Autor: A. Pepunkt

The Corona Files

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Ich nenne die ganzen Posting der letzten Zeit ja für mich „The Corona Files“. Klingt theatralisch, aber macht warm ums Herz wegen Gedanken an Scully und so. Und es stimmt halt einfach auch: es gibt ja nur noch dieses eine Thema. Es ist allgegenwärtig, man entkommt ihm nicht, es sei denn man ist blind, taub, am Besten beides und hat keine übersensiblen Rezeptoren in Nase, Mund und/oder Rachen, denn sonst riecht oder schmeckt man es noch. Man wüsste dann vielleicht nicht, was das nun ist, denn man sieht oder hört ja keine Nachrichten mehr, aber dieser penetrante Geruch/Geschmack nach Fledermaus, die schon ein bisschen drüber ist, würde einem bestimmt auffallen.

Ein ähnliches Phänomen hatte ich mit Trump, der mich schon ewig so dermaßen nervte, dass ich versucht habe, ihn zu ignorieren. Ging sogar irgendwann erstaunlich gut, denn der aktuellste seiner täglichen Idioten-Momente war nur ein Teil des Nachrichtenpaketes und so ganz gut geistig zur Seite zu schieben (das Bild passt gut zu Trump… etwas geistig zur Seite schieben). Nun ist er aber auch mitten drin im Corona-Chaos, er ist also quasi die Nerv-Kirsche auf dem Nerv-Themenkomplex. Da hat es sich dann mit ignorieren.

Es gibt aber auch positive Momente in den Corona-Files: so entdecken zur Zeit viele Menschen ihre kreative Seite. Eine Kollegin lernt zum Beispiel gerade Klavierspielen. Das ist toll – vor allem, weil das Wetter so schön ist und sie bei offenem Fenster üben kann. Und sie 110 Kilometer entfernt wohnt und ich die ersten Klavierlernschritte nicht mitkriege; im Gegensatz zu den Nachbarn, die sich bestimmt aller sehr freuen. Einer begleitete sie heute beim Üben auch mit seiner Kreissäge. Wäre voll schön gewesen, meinte sie. Dann musste sie aber unseren Call beenden; es klingelte an ihrer Tür und irgendwie wäre es auch sehr laut da im Treppenhaus… sie müsse mal schauen. Eigentlich wollte sie sich am späten Nachmittag nochmal melden, aber da kam gar nichts mehr. Vielleicht das Internet überlastet, das gibt es ja ab und an in letzter Zeit. Man ist im Gespräch, diskutiert zu wichtigen Themen und plötzlich ist die Verbindung weg. Wie abgesägt.

Ein Instrument lernen steht zwar nicht auf meiner Bucket-List, aber wieso eigentlich nicht. Hab nur leider keins und Platz für ein Klavier fehlt mir auch. Gleiches gilt übrigens auch für eine Harfe; zumal ich mich nicht als Harfe-Spieler sehe. Harfe wird von engelsgleichen Damen mit langem Haar gespielt, die völlig der Welt entrückt, das Instrument zwischen den Beinen über die Saiten streicheln und ihnen zarte Harmonien entlocken. Bis auf „Instrument zwischen den Beinen“ und gelegentlich der Welt völlig entrückt, kann ich mit nichts dienen, also: Harfe eher nicht.

Ach, ich glaube, ich lass das komplett mit dem Instrument lernen. Können ja andere machen und ich bin eben das lauschende Publikum. Das einzige Instrument, dass dann noch für mich in Frage käme, wäre die Kreissäge – speziell für die Neu-Instrumentalisten hier in der Gegend, wo sich beim Üben keine hörbaren Verbesserungen einstellen. Da könnte man mit einem kurzen Stihl-Solo eventuell motivierend tätig werden.

Was wohl die Kollegin so macht? Internet geht anscheinend immer noch nicht; hab nichts mehr von ihr gehört und auch auf dem Handy hat sie wohl irgendwie keinen Empfang. Ich erreiche sie einfach nicht. Ach, wird schon alles okay sein…

