Weihnachtsmärchen

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“Das kannst Du nicht tun”, rief ich atemlos. Die letzten Kilometer fiel es mir schwer mit dem alten Mann Schritt zu halten und dabei zog er den schweren Karren mitsamt Ladung ganz alleine. Er blieb stehen und schnaubte. “Was kann ich nicht tun? Diesem hirnlosen Idioten das Fell über die Ohren ziehen? Und wie ich das kann.” Sein heißer Atem dampfte in der kalten Luft. Selbst durch seinen dichten Bart konnte ich das wütende Zittern der Lippen sehen. Er packte den Karren und stapfte weiter durch den Schnee.

Kurz darauf kamen wir zu einer kleinen Holzhütte. Der alte Mann fing an gegen die Tür zu hämmern. Mit bebender Stimme rief er: “Mach auf, Du missratenes Stück Fell.” Seine Fäuste ließen das schwere Holz der Tür erbeben, aber drinnen regte sich nichts.

“Sieht so aus, als wäre er nicht zuhause, Chef.” Meine Worte kamen zaghaft und ich ging hinter dem Karren in Deckung, als er auf mich zukam. Er griff unter die Decke, welche die Ladung wärmte und brachte eine Axt zum Vorschein. “Das wollen wir doch mal sehen”, brüllte er und begann das Schloss zu malträtieren. Mit einem Tritt stieß er die Tür auf. “Hasilein, wo bist Duuuuu?”

Ein strenger Geruch schlug uns entgegen. Schaler Zigaretten– und Zigarrengeruch, gemischt mit dem Gestank von Alkohol, Schweiß und anderen unschönen Gerüchen. Der Raum war eine einzige Müllhalde. Zwischen Chipskrümeln und Zigarettenkippen lagen leere Chipstüten und Essensreste. Leere Flaschen bevölkerten den Boden, die Regale, Tische und sonstige Möbel. Auf dem großen runden Tisch in der Mitte des Raums lag eine grüne Filzmatte, darauf noch einige Jetons und ein paar übervolle Aschenbecher.
Von der Werkbank kamen schnarchende Geräusche. Den Oberkörper flach auf der Werkbank ausgestreckt, die Füße auf den Boden baumelnd lag ein abscheulich richendes Etwas. Die Ohren hingen wie die Arme schlaff zur Seite, das Stück weise Fell über dem Bauch war übersät mit Resten von Erbrochenem.

Die Krümel auf dem Boden knirschten, als mein Chef zur Werkbank ging und sich den betrunkenen Hasen griff. Er packte ihn, trug ihn angeekelt nach draußen und steckte den Hasen kopfüber in eine mannshohe Schneeverwehung. Die plötzliche Kälte zeigte Wirkung, es kam Leben in den versifften Hasenkörper.

“Bist Du verrückt, Du fetter alter Kerl?”, krächzte er. “Was soll denn das.” Die neue Lebensenergie schien auch den Stoffwechsel angeregt zu haben. Der Hase drehte den Kopf und übergab sich in großem Schwall in den Schnee. Als sich sein Magen wieder beruhigt hatte, schaute er mit blutunterlaufenen Augen zu meinem Chef, der ihn böse anfunkelte.

“Was das soll?”, brüllte der Alte mit donnernder Stimme. Sein Körper bebte unter dem roten Mantel und seine Mütze erzitterte. “Hör mal zu, Du pelziger Mistkerl.” Er schnappte den Hasen wieder am Kragen und hob ihn zu sich auf Augenhöhe. “Es ist ja schön Dich, dass Du gerade Urlaub hast und nicht arbeiten musst, aber andere müssen das sehr wohl.”

“Na und? Das kann Dir doch egal sein!”
“Was war gestern bei Dir los?”
“Geht Dich einen feuchten Kehricht an!”
“WAS WAR GESTERN BEI DIR LOS?”, schrie mein Chef und hob die Axt.
“Ist, ja gut, ist ja gut”, sagte der Hase und legte die Löffel an. “Ein paar Kumpels waren da. Wir haben gepokert und ‘n bisschen was getrunken. Ging dann eben etwas länger.”

Mit dem Hasen in der Hand lief mein Chef zum Karren und hob die Decke an. “Sieh Dir an, was du mit Deinem kleinen bisschen trinken angerichtet hast.”
Als mein Chef die Decke zur Seite schob und Rudolph, das Rentier zum Vorschein kam, erhob sich eine Wolke von Restalkohol in die kalte Luft. Rudolphs ehemals leuchtend rote Nase glomm nur noch schwach. Die Zunge hing im aus dem Maul während er schnarchend seinen Rausch ausschlief.
“Am Dienstag ist Weihnachten, wie Du vielleicht weißt”, schrie der Weihnachtsmann. “Wie soll ich dieses versoffene Rentier bis dahin wieder fit bekommen?”
“Hey, woher willst Du denn wissen, dass der mit mir einen getrunken hat? Vielleicht war er auch in Frau Holles Schneebar oder sonst wo”, ächzte der Hase.
Der alte Mann ging an das andere Ende des Karrens entfernte die Decke und hob Rudolphs Hinterläufe. “Weil Du anscheinend selbst im Urlaub Deine Leidenschaft fürs Eier anmalen nicht ablegen kannst, du Dämlack von einem Osterhasen.”
“Na und? Was solls? Fliegt Rudolph dieses Jahr eben nicht mit. Die anderen sind doch stark genug.”
“Ja, aber eine leuchtende Nase hat nur Rudolph und wie Du siehst, wird die vor Sylvester nicht mehr ihren Dienst verrichten können.”
“Tja, blöde Sache. Kann man aber nichts machen. Gibts eben keine Geschenke dieses Jahr. Pech. Ich leg mich dann mal wieder hin.”
“Oh doch, es wird Geschenke geben und zwar pünktlich wie immer.”

