Shopping-Demenz

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich bin mir fast sicher, dass ich nicht alleine dieses Problem habe, welches wäre, dass ich einkaufen gehe, aber genau das vergesse, was ich unbedingt einkaufen wollte. Der Ablauf ist jedesmal ähnlich: ich fahre zum Einkaufszentrum/Supermarkt/Discounter und denke: „Küchentücher brauche ich unbedingt! Und Seife!“. Das denke ich die gesamte Fahrt über, die trotz recht zentraler Lage auch mal zehn bis fünfzehn Minuten dauern kann. Wenn ich mich nicht irre, denke ich das auch noch während ich einen Einkaufswagen hole, aber auf dem Weg von da zum Eingang setzt das Vergessen ein und im Laden selbst ist das „Küchentücher brauche ich unbedingt! Und Seife!“-Mantra komplett weg. Dafür kommen dann plötzliche Geistesblitze wie „Oh, Deo! Puh, das hätte ich jetzt glatt vergessen“ (womit ein viertes Deo seinen Weg in das Schränkchen unter dem Waschbecken findet) und „Hm, Käse fürs Frühstück ist auch keiner mehr da. Nehme ich doch mal besser was mit“ (und schwupp gibt es einen Neuzugang zu den die zwei Packungen im Kühlschrank). An der Kasse ist der Einkaufswagen dann erschreckend voll, aber natürlich sind das alles Dinge, die man unbedingt braucht. Oder meint zu brauchen. Oder meint irgendwann vielleicht doch mal eventuell brauchen zu können. Außerdem war ja alles im Angebot und somit ein Schnäppchen. Was ein Glück, das man das gesehen hat.

Was man allerdings nicht gesehen hat, sind Küchentücher und Seife. Oder noch wahrscheinlicher: man hat sie gesehen (die Seife war direkt neben dem tollen „Zwei Hornhautraspeln zum Preis von Einer!“-Angebot, die Küchentücher nur zwei Meter entfernt von der Frau, die diese neuen, total genialen Reinigungstabs für die Besteckkästen in Spülmaschinen anpries. Und auch direkt verkaufte. Zum Einführungspreis!), aber nicht wahrgenommen. Manchmal ist man ja auch abgelenkt – wovon auch immer.
Und dann kommt man heim, verräumt die Einkäufe („Deo? Hab ich doch noch haufenweise im Bad… und wo kommt der Käse her? Hornhautraspeln? Und wozu gibt es spezielle Reinigungstabs für den Besteckkasten in der Spülmaschine???“) und bemerkt, dass etwas fehlt. Küchentücher und Seife zum Beispiel. Wenn es ein richtig blöder Tag ist, fehlt auch noch das Kind, aber dann hat man wenigstens einen guten Grund nochmal zurückzufahren (je nach Gemütszustand des pubertären Kindes ist zurückfahren nicht wirklich ein guter Grund, aber die aktuelle Gesetzeslage verlangt, dass man das Kind trotzdem abholt). Auf dem Weg denkt man die ganze Zeit: „Wenn Du eh nochmal zurückfahren musst, denk wenigstens an die Küchentücher! Und Seife!“…



Wieder zuhause angekommen, verabschiedet sich der Nachwuchs mit einem nicht wirklich fröhlichen „F*ck Dich, Alter! Ich geh nie wieder mit einkaufen! Das ist komplett fürn Arsch und Du auch. Opfer!“ und man denkt: „Wieso habe ich den eigentlich doch wieder geholt? Der passte doch viel besser zu der ähnlich gelaunten Dame an der Kasse…“. Diese Frage ist berechtigt und beschäftigt einem die nächste Viertelstunde. Dann beruhigt sich sowohl der Nachwuchs wie auch man selbst. Der Puls ist aber nur kurz auf Normalniveau. Dann fällt einem ein, dass man Küchentücher und Seife schon wieder vergessen hat.

Es ist nicht einfach, das Leben mit einer Shopping-Demenz, aber was will man machen. Schwamm drüber …was aber auch nur geht, wenn man Schwämme im Haus hat – oder beim Einkauf an selbige gedacht.

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