Pillenboxen, Delfine, Apnoetaucher, Elefanten und unzerkaute Schafe

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Es ist soweit. Ich habe jetzt eine Pillenbox mit einem Fach für jeden Tag. Damit man die Einnahme auch nicht vergisst. Wie so ein Pornodarsteller mit seinen Viagras bei einem engen Drehfenster plus/minus eine Woche (und bitte… keine Wortspiele jetzt in dem Zusammenhang. Jaaaa, Drehfenster ist ein lustiges Wort, aber trotzdem). Bei mir sind aber Nahrungsergänzungsmittel drin; sogenannte Supplements (wie der Engländer sagt, wobei Engländer im Zusammenhang mit Nahrung zu erwähnen auch wieder nicht wirklich zielführend ist). Es sind Vitamine, Mineralien und Fischölkapseln. Was man halt so macht, wenn man zwar kein enges Drehfenster, aber halt doch… auf seine Gesundheit achtet. Und es hilft! Kein Haarausfall mehr, zumindest nicht im Brust-, Scham-, Bein- und sonstigem Bereich, sondern nur noch auf dem Kopf. Die Nägel sind weiterhin da, wachsen auch vorbildlich und sehen sehr gesund aus. Der Stuhlgang ist so, wie es die aktuelle Toilettenpapierlage zulässt und überhaupt ist das allgemeine Befinden im nicht meckernswerten Bereich. Klar könnte es besser sein, speziell Drehtage im Allgemeinen wären mal wieder toll, aber hey: könnte schlimmer sein. Fragen Sie mal einen Apnoetaucher nach den letzen Momenten kurz vorm Auftauchen. Und das nicht im kristallklaren Meer, sondern in einer Intensivstation, anstatt umringt von lustig lächelnden Delfinen. Okay, wenn die Delfine vorher lustig lächelnd die Pillenbox am Tauchergürtel geklaut und sich die witzigen blauen Pillen einverleibt haben, wird auch Apnoetauchen auf einen neue Dimension und in Hemisphären für wirklich extrem seltsame Fetische gehievt (Delfine auf Viagra, die Taucher… ich traue mich gar nicht, bei Google nachzuschauen, ob es das nicht vielleicht sogar schon gibt…), aber normalerweise ist eine Intensivstation schon die unangenehmere Variante.

In meiner Pillenbox sind also nur Vitamine und Mineralstoffe. Plus etwas ausgepresster Fisch (Das könnte jetzt eventuell die Delfine sauer machen, aber hey: die haben doch ihre Apnoetaucher). Jetzt gibt es schon die ersten Corona-Verschwörungs-Trottel, die auf Vitamin C und Vitamin D verweisen: das eingenommen, mindert die Gefahr, zu coronaisieren. Toll, jetzt kaufen mir die Idioten nicht nur Mehl, Hefe und Toilettenpapier weg – als nächstes sind auch die Vitamine ausverkauft und ich muss wieder Obst, Gemüse und diesen ganzen Mist zu mir nehmen. Hat schon mal jemand versucht, das ganze Magnesium aus Tablette in Form von Bananen zu sich zu nehmen? Viel Spaß dabei! Das wäre, als würde ein Elefant eine sehr wolliges Schaf am Stück und unzerkaut schlucken. Es wäre in vielerlei Hinsicht nicht schön, angefangen damit, dass Elefanten sich üblicherweise nicht von Schafen ernähren. Sie würden also den Fleischgeschmack schon mal nicht mögen, ganz zu schweigen vom Würgereiz, den das Fell am Gaumen auslöst. Wer kennt das nicht: ein Schaf im Ganzen verschluckt, passiert ja oft versehentlich, und plötzlich wundert man sich über das Kitzeln im Rachenraum. Das ist das Fell des versehentlich verschluckten Schafes… oder der billige österreichische Rotwein, der bei Netto im Angebot war. Direkt neben den Fischölkapseln, vorne an dem wackeligen Gestell kurz vor der Kasse. Elefanten trinken aber keinen österreichischen Rotwein, weshalb es bei denen ganz sicher das versehentlich verschluckte Schaf ist. Sie schlucken das halt runter, was macht man da schon als Elefant – Finger und den Hals ist da eher nicht. Zu Anfang ist es dann nur das schlechte Gewissen: Vegetarier! Veganer womöglich und nun das… ein Schaf. Egal, muss ja keiner mitkriegen. Aber so ein Schaf – dann noch unzerkaut, ist für den ungewohnten Elefantenmagen auch nicht ohne – vom restlichen Verdauungstrakt gar nicht zu reden. Verstopfung galore!

Langer Rede, kurzer Sinn: ähnlich wie ein unzerkautes Schaf beim Elefanten, führt ein Übermaß an Bananen beim Menschen zu Problemen mit der Verdauung (was wiederum dem Elefanten nichts anzuhaben scheint. Vielleicht sollten wir Menschen einfach öfter mal ein Schaf, am Stück und unzerkaut, zu uns nehmen. Der Verdauung zuliebe), weshalb es mir eigentlich lieber wäre, ich könnte weiterhin Magnesium in Form von Tabletten zu mir nehmen, was aber schwierig wird, wenn die ganzen Aluhut-Trottel diese Supplemente für sich entdecken, aufkaufen und den Markt durcheinander bringen.

Ich habe also eine Pillenbox, der Vorrat ist vorerst noch gesichert und sollten die Fischölkapseln zur Neige gehen, habe ich hier eine Liste von Delfinarien, wo ich holen könnte, was notwendig wäre. Ich drücke den ganzen Pornodarstellern die Daumen, dass die Verschwörungsmediziner nicht die lustigen blauen Pillen als neue Heilsbringer ausrufen, sonst wird es eng. Und auch hier gilt wieder: bitte keine Wortspiele.