Zugegeben, es sah merkwürdig aus, wie der Osterhase festgezurrt auf Comets Rücken hing und mit der roten Taschenlampe den Tieren den Weg wies, aber es erfüllte seinen Zweck. Sein Murren wurde vom Zischen des eiskalten Fahrtwindes übertönt und wir schafften es, alle Geschenke rechtzeitig abzuliefern. Weihnachten war gerettet und ich hatte eine schöne Geschichte, die ich den Kollegen beim Elfenstammtisch erzählen konnte.

Die Taschen voller Geld

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Nachdem ich mit den Fertigsalaten (Ceasars Salad mit Pasta – Edeka Hausmarke) nun schon ein paar Mal eingegangen bin (der Salat schon lange vor mir), ich aber eine gewisse Erfurcht vor dem Hungertod habe, besorge ich mir trotzdem noch Nahrung dort, wenn ich denn ich Leinfelden weile. Die Auswahl ist ja auch immens, nur: Döner muss nicht sein, von der 7 Uhr-Frühschicht belegte Backwaren beim Bäcker auch nicht. Ceasars Salad wäre grundsätzlich super, wenn der Salat nicht aus der gleichen Epoche käme…

Besagter Edeka hat auch eine “Frisch-Salat-Theke”, wobei ich jedes einzelne Wort gerne in Anführungszeichen sehen würde, aber nun denn. Essig und Öl sind ja sehr coole Co-Fighter an der Bakterienfront, insofern sollte das schon passen. Also eifrig Tortellini-Nudel-Wurst-Griechischschafskäse-Couscous-Salat in den Einweg-Plastikbecher (gibts da keine bessere Option? Wie siehts aus? Greta spricht nie wieder mit mir! Zu recht!), gewogen, Wiegebon gedruckt und ab an die Kasse.

Das Kassensystem dort ist gewöhnungsbedürftig: es gibt Kassen, die meisten sind unbesetzt. An den besetzten Kassen merkt man mit der Zeit, wer es drauf hat und wer nicht, ABER… es gibt ja auch noch Kunden und die kann man leider nicht einschätzen. Da ist der Rentner mit der Einkaufswagenbeladung eines 7-Tonners oft schneller als die junge Dame, deren EC-Karte nicht angenommen wird und die verzweifelt nach Restgeld im Slip sucht. Dann gibts noch die “Hab nicht viel, geht schnell”-Kasse am Infostand. Die macht spontan auf und entweder man hat Glück und flutscht schnell dahin oder man steht schon mittig eingereiht an einer anderen Kasse und hat eine Mischung aus dem vorher Erwähnten vor sich: eine Rentnerin, beladen mit einem Einkaufskorb Marke 7-Tonner, die Münzen in der Unterwäsche sucht. Letzteres ist nicht schön. Vor allem, wenn die Dame ausgiebig sucht und es klimpert so seltsam…
Piercings sollten magnetisch sein, dann ist alles an Ort und Stelle, wenn man es braucht. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Münzgeld überhaupt magnetisch ist. Aber ist ja letztlich auch egal.
Bei meinem Geldbeutel gibt es auch kein Münzfach. Restgeld stecke ich in die Hosentasche und abends kommt es in ein großes Glas. So ist der Geldbeutel nicht immer so prall vor lauter Münzgeld. In der Gegend rund um Leinfelden wird das anscheinend ähnlich (Münzgeld kommt nicht in den Geldbeutel), aber dann doch anders (fragen Sie nicht!) gehandhabt. Bei den Schwaben ist beim Thema Geld vieles anders, aber das wäre dann doch sehr skurill. Andererseits wäre auch klarer, wie es zu dem Begriff “Sparbüchse” kam. Aber das sollen die Sprachwissenschaftler unter sich ausmachen. Ich versuche derweil weiterhin, diese sonderbare Salatmischung zu verdauen, für die ich letztlich selbst verantwortlich bin. Immerhin hatte ich meine Münzen in der linken vorderen (außen!) Tasche der Jeans. Die Dame an der Kasse wirkte auch sehr glücklich ob dieser Tatsache.

