Pochierte Eier und Paartherapeuten mit Kochlöffeln

Gestern habe ich kochtechnisches Neuland betreten. Eigentlich klang es ganz einfach, aber mir war nicht bewusst, dass man auch bei den simpelsten Tätigkeiten grandios scheitern kann.

Der Plan war es, pochierte Eier zu machen. Es gibt bei Google unzählige Seiten zu diesem Thema, aber das Grundrezept ist so gut wie überall gleich: man nehme ein oder mehrere Eier (aber niemals zuviele! Die kleben dann nämlich aneinander und es entsteht ein sehr großes Ei mit mehreren Eigelben. Also quasi wie die Eier, die man in der Gegend rund um Fukushima in letzter Zeit so bekommt. Wollte ich aber nicht, weshalb ich mich an die Ratschläge der Millionen Eierpochierfachleute gehalten habe und nur ein Ei nahm), einen Topf, darin Wasser und ein Esslöffel Essig plus einen Kochlöffel (oder etwas anderes zum Rühren) und eine Schaumkelle. Das wars.
Das Wasser (darin schon der Esslöffel Essig) wird erwärmt und zwar bis kurz vor dem Zeitpunkt, an dem es zu kochen begönne. Dann kommt der Kochlöffel zum Einsatz: man rührt im Wasser, so dass ein dezenter Strudel entsteht. Nun wird es Zeit, das Ei zu Wasser zu lassen. Mit dem Kochlöffel vorsichtig um das Ei herumwirbeln, damit sich das Eiweiß um das Eigelb legt. Nach drei bis vier Minuten holt man mit der Schaumkelle das fertig pochierte Ei aus dem Wasserbad und platziert es auf dem Teller. Das Eiweiß ist formschön gestockt, das Eigelb ist noch wachsweich. Nun nur noch nach Geschmack würzen. Guten Appetit.

Soweit die Theorie. Die Probleme fangen schon damit an, dass es gar nicht so leicht ist, die korrekte Temperatur zu finden: der Grat zwischen Blubberblubberwasserkocht und „Ui, heiß, aber kocht noch nicht“ ist ein schmaler. Zumindest an meinem Herd erfordert das ein ständiges Herumgespiele am Temperaturregler. Mein Herd ist anscheinend sehr sensibel eingestellt. Hat er von mir.
Wenn man die Temperatur zumindest einigermaßen im Griff hat, landen die Eier wie erwähnt im verwirbelten Wasser. Bei den vielen Videos im Netz legt sich sogleich das Eiweiß wie ein seidenes Tuch um das gelbe Innere – nur zur Sicherheit wirbelt man noch zusätzlich mit dem Kochlöffel um das Ganze zu unterstützen.
Tja: hätte ich nicht gewirbelt wie ein Tornado in Florida, wären Eiweiß und Eigelb im Topf getrennte Wege gegangen. Und das wollte ich auf keinen Fall! Ok, die beiden waren lange auf engstem Raum zusammen. Den ganzen Tag. Immer. Keine Chance, sich aus dem Weg zu gehen oder gar sich mal mit den anderen Eiweißen oder Eigelben zu einem Gläschen Eierlikör zu treffen. Da wäre es nur verständlich, wenn die beiden die neugewonne Freiheit nach dem Zusammenbruch der Schale nutzen würden, um endlich mal was alleine zu unternehmen. Adios Eigelb, wir sehen uns! Tschüssi Eiweiß, bis die Tage!
Also habe ich wie ein guter Paartherapeut den Kochlöffel benutzt (wobei ich mir nicht sicher bin, ob Paartherapeuten Kochlöffel im Einsatz haben und wenn ja: was machen sie damit? Müssen die Paare dann in einen Whirlpool, wo sie – man hegt ja eine gewisse Antipathie auf den anderen – in entgegengesetzte Richtungen zu driften drohen, aber – Taraaaaa – da zückt der Paartherapeut einen großen Kochlöffel und verwirbelt das Wasser im Whirlpool, was zur Folge hat, dass das trennungsgefährdete Paar wieder aufeinanderzugleitet und sich schließlich im Blubberbad in die Arme fällt, was den Beiden klar macht, dass es nur einen Whirlpool und einen Kochlöffel braucht und alles ist gut?) und die beiden wieder zusammengebracht. Gut sah das Ei allerdings nicht aus: Die Form erinnerte an einen ersten Versuch von Dr. Frankenstein, viele viele Jahre bevor er mit Leichenteilen herumbastelte (und das Ergebnis war ja auch nicht der Brüller). Wenn es wenigstens geschmeckt hätte, aber noch nicht mal das war der Fall. Ich wusste nicht, dass ein Ei „zäh“ werden kann. Kann es. Und beim zweiten Versuch hat sogar meine Kochlöffeltherapie versagt. Hatte sich bei Versuch Nummer eins das Eiweiß wenn auch nicht wie ein Gewand aus Seide, sondern eher wie ein schwerer Mantel aus Schurwolle von sehr alten Schafen, aber dann eben doch ums Eigelb gelegt, so war dies dem zweiten Ei nicht vergönnt. Wie eine kleine Sonne waberte ein gelbes Etwas durch den Topf, verfolgt von einer Galaxie aus verworrenen Eiweißfäden. Das sah so aus, wie es später schmeckte – wobei eine kleine Sonne verfolgt von einer Galaxie noch interessant wäre. War das komische Etwas auf dem Teller aber ganz und gar nicht. Hatte er was von Laborunfall (einem uninteressanten Laborunfall in einem total unspannenden Labor). Es war einen Versuch wert, aber beim nächsten Mal gibt es wieder Rührei: wenn man das Ei schon vorher kaputt macht und es erst dann zubereitet, ist das zum einen einfacher und schmeckt um ein Vielfaches besser.

Demnächst versuche ich mich mal an Sushi. Ich meine… roher Fisch: was kann man da schon falsch machen?

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