Kleiner Tipp: lassen Sie die Katzen am Leben – wegen den Fliegen

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Auch wenn die hellsten Köpfe des Landes (ein Facharzt für Schwindelanfälle aus Sinsheim, eine durchgeknallte Anwältin aus Heidelberg und all die Koryphäen, die deren Thesen so fleissig teilen und kommentieren oder am Besten noch beides) der Meinung sind, dass es dunkle Mächte sind, die nicht wollen, dass wir die Straßen bevölkern: es gilt weiterhin, dass man doch besser zuhause bleiben sollte. #stayhome ist immer noch das Gebot der Stunde (es sei denn, man wird verfolgt und die Staatsmacht ist hinter einem her. Dann am Besten ab auf die Straße und irgendwelche Autos anhalten. So wie die Anwältin aus Heidelberg. Sie hat es zum Glück geschafft und trägt nun eine formschöne Jacke mit hübschen Schnallen, die sie vor den bösen Gedankenstrahlen der Echsenmenschen schützen. Und vor unbeabsichtigtem Berühren des Gesichts, denn die Arme sind mittels der hübschen Schnallen fixiert. Doppelter Schutz also. Mensch, hat die ein Glück!).

Natürlich geht einem dieses Daheimherumsitzen irgendwann auf den Keks und weil man sich auch ständig auf der Pelle hockt, ist dieses überdosierte Familiendingens für manche Überraschung gut. Manche tun das Naheliegendste und meucheln einfach die Mitbewohner (kleiner Tipp: lassen Sie die Katzen am Leben. Früher oder später werden Sie froh sein, über etwas Gesellschaft, die miaut und schnurrt, aber nicht redet. Und sie fangen und fressen viele der Fliegen, die sich irgendwann rund um die Leichen tummeln; egal wie sehr Sie sich um Hygiene bemühen. Ich spreche da aus…äh, ich habe einen Artikel zu dem Thema gelesen…). Andere haben plötzlich die innigste Beziehung und sind sich emotional und auch körperlich viel näher, als sie sich das jemals haben träumen lassen. Da freut sich der einsame Bauer auf dem entlegenen Hof, das Vieh weiß noch nicht so recht, was es davon halten soll, dass der Bauer nun auch im Stall wohnt und der Veterinär ahnt von all dem nichts, weil er aktuell keine Kontrollbesuche anstehen. Es sind seltsame Zeiten.

Übrigens auch für meine Nachbarn, die ansonsten ganz macho-like mit ihren kalbgroßen Hunden sehr breitbeinig durch die Wälder marschieren, um diese hünenhaften Herdenhunde davon abzulenken, dass sie keine Herde, sondern nur einen kleinen Hof und einen noch kleinen Garten zu hüten haben, wo es weder an der einen, noch an der anderen Stellen nennenswerte Mengen an Herde gibt – bei genauerem Durchzählen sogar gar keine. Das kann einen Hirtenhund schon ziemlich frustrieren und wenn es derer zwei sind, wird es noch schlimmer, denn: sollte sich in dem sehr kleinen Garten plötzlich doch eine Herde befinden, wäre diese – der Größe des Gartens entsprechend – nicht groß. Ich kenne die Definition von Herde nicht auswendig, aber sollte sich die Begrifflichkeit von „Herde“ anhand der Größe des Gartens definieren, wird es eng. Sowohl für den Begriff, wie auch für die Herde (die dann ja vielleicht auch gar keine mehr ist). Jedenfalls: für einen dieser gewaltigen Hunde wäre die Herde viel zu klein. Man müsste darauf hoffen, dass sich auch im Hof noch ein paar Tiere tummeln, dann könnte man die Hunde geografisch aufteilen. Falls nicht, wäre der Streit vorprogrammiert. Bisher gab es aber weder an der einen, noch an der anderen Stelle Herden, dafür aber zwei Hirtenhunde und deshalb: breitbeiniges Ausführen derselben in den umliegenden Wäldern.

Nun haben wir aber Corona und ich weiß nicht, ob es da einen Zusammenhang gibt, aber die ehrlich: die ganze breitbeinige Macho-ich-führe-diese-Höllenhunde-aus-Nummer bricht wie ein Kartenhaus zusammen, wenn man abends mit den Kumpels im Garten Tischtennis spielt und dabei jauchzt wie ein Mops-Gassigänger, der sich mittels „Hassu tolles Kacka-Haufi gemacht?“ über die Körperfunktionen seines flachschnauzigen Dätsch-Gesicht-Vierbeiners freut. Tischtennis? Gehts noch uncooler? Was machen, sie, sobald sie reingehen? Eine Runde UNO oder ist das zu heftig (jetzt nicht politisch, aber man kann da ja schon sehr gemein sein. Beim Kartenspiel. Beim anderen aber natürlich auch)? Kniffel, aber alle Felder sind Chance?