Grünkohl

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Ich habe Grünkohl in der Garage und ich werde ihn benutzen, äh, machen… und zwar morgen. Ich habe ein großartiges Rezept von Stevan Paul (Deutschland vegetarisch. Kaufempfehlung!), aber keine Birnen, deshalb morgen die altbekannte Variante – die es hier in der Gegend leider nicht gibt. Ich wüsste nicht, dass hier Grünkohl in nennenswerten Mengen angebaut wird und so richtig traditionell ist es hier nicht wirklich. Aber hey, was kann man schon falsch machen. Es kommt Fett in den Topf, dazu Zwiebel und danach der Kohl. Plus Fett in Form von Speck. Und “Kochwürsten” (hab ich nicht gefunden, bei mir sind es Mettenden), die aber eigentlich nur im Kohl mitkochen, aber so ziemlich jedes Rezept sagt, dass man die anstechen soll, damit das Fett auch ja den Kohl durchdringt. Geht ja nicht, dass die Vitamine ungeschützt in den Körper gelangen. Am Ende werden die wahrscheinlich in Fett eingekapselt durchgeschleust, ohne auch nur den Hauch einer Wirkung entfalten zu können. Ein perfider Trick der Grünkohlmafia, die nächstes Jahr wieder parat steht und Dinge sagt wie “Warsu krank? Hassu suwenig Grünkkohl gehabt. Hier hassu swei Palette. Is voll Vitamin Se!”. Wer kennt sie nicht, diese Grünkohldrückerkolonnen. Naja, ich kenne sie nicht. Gar nicht so einfach hier in der Gegend an Grünkohl zu kommen. Asiatisches Pak Choi von einer zwei Quadratmeter großen Insel im chinesischen Meer… kein Problem. Ingwer aus einem krisengeplagten Kriegsgebiet? Gerne doch, aber bitte auf Granatsplitter überprüfen. Aber Grünkohl? Im hiesigen Edeka nur auf Zuruf und im Rewe muss man froh sein, wenn das Gemüse nach Farbe sortiert ist, auf fachliche Hilfe darf man da nicht hoffen. Man wäre ja schon froh, wenn es tatsächlich eine Grünkohlmafia gäbe. Gibts aber nicht.
Ich habe aber welchen (meine Quellen sind geheim, gell Mama? Sonst käme dann ja jeder und würde sich dort grünkohlisieren und schwupp wäre meine Quelle versiegt und ich müsste wieder Pak Choi und so Zeug machen) und morgen wird der geschnippelt, gebraten und gekocht und überhaupt. Dem wird ganz grün, dem Kohl, vor lauter Dies und Das und Jenem. Bin gespannt, ob das was wird und wenn nicht: die TK-Ware ist auch ganz gut. Fertig geschnitten, der Beifang (Mäuse und Maulwürfe) fein mitgehäckselt und gut portionierbar. Liegt in der Tiefkühltruhe direkt neben dem Pak Choi und dem feingeriebenen Tiefkühlingwer.

Heidelberger Herbst, Wangener und die Kühe

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Heidelberger Herbst. Ein willkommener Anlass, um ohne Ausreden, die eh keiner glaubt, im Freien Alkohol zu trinken, andere alkoholtrinkende Menschen zu treffen und Live-Musik zu lauschen. Und wenn man Glück hat, ist das Wetter wie gestern: nicht zu warm, nicht zu kalt. Ein Wetter, wo sogar die Übergangsjacke im Rucksack bleibt, weil sie nicht benötigt wird. Und wenn man noch mehr Glück hat, ist man auch noch in angenehmer Begleitung.

Genau 208,55 Kilometer entfernt von Heidelberg befindet sich Wangen im Allgäu. Ein bestimmt wunderschöner Ort, wenn auch mit fragwürdiger Grammatik bei dem Satz „Einfach Ankommen und Wohlfühlen“, der einem auf der Website von Wangen gleich ins Auge springt – auch aufgrund der Tatsache, dass die dünne weiße Schrift vor dem bunten Hintergrund der Fachwerkbauten nicht wirklich gut zu lesen ist und man deshalb zweimal hinschauen muss. Aber nun denn… wegen der Gestalterkunst der Allgäuer Webdesigner kommt man wahrscheinlich genauso wenig in den Luftkurort wie wegen der Grammatik, da beides nicht in nennenswertem Umfang vorhanden zu sein scheint. Dann schon eher wegen den legendären Leberkäs-Weck, die es dort in einer bekannten Bäckerei gibt. Mit Röstzwiebel. Wegen denen reisen die Leute von ganz weit her an. Sehr weit. Also so richtig weit weit. Woher ich das weiß? Weil mir das ein Fanboy dieser Leberkäs-Weck erzählt hat, der das große Glück hat, nicht erst von ganz weit weg anreisen zu müssen, sondern direkt vor Ort im schönen Wangen und wahrscheinlich in zu Fuß erreichbarer Nachbarschaft zu besagter Bäckerei zu wohnen. Er hatte ein Tränchen im Augenwinkel, als er von der Bäckerei und den Leberkäs-Weck erzählte – und er ist nicht verwandt oder verschwägert mit den Inhabern dieser Bäckerei. Ich habe extra nachgefragt. Es war also keine Vetternwirtschaft, sondern pure Liebe.

