Schritt für Schritt – Meter für Meter

Affären, diese heiklen, verruchten und manchmal schmutzigen Dinger… bei mir ist es heute eine weniger: Das Software-Update für mein Diesel-Gefährt wurde eingespielt. Somit ist bei mir ab jetzt nichts mehr heikel, verrucht und vor allem nichts mehr schmutzig. Im Verkehr. Auf der Straße. Also im Straßenverkehr. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin… Ach, Sie wissen, was ich meine…

Wo war ich? Ach so, ja. Die Software wurde also eingespielt. Denke ich mal, ich war nicht dabei. Ich habe das Auto zum vereinbarten Zeitpunkt abgegeben, es hieß, dass das Ganze so etwa eine halbe Stunde dauern würde, ich ging zum Bäcker gegenüber, holte mir ein belegtes Brötchen, lief zurück und sah den Typen, der meinen Autoschlüssel und die notwendigen Infos für das Update hatte an mir vorbei und in den Bäckerladen laufen, während mein Auto weiterhin auf dem Parkplatz stand. Soviel zum Thema halbe Stunde… das Updaten geht wahrscheinlich via Vorbeifahren an einem Bluetooth-Sensor, aber man hat dort halt Zeit. Hatte ich weniger, aber nun denn.
Nach 36 Minuten war mein Auto dann doch fertig – mitsamt Eintrag im Service-Heft, dass der Beschiss bei den Abgaswerten von höchster Stelle legitimiert wurde. Steht so nicht da, aber dem ist so. Wieso sollte nach dem Einspielen irgendeines Codes mein Auto plötzlich weniger Schadstoffe in die Luft pusten? Wenn das so einfach wäre, gäbe es einige Leute in öffentlichen Verkehrsmitteln, die man dringend zum Software-Update schicken sollte, um die Ausdünstungen runterzufahren. Oder pupsende und verdauende Babys? Die riechen nicht immer nach Lavendel. Kann man da auch ein Update einspielen und fertig ist es mit üblen Gerüchen? Oder Elefanten? Es gibt Unmengen an Leuten, die sich gerne einen Elefanten für den heimischen Garten holen würden, aber der strenge Geruch der Tiere schreckt sie ab. Kann man das nicht auch via Update einstellen? Es gibt so viele ander Beispiele, aber egal. Ich habe nun also die neueste Software und mein Auto stinkt nun nicht mehr, sondern sondert Elfenschweiß als Gas aus. Alle sind glücklich und mein größtes Problem werden fortan Horden von Veganern sein, die an meinem Auspuff schnüffeln, um diese exorbitant saubere Diesel-Luft zu erhaschen, die mein Auto seit dem Software-Update von sich gibt. Es sei ihnen gegönnt; sie sollten nur vorsichtig sein, wenn ich rückwärts fahre. Die Sensoren erfassen Hindernisse nur bis zu einer gewissen Höhe und wenn man zu demütig vor dem sauberen Diesel-Auspuff kauert, kann das böse enden. Man muss dann das Blut schnell von den Sensoren abwaschen, sonst bildet sich eine schmierige Schicht, die man fast nicht mehr wegbekommt. Und auch der Überfahrene hat sich sein Ableben sicher anders gewünscht. Immerhin war der letzte Geruch, den er roch, der von sauberem Diesel. Geht ja auch schlimmer. Abgestandenes Super-Benzin, geronnenes Blut der anderen Diesel-Jünger, die zu langsam waren…

Ich habe mir übrigens vorgenommen, auf den kommenden 500 Kilometern an Ampeln und im Stau immer mal wieder kräftig aufs Gas zu treten, damit mein Auto nicht übergangslos von Umweltschmutzfink zu hellweißem Sauberdiesel-Engel mutieren muss. Das soll sich da Schritt für Schritt dran gewöhnen. Oder heißt das bei Autos Meter für Meter? Man weiß es nicht.

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