Proleten-Golf-Farbwechsel-Hemd

Manchmal kauft man ja Sachen, bei denen man sich im Nachhinein fragt, wer einem da was in den Kaffee oder ins Teewasser geschüttet hat. Bei mir wäre das aktuell ein rotes Hemd. Genauer gesagt: ein bordeauxfarbenes Hemd. Soweit so gut. Aber: das Hemd ist nicht nur bordeauxfarben, sondern wechselt je nach Blickwinkel ins bläuliche. Wie diese komischen Sonderlackierungen an den Proleten-Golfs und Spacken-3er-BWMs. Ich bin jetzt also ein wandelnder Proleten-Golf mit Tendenz zum Spacken-3er-BMW. In Bordeaux und Blau. Naja, man muss es positiv sehen: es hätte schlimmer kommen können. Grün/Rot oder Pink/gelb oder so. Wobei… ich fühle mich auch mit Bordeaux/Blau gestraft genug. Immerhin waren die Kollegen so nett und haben nichts gesagt. Wahrscheinlich fiel es ihnen aber auch einfach nur nicht auf. Die haben ja auch nicht gemerkt, dass ich gestern beim Frisör war (ich sollte auf Vanille-Shampoo umsteigen, damit diese Ignoranten zumindest olfaktorisch erahnen können, was Sache ist. Andererseits ist das ja quasi wie ein gigantisch großes Schild, auf dem steht: „Hey, ich war beim Frisör, aber vor allem: ich habe ein Proleten-Golf-Hemd! Schaut mal!“. Hm. Ich bleibe wohl besser beim Duschgel mit Schokoladenaroma).

Ich bin ein kleines bisschen sauer auf die Verkäuferin. Ich fuhr in den Laden mit dem Ziel ein einfarbiges Hemd zu kaufen und kam raus mit diesem Farbwechseltextil. Wie konnte das passieren? Auf meine Frage nach einem Hemd, fragte die Dame: „Uni?“ und da ich nicht an einer Universität studiert habe antwortete ich wahrheitsgemäß mit „Nein“. Sie zeigte mir dann diverse Hemden mit wilden und vor allem bunten Mustern und seltsamen Farbmischungen, aber das war alles nichts für mich: ich wollte ja was einfarbiges. Sie fragte nochmal: „Dann doch Uni?“ und ich: „Nein“. Wieso sollte sich der Status auch in der Zwischenzeit geändert haben? Irgendwie redeten wir aneinander vorbei, aber dann kam das bordeauxfarbene Hemd! Einfarbig! Yeah! Sie hielt es hoch, es war bordeauxfarben, alles gut! Also habe ich schnell agiert, habe mir das Hemd geschnappt, hechtete zur Kasse, zahlte und raus. Tja, und Tage später entpuppte sich das Teil als Proleten-Golf-Farbwechsel-Hemd.

Vielleicht sind die Leute, die an einer Uni studiert haben tatsächlich um einiges schlauer als ich. Im Laden war ein anderer Kunde, einer der studierten Art. Jedenfalls bejahte er die Frage nach Uni. Wie es der Zufall will habe ich den Typen zwei Tage später in der Stadt gesehen und siehe da: sein Hemd war einfarbig und ohne Farbwechseltamtam. Gibt es tatsächlich Vorlesungen in „Hemdenkauf – einfarbig“ an deutschen Universitäten und wenn ja: kann ich da mal als Gasthörer teilnehmen? Ich verlange ja auch nicht viel: ich möchte nur einfarbige Hemden und wenn man dafür halt an die Uni muss, tue ich auch dies. Nur für ein komplettes Studium fehlt mir ehrlich gesagt die Zeit.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.