Wobei… Wangen im Allgäu und Liebe… das ist ein heikles Thema. Ich will jetzt nicht näher ins Detail gehen, aber man hat dort die Grenzen schon sehr anders gesetzt, als ich es von hier kenne (und auch gut finde). Wenn es um Mütter, Töchter und Kühe geht, sind meine Assoziationen eben andere, aber nun denn… jeder wie er möchte und mit etwas Glück kommt man ja an einen gnädigen Richter. Vielleicht war der Leberkäs-Fan aber auch eine besonders extreme Ausprägung des Wangeners – sein Kumpel zeigte schon eher Interessen im klassischen Sinn und rückte der Begleitung immer mehr auf die Pelle und zwar so, dass es sogar bei Gedränge offensichtlich gewesen wäre, dass das kein Versehen und den Menschenmassen geschuldet ist – zumal keine Menschenmassen und kein Gedränge da waren. Er kam so nah, dass es bei manchen schon sehr lange verheirateten Paaren als Sex durchgegangen wäre. Wir standen allerdings auch relativ nah an einem Grillstand und vielleicht kam aufgrund des Geruchs von Rindswürsten sein Blut in Wallung. Wenn man die Obsession der Wangener für Fleckvieh kennt, wäre das durchaus eine Erklärung.

Mal sehen… vielleicht treffe ich die zwei nächstes Jahr wieder beim Heidelberger Herbst. Falls ja, habe ich einen Super-Tipp für sie! Ich habe was entdeckt – so eine Art Tinder, speziell für ihre Interessen. Ist das nicht großartig?

(Nicht) Alles Käse

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Es sollte eine App geben, mit der man Lebensmittel blockieren kann. Von der Einkaufsliste wäre ein Anfang, noch besser wäre, wenn die App Stromstöße direkt in den Hippothalamus jagt, sobald man auch nur daran denkt, sich auf dieses Lebensmittel einzulassen. Aktuelles Beispiel camembertartiger Käse, dessen Konsistenz fragwürdig, der Geschmack eine Zumutung ist (Ich nennen den Namen nicht, sonst kriege ich bestimmt Ärger.). Für mich, andere mögen den Geschmack nach eingeschlafenen Füßen von vor Wochen verstorbenen Menschen mögen, meins ist es nicht. Trotzdem landet dieser Käse auf ominöse Weise immer wieder in meinem Kühlschrank und da ich die einzige Person bin, die hier einkauft, muss auch ich es sein, der diesen Käse immer wieder und wieder anschleppt. Wahrscheinlich sehe ich die Holzschachtel im Kühlregal, mein Gehirn aktiviert einen ansonsten weitestgehend brachliegenden Teil und plötzlich ist da Aufruhr wie beim Beachvolleyball-Finale der Doppel-D-Damen, die Gehirnzellen sind völlig neben sich und wissen nicht, was los ist und aus „Bäh, bloß nicht nehmen!“ wird ein „Hey, sieht gut aus, brauche ich!“ (Also quasi wie Doppel-D-Geschädigten (ich sage nur: Handgelenkbruch und Sehnenscheidenentzündung) beim Beachvolleyball-Finale) und hastenichtgesehen landet der Käse aus der Hölle zuerst im Einkaufswagen, dann auf dem Warenband und schließlich bei mir im Kühlschrank. Und weil ich es ja nicht wahrhaben möchte, dass mein Körper eine Granate, aber mein Geist schwach ist, probiere ich das Zeug jedesmal aufs neue, um ein ums andere Mal festzustellen: es gibt keinen Gott und wenn doch macht er sich nichts aus Käse, sonst würde er sowas nicht zulassen. Oder er ist ein total fieser Gott und will uns nur ärgern – den Verdacht hege ich ohnehin des öfteren. Oder es ist ein Gott mit einem erbärmlichen Geschmack (in dem Zuge fallen mir Leggins und diese neue Mode der „Ach, Badelatschen sind total hipp, das trage ich jetzt zu meinem totalen nicen Kleid“ ein… schlechter Geschmack wäre Gott also durchaus zuzutrauen (kollektives Durchatmen der Ed Hardy-Fraktion)). So oder so: das Zeug schmeckt nicht. Ich habs mal mit einer dicken Schicht Erdbeermarmelade drüber versucht: keine Chance. Der penetrante Geschmack nach vergorener Milch (was ja bei Käse durchaus sinnvoll wäre) einer vergorenen Kuh aus Folge 7, Staffel 8 von The Walking Dead Cow ist weiterhin mehr als präsent.

Was es also braucht ist technische Hilfe. Scheiß auf Elektro Roller, Mikrochirurgie und selbstfahrende Autos. Wirklich wichtig ist eine App, die einen davor bewahrt, diesen Käse zu kaufen. Wie genau das passiert ist mir egal. Ein heulender Signalton, wenn er im Wagen landet, Impulse im Gehirn, die einen davor bewahren, überhaupt in die Nähe des Regals zu gelangen, wo dieser Käse liegt, ein Alarm auf dem Monitor an der Kasse, der sofort einen Sicherheitsdienst benachrichtigt um mich als Käufer vom Kauf abzuhalten. Die Wissenschaft ist hier aufgerufen und ich sehe schon das eifrige Winken eines Nobelpreises für die- oder denjenige(n), die/der eine Lösung für dieses Problem findet. Plus eine Päckchen Scheibletten von mir. Da will ich mal nicht geizig sein.

Vorgekochte Linsen

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Heute hat die Dummheit final Einzug gehalten und zwar in Form von Linsen. Ich habe wirklich und ernsthaft vorgekochte Linsen gekauft. Im Beutel. Für 1,79 Euro.

