Passiver Enthusiasmus

Es stimmt schon: die schnellsten sind sie nicht, die Schweizer. Merkt man jetzt gerade, da immer wieder vereinzelte Böller explodieren. Der Nationalfeiertag war gestern, aber bei manchen dauert es halt länger, bis sie das Feuerzeug parat, den Böller ausgepackt, die Lunte in Position gebracht und diese schließlich entfacht haben und schwupp ist man einen Tag zu spät dran. Ich mache den Leuten da gar keinen Vorwurf. Geht mir ja oft nicht anders. Wie oft stand ich schon im Garten und dachte daran, dass ich den Rasen doch endlich mal mähen sollte und hastenichtgesehen ist das Gras schon so hoch, dass man den Rasenmäher darin nicht mehr findet und eigentlich lohnt es sich auch gar nicht mehr, weil es laut Wettervorhersage ja eh in den nächsten Tagen anfängt zu schneien. Wieso sollte ich also auf die Idee kommen, den Schweizern ob ihres massiv ausgebremsten Aktionismus Vorwürfe zu machen.

Wenn man längere Zeit in der Schweiz ist, muss man übrigens aufpassen. Es kann passieren, dass man assimiliert wird. So berichtete heute ein Deutscher, der schon seit längerer Zeit in der Schweiz wohnhaft ist, von seinem „passiven Enthusiasmus“ (dies in Bezug auf Twitter und Co.). In welchem anderen Land auf der Erde könnte es zu einem Phänomen wie „passivem Enthusiasmus“ kommen, wenn nicht in der Schweiz? Ich muss gestehen, dass mir als Liebhaber schöner Worte immer noch ein klitzekleines Tränchen im hintersten Augenwinkel hängt, ob dieser grandiosen Wortschöpfung: Passiver Enthusiasmus. Hach, wie schön.
Wenn sich das mit dem Assimilieren auf alle Bereiche auswirkt, hätte der Begriff „passiver Enthusiasmus“ gestern schon das Licht der Wortwelt erblicken sollen – aber manches dauert hier halt einfach länger.

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