Wenn die Nachbarn wieder mit den Viechern im Wald sehe, frage ich mal nach. Und ich werde fragen, was sie da in den Hosen haben… ob das Tischtennisbälle sind. Mit etwas Glück ist der Witz zu flach und kommt nicht an. Ansonsten muss ich mich sputen, aber laut Trainingsplan stehen eh ein paar Spurts an – da hilft es sicher, wenn zwei Hirtenhunden ohne Herde hinter einem her sind.

Fröhliches Musizieren

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Kennt man ja: man ist in der Stadt beim Einkaufen, kriegt plötzlich Hunger und holt sich schnell was an einem der vielen Stände auf dem Markt. Eine Fledermaus to Go oder etwas Gürteltier-Sushi, nur eine Kleinigkeit, weil für den Abend werden ja Gäste erwartet und die Snake-and-Snail-Bowl köchelt schon zuhause. Ist wohl jedem schon mal so gegangen, nur diesmal war die Fledermaus nicht mehr ganz so frisch und schwupp: Corona.

Dumm gelaufen, aber in all dem Drama gibt es auch die schönen Momente: Menschen, die spontan ihre Instrumente auf den Balkonen der Stadt auspacken und gemeinsam mit anderen musizieren. YouTube-Videos von singenden Menschen, Online-Chöre und Konzerte in leeren Wohnungen aber mit tausenden von Zuschauern aus aller Welt an ihren Bildschirmen. Künstler, die allabendlich Sessions veranstalten und ihre Fans (und diejenigen, die noch Fans werden wollen) daran teilhaben lassen.

Ich habe mir überlegt, ob ich das nicht auch mache. Einfach mal die Gitarre rausgeholt, ein bisschen herumgeklampft und gesungen. Gerne auch was selbst Kompiniertes. Oder mich selbst mit dem Keyboard begleiten, während ich die schönsten Songs aus den Achtzigern, den Neunzigern und von Heute intoniere. Gerne auch mal Phil Collins „In the air tonight“, während ich Schlagzeug dazu spiele. Einfach nur, um den Menschen da draußen eine Freude zu machen. Wieso nicht?

Nun… einer, wenn nicht sogar der wichtigste Grund: ich spiele keins der genannten Instrumente. Um es noch mehr zu präzisieren: ich spiele gar kein Instrument. Ein weiterer Grund, warum die Idee zwar nett, aber auf gar keinen Fall gut ist: Singen kann man das auch nicht wirklich nennen, was ich tue, wenn ich es versuche. Ich denke, die für all den Mist verantwortliche Fledermaus machte ähnliche Geräusche, als der hungrige chinesische Marktbesucher in sie biss, weil er dachte, sein Snack wäre „well-done“ und nicht „English“.

Der einzige Grund, warum es vielleicht doch eine gute Idee wäre, mich abends trällernd und mit einer E-Gitarre auf den Balkon zu stellen, ist die eventuell nachlassende Bereitschaft der Menschen zu #stayhome. Ich bin mir sehr sicher, dass sich – zumindest für die Zeit meiner Performance – niemand freiwillig in akkustischer Reichweite aufhalten würde. Außer taube Menschen und selbst denen würde eine gewisse unheilvolle Aura auffallen, die einen Drang zum Aufenthalt in den eigenen vier Wänden auslöst.

Partyhochburg ecuadorianische Botschaft

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Julian Asange wurde Vater. Zweimal. Und das in der Zeit, in der er in der ecuadorianischen Botschaft in London im Exil war. Ganze sieben Jahre war er dort. Eine lange Zeit, aber allzu langweilig scheint es ja nicht gewesen zu sein; für Beschäftigung war gesorgt, wie man nun weiß.

Die Mutter der Kinder ist eine Anwältin, die Assange in der Botschaft besucht hat und dabei habe sich eine starke intellektuelle und emotionale Bindung entwickelt. Da es zwei gemeinsame Kinder gibt, dürfte aber auch noch mehr im Spiel gewesen sein.

Gibt ja Leute, die den gewissen Kick brauchen und wenn der darin besteht, dass eine halbe ecuadorianische Botschaft einem beim Sex zuhört, sollte man diese Möglichkeit auf jeden Fall nutzen, wenn sie sich einem bietet; die Chancen dafür sind nicht allzu groß, andererseits… das älteste Kind ist nun ca. drei Jahre alt. Rechnen wir da mal die üblichen zehn Monate dazu und runden großzügig auf, wären wir bei vier Jahren, in denen eine Anwältin zwar schon im Sinne Assanges agierte, aber eben nicht juristisch (ob Handschellen im Spiel waren, weiß ich nicht, aber das ist auch in dem Zusammenhang ohne Belang). Vier Jahre, in denen eine Anwältin sich um die Freilassung ihres Mandanten hätte bemühen und die Termine in der Botschaft für eben diese Mission hätte nutzen können. Stattdessen gabs Ringelpietz mit Anfassen, zwar auf intellektueller und emotionaler Ebene, aber ohne finale Freiheit für Assange.