Mal ehrlich: was kann man beim Linsenkochen falsch machen? Ok, zu lang oder zu kurz, aber wir reden hier nicht von Sekundenbruchteilen, in denen sie vom einen in den anderen Zustand switchen. Und selbst wenn man versehentlich eine Spur drüber war… dann gibts eben Eintopf anstatt Salat. Meine Güte, beides lecker und das Kind meckert so oder so.
Ich kann auch gar nicht sagen, was mich bewogen hat, diese vorgekochten Linsen zu kaufen. Es war ein spontaner Reflex, der Beutel ist chic gestaltet und Reis kaufe ich manchmal auch in der Variante (Mal ehrlich: was kann man beim Reiskochen falsch machen?). Klar, man soll nicht hungrig einkaufen, aber ich war nicht hungrig. Ich hatte auch keinen unbändigen Jieper auf Linsen und überhaupt ist eigentlich gar kein Linsenwetter. Es ist zu warm für Eintopf und an für Linsensalat ist noch nicht Sommer genug. Mein Verdacht ist ja: unterschwellige Werbung. Dass man mir diese Lust auf Linsen irgendwie irgendwo untergeschoben hat. Vielleicht hat der Azubi von Linsenplatz.de bei der Radiowerbung was falsch gemacht und nun sehen lauter Kurzsichtige weiterhin schlecht, aber haben Blähungen von zu viel Linsen. Das mit den Blähungen ist bei mir im üblichen Rahmen, daran lag es also wohl nicht, aber trotzdem bin ich nun im Besitz vorgekochter Hülsenfrüchte, was meinem Ego nicht gut tut, denn Hülsenfrüchte selber kochen kann ich durchaus und das in einer mehr als akzeptablen Qualität. Da braucht es keinen Beutel für die Mikrowelle.

Immerhin ist die Zutatenliste ok: Linsen, Wasser, Salz. Da kommt den E-Nummern-Fanatikern das kalte Grausen und manch einer wird die ganze Nacht durchheulen, nachdem er das gelesen hat. Einzig die unnütze Beutelverpackung wird ihm Freude bereiten, bzw. – wenn er Glück hat – seiner umweltverachtenden Freundin (und wie man weiß, sind die Chancen, dass E-Nummern-Fanatiker und umweltverachtende Personen in einer freundschaftlichen, wenn nicht sogar amorösen Beziehung zueinander stehen statistisch gesehen relativ hoch), deren Blut diesbezüglich in Wallung gerät, was Momente der Glückseligkeit für die Beiden, aber eben auch eine unnütze Beutelverpackung für den Rest der Menschheit zur Folge hätte.

Einkaufen ist echt gefährlich. Vorgekochte Linsen und das nur, weil ich auf eine schöne Verpackung reingefallen bin. Aber okay, hätte schlimmer kommen können. Gibt ja noch anderes, was anfangs schön verpackt ist und ruckzuck ist man verheiratet. Und ähnlich wie bei Linsen sieht das hinterher auch nicht alles aus, wie auf der tollen Beutelverpackung. Da hat man dann den Salat. Oder Eintopf.

Ob Mantacore frisch geschoren war ist nicht bekannt

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Heute fühle ich mich ein bisschen wie Siegfried und Roy. Nicht, dass ich mitten auf dem Ozean an Bord eines Kreuzfahrtschiff zufällig eine Wildkatze dabei gehabt, die Liebe meines Lebens in Form eines schwulen Zauberers gefunden und mit ihm und der Wildkatze eine Show entwickelt hätte (ob die Wildkatze überhaupt viel mitentwickelt hätte ist ohnehin fraglich, aber sie wäre Teil der Show geworden), nach Las Vegas gegangen und dort weitere Wildkatzen (aber sehr viel blassere, sehr sehr viel blassere. Eigentlich sogar schon fast komplett weiße) gezüchtet und ein eigenes Theater in einem Kasino nebst dazugehöriger Mega-Show gehabt hätte. Naja, wenn man es genau nimmt, weiß ich gar nicht so genau, wie sich Siegfried und Roy fühlen und die meisten Zeit bin ich auch nicht unglücklich, dass mir ihr Gefühlsleben so gänzlich unbekannt ist, aber so ein bisschen war ich heute wie sie, denn genau wie Siegfried und Roy musste ich ein wildes Tier bändigen: die große Katze hatte einen Tierarzttermin.

