbringendem Gegensatz zum Verlassen der Piste steht. Skiläuferanliegen minus Piste = Fangnetz. Wird den sehr schnell fahrenden Abfahrtsrennläufern und -läuferinnen gelegentlich zum Verhängnis, aber das ist ein anderes Thema und hat auch gar nichts mit Fröschen zu tun. Diese landen nämlich oft auch in einem Fangnetz, wenn auch nicht unbedingt in den Alpen und noch seltener beim Skifahren. Letzteres ist eh absurd, weil der gemeine Froschfuß nicht in einen Skischuh passt, und Skifahren somit nicht möglich ist. Ich hatte mich auch schon gewundert, warum man so wenig Frösche auf den Pisten sieht, aber somit wäre das nun auch geklärt. Bei uns sind die Fangnetze gespannt, damit die Frösche nicht über die Straße hoppeln und dort von Pirellis und Good Years überrollt werden. Im direkten Vergleich haben Pirelli und Good Year die besseren Karten und wer mag schon die Reifen voller Frochleichen haben (Froschlaich muss auch nicht sein, aber das passiert nur beim Durchqueren von stehendem Gewässer und wann macht man das schon). Damit sich das in Grenzen hält, spannen Menschen, die wissen, wann Frösche die Tendenz haben, über Straßen zu hüpfen (ich wüsste das z.B. ohne die Schilder nämlich nicht) und die auch ein gewisses Faible dafür haben, Frösche aus Netzen zu puhlen, in Eimer gefüllt über die Straße zu tragen und dort wieder aus den Eimern zu schütten. Muss man wollen, aber bei mir klingeln ja auch immer wieder die Zeugen Jehovas. Früh am Morgen. Mit seltsamen Anliegen. Wenn an denen eintrichtern könnte, dass Frösche, die man aus Fangnetzen gepuhlt und via Eimer auf die andere Straßenseite gebracht hat ab diesem Moment unbedingt und bis zum Ende ihrer Tage als Vorspeise in einem französischem Restaurant an Gott glauben würden… das hätte schon was. Bei mir würde niemand mehr klingeln, die Frösche kämen sicher auf die andere Seite und im Himmel wäre der Nachschub an Froschschenkeln soweit auch gesichert. Und die Jehovas hätten was Gescheites zu tun, anstatt bei wildfremden Leuten zu klingeln und Religionsmafia zu spielen.
Bisher zeichnet sich das aber noch nicht ab und somit gibts die Fangnetze, gebaut von Fachleuten, plus die Warnschilder. Nur… dieses Jahr gab es keine. Zumindest sind sie mir nicht aufgefallen. Wenn es keine gab… waren die Frösche dieses Jahr zu faul zum Wandern? Gehen sie mittlerweile woanders hin? Sind ihnen unsere Seen und Teiche nicht mehr gut genug? Sind die Insekten andernorts günstiger? Sind die Froschdamen offener (wobei ich nicht wissen möchte, was Frösche so treiben… Das ging bisher komplett an mir vorbei, das war gut so und darf gerne so bleiben…) und inwiefern (Nein! Ich will es nicht wissen!)? Was können wir tun, um wieder attraktiv für Frösche zu sein? Eine Idee wäre, den Fröschen mehr Komfort anzubieten. Stichwort Wellness. Ein paar Stunden einfach mal gepflegt im warmen, aber nicht zu heißen Wasser abhängen. Sous Vide nennt man das und es macht sie Schenkel sehr zart. Äh, entspannt.

Man muss einfach mal schauen. Vielleicht war die Froschwanderung auch dieses Jahr, aber man wurde nicht darauf hingewiesen, weil das Drucken der Plakate, um auf den Umstand der wandernden Frösche hinzuweisen, 12 Quadratmeter an hessischem Baumbestand für das zu bedruckende Papier gerodet und dem ökologischen Weltbild des froschrettenden Verbands in eklatanter Weise widersprochen hätte, weshalb es keine Hinweisschilder gab – dafür froschleichentriefende Pirellis und Good Years. Die Geister der überfahrenen Frösche werden noch Jahrzehnte in denWagen spuken, bevor sie in den Froschhimmel kommen und eventuell nochmal gelaicht werden. Wahrscheinlich in einer Pfütze, die von einem Pirelli oder Good Year durchpflügt werden. Das würde ich dann eventuell als Zeichen werten und im Himmel bleiben.

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