Verglichen mit der Situation für viele in der aktuellen Lage, hatte es Julian Assange in seinem Exil also anscheinend gar nicht so schlecht. Andererseits bin ich schon ganz froh, dass hier nicht ständig eine Anwältin aufkreuzt. Außerdem hätte ich bestimmt nicht das Glück, gleich nach Corona im Knast zu landen wie Assange und somit hätte ich dann zwei Blagen am Hals. Plus eine Anwältin. Grausamer Gedanke. Und überhaupt wohne ich ja auch nicht in einer ecuadorianischen Botschaft und somit hätte es sich ja auch dem Kick. Andererseits… gibt ja Skype und Zoom und so weiter. Auch so eine Erkenntnis in diesen Tagen, aber auch da will man vieles nicht ganz so genau wissen…

Zum Glück gibt es noch genügend 65-Zoll-Flachbildfernseher

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Einkaufen in Zeiten von Corona… eine Tragödie. Man ist es ja gewohnt, dass alles im Überfluss vorhanden ist, umso mehr verwundern die teilweise nur schwach gefüllten, teils völlig leeren Regale. Kennt meine Generation ja nur noch von der Klassenfahrt nach Berlin mit dem Tagesausflug in den Osten – inkl. 20 Mark Zwangsumtausch. Mehl, Hefe und Toilettenpapier gabs damals aber drüben zur Genüge – im Gegensatz zu heute – und heute ist es nicht nur im ehemaligen Osten Mangelware.

Man fragt sich, wie die ganzen Bäckereien all die Jahre überleben konnten, wo doch Gott und die Welt – so scheint es zumindest – seit Jahr und Tag nichts anderes macht, als sein täglich Brot selbst im heimischen Ofen zu backen und deshalb nun die Ingredienzien hortet. Und da es ganz viele Leute mit Glutenunverträglichkeit gibt, ist auch das Toilettenpapier allerorten ausverkauft. Auf so einen Unverträglichkeitsdünnpfiff will man schließlich vorbereitet sein.

Nun ist bei mir der Drang nach Selbstgebackenem bisher nicht oder zumindest nur rudimentär zu spüren, aber trotzdem: würde ich beim Einkaufen an einem Regal vorbeikommen und stünde da zufällig ein Päckchen Hefe… ich würde es mitnehmen. Eventuell ließe ich mich sogar zum Mehldiebstahl aus dem Einkaufswagen einer abgelenkten Seniorin hinreissen. Und vielleicht würde ich mir beim Anblick einer vereinzelten Packung Toilettenpapier sogar den Weg freihusten, um selbige zu ergattern. Man weiß es nicht. Vor ein paar Wochen hätte ich noch voller Überzeugung gesagt, dass ich müde lächelnd, den Kopf mitleidig schüttelnd an diesen armseligen Menschen vorbeigehen würde, die sich da Mehl und Hefe und Toilettenpapier und ähnliches in Großgastronomie-Gebinden in den Wagen packen, weil ich ja auf keinen Fall einer dieser Hamsterkäufer wäre und schon gar nicht von so klischeemäßigen Hamsterkaufartikeln wie Mehl und Hefe und überhaupt ist mein Verdauungssystem top, aber auch nicht von Ehrgeiz zerfressen, weshalb mein Vorrat an Toilettenpapier durchaus noch eine Weile reichen würde.

Das war ich vor ein paar Wochen. Mittlerweile würde ich Desinfektionsspray für 15 Euro/50ml kaufen.

Die menschliche Psyche ist schon komisch. Da ignoriert man jahrelang solche Dinge, bzw. kauft halt mal Mehl und Hefe, weil man zu langsam war um sich bei der Mitbringliste für die Party bei Bier einzutragen und deshalb „was selber machen“ muss, aus den Tiefen des Internets dieses einigermaßen einfache Kuchenrezept herausfischt und dafür eben Mehl und Hefe braucht und dann steht der Rest davon ewig im Schrank. So einen kleinen Rest an Mehl habe ich tatsächlich noch da. Allerdings keine Hefe, was nicht weiter schlimm ist, denn aktuell sind ja auch keine Partys. Zumindest ist mir in letzter Zeit keine Liste untergekommen, wo Bier draufstand und dahinter ein Kreuzchen.

Jedenfalls habe ich kein nennenswertes Faible für Mehl oder Hefe und auch mein Verhältnis zu Toilettenpapier ist eher oberflächlich – obwohl wir uns schon sehr nahe kommen (den Witz mit „am Arsch vorbeigehen“ lasse ich jetzt mal aus). Trotzdem verspüre ich aufgrund des offensichtlichen Mangels dieser Artikel in der hiesigen Shopping-Landschaft eine plötzliche Begierde. Völlig absurd; ich habe nicht vor in nächster Zeit Kuchen oder Brot zu backen und wenn meine Verdauung nicht plötzlich hohldreht ist auch bezüglich Toilettenpapier alles im Lot.