Der Termin war nötig, weil die große Katze sehr viel Fell, aber extrem wenig Lust auf Bürsten hat. Das ist eine sehr schlechte Konstellation, zumal wenn es eine Katze ist, die nach Lust und Laune nach draußen kann und von diesem Privileg auch ausgiebig Gebrauch macht. Somit verheddern sich ab und an kleine (und auch größere) Ästchen in der Katze bzw. deren Fell, die feinen Härchen legen sich um das Fremdobjekt, wickeln sich darum und binden es für immer und ewig an sich. Tatsächlich wird das im Lauf der Zeit wie Filz – es sei denn, man entfernt die Äste und sonstige Verhedderungen im Fell mittels einer Bürste, eines Kamms oder einfach irgendwie. Die große Katze versucht das mit der Zunge und teilweise klappt das auch erstaunlich gut… nur eben nicht immer. Aber für den Rest ist ja der Typ zuständig, bei dem sie wohnt: ich. Nur lässt sie mich nicht. Bzw. nicht immer und vor allem nicht überall. Rund um den Kopf, den Hals die Ohren und oberer Bauchansatz ist okay. Der Rest aber sowas von Tabu. Komme ich der verbotenen Zone zu nahe, wird aus dem Miau ruckzuck ein Metoo, das Tier springt empört auf und haut ab. Und so ergibt sich im Laufe der Zeit eine Katze mit durchaus ansehnlichem Fell im vorderen Bereich und einem einzigen großen Dreadlock-Fellknoten-Filzplatten-Areal im hinteren Bereich. Theoretisch könnte man sie nun packen, festhalten und fixieren und dann diese Knubbel mit einer Schere wegschneiden. Theoretisch. Praktisch ist es gar nicht so einfach, wenn nicht gar unmöglich eine 8-Kilo-Katze festzuhalten. Das ist wie Bullenreiten, nur dass der Bulle sehr spitze Zähne und wirklich scharfe Krallen hat. Also keine Chance und deshalb musste die große Katze heute zum Tierarzt, wo das Ganze unter Narkose vonstatten ging. Nicht wirklich schön, aber musste sein. Nun hat sie einen wuscheligen Kopf, danach ein fellloses, aber bunt-geschecktes Mittelstück, gefolgt von einem buschigen Schwanz. Und schlechte Laune, aber das legt sich sicher wieder. Zum Glück wirkt die Narkose noch ein bisschen; ansonsten hätte sie mich wahrscheinlich schon angefallen… womit wir wieder bei Siegfried und Roy wären. Da gab es ja mal einen Zwischenfall. Ich weiß nicht, ob der Tiger damals auch frisch geschoren war, aber es wäre eine mögliche Erklärung. Tja, hinterher ist man immer schlauer, aber ich lerne ja aus Fehlern (manchmal auch, wenn andere sie machen): ich denke, ich schlafe heute bei geschlossener Schlafzimmertür. Zur Sicherheit.

Kleiner Profi-Tipp zum Schluss: wenn Sie eine Katze zwecks Scheren zum Tierarzt bringen, lassen sie das mit den Sprüchen bezüglich Kosenamen für eine Katze (fängt mit M an) und dem Rasieren. Das scheint nicht gut anzukommen. Entweder ist das Personal prüde oder es gibt noch mehr Witzgiganten in der Gegend und Sie sind nicht die/der erste, die/der diesen Spruch bringt. Ging zumindest mir so. Auch die Frage nach Beispielen für mögliche Muster wird eher missbilligend zur Kenntnis genommen und der Einwurf, dass man sich das ja schließlich die nächsten Wochen tagtäglich ansehen müsse – es sei ja nicht wie in einer langen Ehe, wo das nur zu Ostern und Weihnachten zu begutachten wäre und dann auch nur ohne Licht , man sähe es fortan schließlich ständig – macht es nicht wirklich besser.

PS: kennt jemand einen guten Tierarzt? Bräuchte einen anderen… Aus Gründen.

Nächstes Wochenende wird gerubbelt

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Supermärkte. Wenn man an einem Samstag Nachmittag gute Laune hat, aber der Meinung ist, dass sich das unbedingt ändern sollte, geht da hin. Schon beim Betreten wird man von den Rentnerhorden kritisch beäugt. Das sind die Rentner, bzw. hauptsächlich Rentnerinnen, die es unter der Woche nicht geschafft haben, zur Feierabendzeit der arbeitenden Bevölkerung im Laden zu stehen und die Kassen zu blockieren. Vielleicht ist es auch die Profi-Liga der Einkaufsrentnerinnen, die nicht nur unter der Woche, sondern auch am Samstag ihrer sich selbstauferlegten Pflicht nachgehen. Im Laden kann man ja noch einigermaßen um sie herum manövrieren, denn sonderlich schnell sind sie ja nicht… sollte man meinen. Was sie drauf haben, zeigen sie aber an der Kasse. Wenn sich anbahnt, dass eine neue Kasse eröffnet wird, könnte man das medizinische Wunder erleben, wie Usain Bolt im Bruchteil einer Sekunde blass wird wie eine mit Kernseife sieben Tage eingeweichte und dann stundenlang ausgewaschene Gardine, wenn so eine Oma ihren mit ca. 150 kg an Waren befüllten Wagen in eben jenem Bruchteil einer Sekunde an die andere Kasse zu wuchtet.
Aber nicht nur die kassenbremsenden Renterinnen nerven. Meistens sind auch die Dinge, die man möchte nicht da. Heute war das zB. grüne Currypaste. Es gibt wirklich alles und an besagtem Regal war auch rund um die Currypasten alles vorhanden. Soja- und Fischsaucen, Gewürze dies, Gewürze das, Glasnudeln, Dinge mit unaussprechlichem Namen… aber keine Currypasten. Wird also dieses Wochenende nichts mit einer Spontankarriere als Asia-Jamie-Oliver. Schade. Muss ich dem Kamerateam wohl absagen, dass ich schon mal im Voraus gebucht hatte und auch die Sendezeit auf RNF plus kann ich wieder freigeben. Sorry für alle, die sich das nun umsonst in den Videorekorder einprogrammiert haben. Die Autogrammstunde am Montagmittag im Kaufhof ist aber trotzdem. Ich signiere Din A4-Ausdrucke meiner besten Asia-Rezepte – im Tausch gegen grüne Currypaste.
Nachdem man sich also durch im Weg stehende Rentnerinnen und fehlende Currypasten gequält hat, wartet als nächstes die Kasse. Während ich mir das Schienbein massiere (eine Oma hat mich in voller Fahrt touchiert als sie an die neu eröffnete Kasse gebrettert und vor mir eingebogen ist) sehe ich schon das Schild: Rubellose! Total toll, total super! Ein Los je zehn Euro Einkauf! Kaufen Sie, rubbeln Sie! Glauben die echt, dass die Leute so blöd sind, dass sie wegen sowas dämlichen wie Rubellosen in eben jenem Laden einkaufen? So ein Quatsch. Wieso sollte ich wegen Rubellosen immer wieder in dieses Geschäft? Die Rentnerinnen in dem anderen Supermarkt sind viel hübscher und außerdem nicht ganz so schnell: da hat man zumindest eine halbwegs reele Chance vorher an der Kasse zu sein. Und überhaupt war ich heute auch nur in dem Laden, um endlich die Gutscheinhefte mit den Klebemarken einzulösen. Das geht nämlich nur noch bis zum 17.2. und alle fünf auf einmal einlösen ist mir peinlich. Deshalb habe ich heute eine Steakpfanne und ein Salatbesteck (Was ich da gespart habe! Der Hammer!) gekauft, nächste Woche hole ich dann noch das Fondue, den Schmortopf und das 2er Set Schüsselchen. Und weil die Sachen trotz der Mega-Ersparnis dank Klebemarkenheftchen noch ziemlich teuer sind, werde ich mir für das nächste Wochenende nichts vornehmen: da steht Rubbeln auf dem Programm. Aber dann werde ich nicht mehr in diesen Laden gehen. Würde auch keinen Sinn machen, weil ich dank der durchs Extrem-Rubbeln erworbenen Sehnenscheidenentzündung in den Wochen danach eh nicht selbstständig einkaufen kann und ich werde niemanden zwingen, sich mit diesen Rentnerinnen anzulegen. Oder zum Rubbeln verführen. Könnte ich mir nie verzeihen, wenn jemand wegen mir zum Rubbeljunkie würde. Reicht ja, dass ich einige kenne, die an Klebemarkenheften kleben blieben… das lag dann aber am eher am fehlenden Intellekt.

Lauch ist auch nichts anderes als eine Frühlingszwiebel, die sich Steroide einwirft und ständig in Muckibuden abhängt

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Ich stehe in der Küche und überlege, ob ich jemals einen Hamster hatte. Hatte ich meines Wissens nach nicht. Überlege, ob der Junior jemals einen Hamster hatte. Auch da: Fehlanzeige. Wir sind ein hamsterloser Haushalt. Das ist tragisch, vor allem aus Sicht hamsteraffiner Menschen. Mir persönlich ist das weitestgehend egal, da ich Hamster schon immer als die versnobte, pelztragende Variante einer Ratte sah und ich die noch weniger mag. Die Reihenfolge beim Zusammentreffen mit einer Ratte wäre also nicht ein „Zieh Dir gefälligst was an, Ratte!“, sie zieht sich ihren versnobten Pelzmantel an und schwupp kommt mein Hieb mit der Schaufel, sondern direkt die Schaufel noch vor dem Griff nach dem Pelzmantel. Sensible Menschen lesen hier zwischen den Zeilen heraus, dass mein Verhältnis zu Hamstern nicht von Zuneigung, Harmonie und Sympathie geprägt ist und sie liegen damit nicht komplett falsch. Ähnlich, wenn nicht genau gleich verhält es sich mit Lauch…

Ich bin kein Freund von Suppen. Nicht, dass ich Suppen total verachte, aber muss nicht sein. Wenn ich die Auswahl zwischen einer Hühnerbrühe und der festen Version, also einem Hähnchenbrustfilet habe, nehme ich letzteres. Gleiches gilt für Rinderbouillon versus Steak. Warum sollte man etwas Leckeres verwässern?
Lauch mag ich auch nicht unbedingt. Ein seltsames Gemüse. Lauch sieht aus wie eine Frühlingszwiebel, die sich Steroide einwirft und ständig in Muckibuden abhängt. Nicht umsonst gilt „Du Lauch“ mittlerweile als Schimpfwort. Trotzdem gibt es immer noch Leute, die Lauch (als Gemüse) gut finden und einige kippen es sogar noch in die Suppe. Furchtbar. Man schwärmte mir mal von einer Lauch-Käse-Suppe vor und mir wurde schon vom Zuhören schlecht. Suppe… und dann auch noch Lauch da drin. Mir tat der Käse sowas von leid. Das hat kein Käse verdient, dass er sich mit sowas abgeben muss… dieser musste es aber wohl. Ich weiß nicht, ob ich Gast auf einer Party sein möchte, bei der man den Gästen Lauch-Käse-Suppe vorsetzt. Was kommt danach? Mettigel aus Tofu? Rohe Karotten und ein Päckchen Palmin als Dip? Zum Glück kenne ich solche Leute nicht – die Versorgung war bisher immer wunderbar und gab keinen Anlass zur Rebellion. Gemüse gab es schon ab und an, aber die Leute haben alle Geschmack und somit keinen Lauch und am Nähesten an Suppe war Gulasch (bis auf die Pilzsuppe letztens und die war der Hammer). Also alles richtig gemacht.