Aber eigentlich muss ich ja froh sein, dass es keinen Mangel an 65 Zoll-Flachbildfernseher, riesigen Kühlschrank-Tiefkühlkombis mit Eiswürfelfunktion oder Einbauschrankwänden gibt. Gar nicht auszudenken, was wie das ins Geld gehen würde, wenn man sich jedesmal einen Fernseher, einen Kühlschrank oder eine Schrankwand mitnähme, wenn diese überraschend mal im Laden stünde. Von den Platzproblemen, die sich dadurch ergeben würden, gar nicht zu sprechen. Mehl, Hefe und Toilettenpapier kriegt man da schon leichter unter – so man es denn mal bekäme.

Kaffee im Glas

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Auch der heutige Tag begann mit Aufwachen vor dem Wecker, dem Aufsetzen von Teewasser, während die Kaffeemaschine röchelnd das Glas befüllte. Ja, ich trinke den Kaffee aus einem Glas. Einem großen IKEA-Glas, dessen originäre Bestimmung sicher nicht als Behältnis für ein Heißgetränk zu dienen war, aber immerhin verrichtet es diesen ihm womöglich unliebsamen Dienst ohne nennenswertes Murren. „Made in Turkey“ steht auf dem Glas. Vielleicht mag Erdogan Kaffee so sehr, dass es als Präsidentenbeleidigung gilt, wenn man wegen einem Heißgetränks meckert. Vielleicht tuschelt man hinter vorgehaltener Hand von Geschirr-Gefängnissen, wo rebellische Tassen und Gläser landen, die der Meinung waren, zu cool für was Heißes zu sein. Eventuell gab es sogar schon Aufstände von Geschirr, aber die wurden zerschlagen und am Ende lag die Bewegung in Scherben. Wenn das alles stimmt, hat mein Glas davon gehört und erträgt deshalb stoisch, wenn ich sie unter den Ausguss stelle. Manchmal meine ich, ein leichtes Zittern zu spüren, aber das könnte auch ich sein – Kaffeeentzug und so. Alles in allem also ein tapferes Glas, was umso erstaunlicher ist, weil am Boden des Glases „Made in Italy“ steht. Ich habe gerade nachgeschaut und muss feststellen… hab ich wohl ob des Herstellungslandes geirrt. Italien ist es, nicht die Türkei. Also können die Geschirr-Gefängnisse eher nichts für die Devotheit meines Glases. Italien… hm… dann hat wahrscheinlich die Mafia ihre Finger im Spiel. Oder das Glas ist charakterlich einfach grundsätzlich eher der unterwürfige Typ. Oder steht auf Schmerz durch Heißgetränke – für diese Theorie spräche auch dieses quietschige Geräusch, wenn man es mit dem Rauschwamm bearbeitet. Ich will das alles aber auch gar nicht so genau wissen, sonst brauche ich bald ein anderes Gefäß für meinen morgendlichen Kaffee. Das wird dann auf jeden Fall eins aus einem Land, wo das Unterdrücken der freien Meinung bei Geschirr eine gewisse Tradition hat.

Die Kleinen durften das erste Mal nach draußen!

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Was für Wetter! Strahlender Sonnenschein und dieses Frühsommer soll noch mindestens die nächste Woche anhalten. Höchste Zeit also, sich um den Garten zu kümmern. Gedanklich bin ich ja schon eine Weile soweit, aber bisher war den Temperaturen ja noch nicht so recht zu trauen. Nun scheint sich der Frost aber endgültig in sein Winterquartier zurückgezogen zu haben. Es kann also endlich losgehen.

Man ist ja nicht mehr der Jüngste und Bücken geht deshalb nur noch, wenn der Papst mal wieder unangekündigt vor der Tür steht – was zum Glück nicht allzu häufig passiert. Gartenarbeit ist aber auch oft wie eine schlechte Ehe: man verbringt viel Zeit auf den Knien und es geht nicht selten dreckig zu. Das muss aber nicht sein – zumindest bei der Gartenarbeit, denn es gibt schließlich: Hochbeete!

Noch drinnen und schüchtern

Zu Anfang waren sie noch ein bisschen schüchtern. Kein Wunder nach den vielen Wochen im LIDL-Lager, ganz alleine zwischen Toilettenpapier (gab es damals noch in rauen Mengen) und Dosenravioli. Immerhin waren sie zu zweit; das machte es leichter, sich gegen die Brechbohnen und Tellerlinsen zu behaupten. Trotzdem waren sie bestimmt froh, als sie endlich verladen wurden und ihr Weg sie in eine ungewisse, aber bestimmt bessere Zukunft führen sollte. Dieser Weg führte sie zu mir.
Wie man sieht, waren sie zu Anfang noch etwas schüchtern. Verständlich – sie waren drinnen. Eine für ihre Art ungewohnte und völlig ungeeignete Umgebung. Umso größer die Freude, als sich die Tür in die Freiheit – nach draußen – öffnete.

Erste Schritte ins Freie

Erste zaghafte Schritte in das Neue, das Unbekannte. Doch die Zurückhaltung sollte sich schnell legen und schon zogen die Zwei los und erkundeten die Umgebung.

Es gibt vieles zu entdecken

Alles wurde ausgiebig begutachtet, bestaunt und beschnüffelt. Für uns völlig normal und nichts Besonderes, für die Beiden etwas völlig neues: ein Baum!
Die erste Scheu war völlig verflogen und die zwei Jungbeete begannen herumzutollen und zu spielen.

Die wagemutigen Akrobaten

Das war ein wildes Herumgerenne und Getobe. Plötzlich kamen auch ungeahnte Talente zum Vorschein. Wer hätte gedacht, dass hier zwei Akrobaten zuhause sind?

Fußball spielen? Aber gerne!

Auch Fußball fanden sie ganz toll. Natürlich klappte nicht immer alles auf Anhieb und das Ganze wirkte etwas hölzern, aber der Spaß stand im Vordergrund und den hatten sie auf jeden Fall.

Na, na, na!

Fast ein bisschen zuviel Spaß, hier galt es schnell und energisch einzuschreiten.
Ich weiß nicht, woher sie solche Einfälle haben, aber man sollte vielleicht mal ein Auge aufs LIDL-Lager werfen. Ich habe da einen gewissen Verdacht. Ja, ich meine Euch „Hot & Spicy“-Chips!

Fall nicht runter, kleines Beet

Nach einem kurzen Kletterausflug konnte man ein lautes Grummeln hören: da hatte aber jemand Hunger! Zum Glück hatte ich mitgedacht und schon alles bereit gestellt.

Hmmm, lecker!
Na, wer wird denn gleich so gierig sein

Frische Luft macht wirklich hungrig; kein Wunder haben die Zwei so richtig zugelangt.

Pappsatt

Ein voller Bauch nach einem Tag voller Spiel, Spaß und Neuigkeiten, die es zu entdecken galt… da wird ein junges Hochbeet natürlich müde. Also schön brav aufgereiht, noch eine kurze Gutenacht-Geschichte (Ihre Lieblingsgeschichte ist „Hans und die Bohnenranke“, mit den Zauberbohnen) und dann wird geschlafen.

Gute Nacht

Gute Nacht, ihr kleinen Racker. Schlaft gut und träumt was Schönes.

Zwei kleine Virologen

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Es sind schwierige Zeiten… und dann kam auch noch Corona dazu. Und als würde auch das noch nicht reichen, machen sich einige vermeintlich Allwissende auf und verkünden der Welt, dass das alles Humbug sei, was sie da mache, Corona ist nichts anderes wie Syphilis eine normale Grippe, kennt also quasi jeder und die paar Toten wären eh gestorben – da kann Syphilis Corona ja nun wohl gar nichts für.

Dass Corona extremst ansteckend ist und sehr viele aktuell sterben, dürfte unbestritten sein, also quasi ein Fakt, aber weil die bösen Regierungen ja darauf bestehen, dass die Leute zuhause bleiben müssen, haben selbige zuviel Zeit, surfen im Netz und stoßen auf die Videos der oben genannten vermeintlich Allwissenden, erkennen, dass das eine einzige, große Verschwörung ist, wir alle sterben werden, aber eben nicht an Corona, sondern an Syphilis etwas anderem und teilen die Videos dieser vermeintlich Allwissenden, um die Menschheit zu informieren, ach was, um die Menschheit zu retten! Und eigentlich ist das der beste Beweis, dass die Anweisung zuhause zu bleiben, um Corona nicht exponentiell schnell zu verbreiten genau richtig ist, denn ähnlich wie Corona es ohne entsprechende Maßnahmen täte, passiert genau das mit diesen Videos: ein „Menschheitsretter“ teilt es, es wird von zwei anderen gesehen, die teilen es weiter und so weiter und so fort und schwupp ist der Mist überall, riecht komisch und nervt ohne Ende. Also wie bei Syphilis. Wie bei Corona.

Tatsächlich nervt es jetzt schon und täglich kommen neue, vermeintlich Allwissende aus ihren vormals dunklen Ecken gekrochen, spinnen seltsame Phantasien, was es mit Corona und den internationalen Geheimgesellschaften zu auf sich hat – auch hier übrigens ein passender Vergleich: das ist, wie wenn ein Virus mutiert: weiterhin eklig, aber auch eine neue Art und Weise – und posaunen hinaus in die zu rettende Welt.

Da man außer ignorieren (und das ist echt schwer!) dieser vermeintlich Allwissenden und den Menschheitsrettern nicht viel machen kann, bleibt nur das dagegen Ansingen – genau wie die Italiener auf den Balkonen. Macht dann immerhin Spaß. Deshalb hier nochmal das Original, darunter der angepasste Text. Mittlerweile sind es sicher mehr als zwei Virologen (manche sind noch nicht mal das – aber Lungenarzt ist ja auch was Tolles).