Worst Case Szenario wäre dann wohl eine Lauch-Hamster-Ratten-Suppe. Geschmacklich extrem widerlich und ständig das Fell vom Hamster zwischen den Zähnen. Zum Glück gibt es das nicht, bzw. wurde noch nicht aus dem asiatischen Raum zu uns herangetragen. Oder die Asia-Imbisse sind so clever und rasieren die Hamster vor der Zubereitung… dann merkt man es nicht gleich. Tatsächlich kam mir die Nummer 67 beim letzten Mal etwas seltsam vor. Hm. Lamstel-Latte-Lauch ist auch ein seltsamer Name für eine Suppe, wenn man so drüber nachdenkt…

Katzen, Frauen, Logik und Kraulen in der Nacht (sie liegt oben)

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Katzen… wunderschöne Wesen, aber mit teilweise völlig unerklärlichem, total unlogischem Verhalten. Wie bei Frauen. Mich trifft es doppelt hart, denn die beiden Katzen hier im Haus sind Damen. Es ist aber leider nicht so, dass fehlende Logik (Katze) und fehlende Logik (Frau) sich gegenseitig aufheben; eher im Gegenteil… es wird alles noch absurder. Die kleine Katze steht zum Beispiel neben einem und meckert ausgiebig. Oha, da möchte jemand gestreichelt werden, denkt man(n) und bückt sich, um die Katze hochzunehmen, damit das große Kraulen beginnen kann. Die kleine Katze haut aber ab, flüchtet sogar, wenn man ihr nachläuft. Nach zwei Minuten steht sie aber wieder da und meckert. Hat man sie dann doch mal erwischt, ist alles gut: trautes Kraulen und wohliges Schnurren (also die Katze, ich versuche nach der Jagd wieder zu Atem zu kommen). Ich habe bisher noch nicht herausgefunden, was das soll, aber es muss wohl so sein. Vielleicht ist es ein perfides Spiel, von dem ich keine Ahnung habe… ich weiß es nicht. Die Situation sieht aber völlig anders aus, wenn ihr in der Nacht einfällt, dass es mal wieder Zeit für Kuscheln wäre… da springt das vorher ach-so-ängstliche Kätzchen auf den großen schlafenden Mann, haut ihm mit der Tatze auf den Kopf und jammert laut und herzerweichend direkt in sein Ohr. Funktioniert nicht immer, aber manchmal eben doch. Dann muss ich mich auf den Rücken drehen, die kleine Katze legt sich Gesicht zu mir auf meinen Bauch, Decke drüber und dann ausgiebiges Wangen- und Halskraulen. Also ich bei der Katze. Umgekehrt gibt es höchstens eins auf die Nase, wenn ich versehentlich (oder wegen Müdigkeit) aufhöre zu kraulen.

Hm, da steckt vielleicht doch eine Logik dahinter und zwar eine ganz perfide! Wenn man es sich genau anschaut, erreichen die Katzen trotz oder vielleicht auch wegen ihrer unlogischen Handlungen am Ende genau das, was sie wollen. Nehmen wir die kleine Katze: sie will, dass ich sie streichle, also stellt sie sich neben mich und miaut nach Aufmerksamkeit. Eigentlich könnte sie die sofort haben, aber stattdessen haut sie ab und ich verfolge sie. Mein Ziel ist es, der Katze die Streicheleinheiten zu geben, die sie braucht, aber anscheinend (so redet mir die Katze durch ihre Flucht ein) war ich zu ungeschickt, die kleine Katze hat sich erschrocken und ist vor mir abgehauen. Oje, die arme Katze. Irgendwann erwische ich sie, streichle wie verrückt und kraule noch mehr, aber tief in mir hat sich festgesetzt, dass ich das arme Ding ja so arg gestresst habe mit meinem ungeschickten Handeln… die Katze ist bestimmt total verwirrt. Das macht sie sich dann in der Nacht zunutze, klettert auf mich und miaut mir ein „Ich werde versuchen, zu vergessen was war… Ich vertraue Dir sogar so sehr, dass ich unter die Decke komme! Also los, dreh Dich um!“ ins Ohr – und das funktioniert auch noch. Nicht immer, aber oft.
So gesehen macht es die große Katze nicht anders. Sie hüpft immer auf meinen Schoß. Beim Streicheln entdecke ich Knoten in ihrem Fell, die ich entfernen möchte. Sie lässt das kurz zu, ist dann tierisch empört, schnappt nach mir und zieht von dannen …um dann zwei Minuten später wieder auf den Schoß zu springen und Kraulen einzufordern. Natürlich habe ich dann ein schlechtes Gewissen, kraule wie ein Weltmeister und lasse die Knubbel im Fell Knubbel sein. Die vermeintliche Unlogik, dass sie trotzdem wieder kommt beruht also wahrscheinlich nur auf der Tatsache, dass sie weiß, dass danach Ruhe ist und außer Kraulen kein nerviges Fellgeziepe auf dem Programm steht.

So ist das also… die Katzen durchschaue ich so langsam. Wenn mir das jetzt noch bei Frauen gelingt ist alles gut, aber ich befürchte, das wird nicht so einfach. Da ist es mit simplen Gekraule und Finger weg vom Fell nicht unbedingt getan…