Eine Reise in den Süden
Ist zur Zeit nicht wirklich drin
Doch zwei kleine Virologen
Sehn in all dem keinen Sinn

Zwei kleine Virologen
Betrachten das Herdenvieh
Steht draußen auf der Wiese
Doch Corona, das kriegt es nie

Zwei kleine Virologen
Die schauen gequält

All die Toten in Italien
Und in Spanien und der Welt
Sind zwar tot, doch nicht vom Virus
Denn man habe falsch gezählt

Oh Wissenschaft, Du Arme
Womit hast Du denn das verdient
Dass solche Virologen
Die größten YouTube-Helden sind

Zwei kleine Virologen
Die glauben den anderen nicht
Die ganzen falschen Zahlen
Der Drosten lügt, wenn er nur spricht

Zwei kleine Virologen
Die haben es satt

Sie schauen auf das Herdenvieh
Kerngesund nagt es am Blatt
Logisch für zwei Virologen:
Weils keine Ausgangssperre hat

Oh Wissenschaft, Du Arme
Womit hast Du denn das verdient
Dass solche Virologen
Die größten YouTube-Helden sind

Zwei kleine Virologen
Die trauen den anderen nie
Entwickeln wirre Thesen
Für ihre Verschwörungstheorie

Zwei kleine Virologen
Die reden viel Stuss

So viele Klicks bei YouTube
Doch der eine macht jetzt Schluss
Weil der kleine Virologe
In letzter Zeit so husten muss

Oh Wissenschaft, Du Arme
Womit hast Du denn das verdient
Dass solche Virologen
Die größten YouTube-Helden sind

Soweit der Diesel uns trägt

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Nun sind wir mitten drin in der Corona-Krise. Die Pandemie wütet weltweit , was als Satz ähnlich sinnvoll ist wie „der weiße Schimmel“, wütet eine Pandemie schon alleine per Definition weltweit. Ansonsten wäre es nur der kleine Bruder, die Epidemie, die auch nicht schön, aber eben lokal begrenzt aktiv ist. Beiden gemein ist das wüten und das tut Covid19 gerade in großem Ausmaß.

Täglich kommen neue Horrormeldungen, es hagelt immer mehr und immer extremere Maßnahmen. Wer hätte vor ein paar Wochen daran gedacht, dass Flüge aus Europa in die USA nicht möglich sind oder Skigebiete aus einem anderen Grund als Lawinengefahr zu Risikogebieten erklärt werden? Dass es zu Hamsterkäufen von Toilettenpapier, Nudeln und Mehl kommt? Dass die Formel1 nicht fährt und die Bundesliga nicht spielt?

All diese Maßnahmen sind nötig, aber natürlich ist das Umsetzen dieser Maßnahmen nicht immer einfach. Bei manchen sind es einfach gewohnte Tätigkeiten, denen man plötzlich nicht mehr nachgehen kann, was ärgerlich ist (wie schrieb die Stadt Mannheim: „Die Stadt Mannheim verbietet weiterhin den Betrieb von Saunen, Kinos, Clubs und Diskotheken, Spielhallen, Prostitutionsstätten und Indoorspielplätzen.“ Da ist alles dabei, wobei man die letzten beiden Punkte auch hätte zusammenfassen können), aber es trifft auch elementare Bereiche des täglichen Lebens, was für viele schwere Einschnitten und neben Ärger und Wut auch eine große Unsicherheit bei den Betroffenen mit sich bringt. Oft ist man sich als Außenstehender der Bedeutung im ersten Moment gar nicht bewusst und wundert sich, wenn man die Auswirkungen sieht.

Morgen früh zum Beispiel. Wenn sich Autokolonnen durch den Ort zwängen werden, planlos, ohne festes Ziel. Große Boliden verstopfen die Kreisverkehre, am Steuer weinende Frauen und verwirrt dreinbilickende Männer, die sich in die Lenkräder krallen und Dinge wie „Kevin, hast Du Dein Chia-Avocado-Brot eingepackt?“, „Vergiss den Aerial Yoga 4 Kids-Kurs nicht; der ist gleich nach dem Flötenunterricht, Chantal!“ und ähnliches vor sich hinmurmeln. Auf den Gehwegen stehen Bürger, die helfen wollen. Sie halten Schilder in die Luft: „Es ist keine Schule!“ steht auf manchen oder auch „Kindergarten. Kita. Schule. Alles zu!“, aber die Helikoptereltern starren stumm durch die Windschutzscheiben, während der Sechszylinder dumpf vor sich hintuckert. Auf den Rücksitzen heulen die ersten Kinder, nicht wissend, wie lange die Tour noch dauern wird. Die Vorräte an mit Melonenstücken aromatisiertem Evian gehen zur Neige und die zuckerfreien Hafer-Dinkelmuffin sind auch schon gegessen, aber es deutet nichts darauf hin, dass die Fahrt bald zu Ende sein wird – wie auch, wenn die Ziele geschlossen und nicht erreichbar sind…

Es sind schwere Zeiten, aber da müssen wir durch. Auch die Helikoptereltern und ihre Blagen… zumindest so lange der Diesel noch reicht.