Manchmal steigen Schuhe im Preis und 2015 hatte ich da echt Glück…

Heute das Wetter ausgenutzt und in die Stadt zum Shoppen gefahren. Es regnete in Strömen – da sollte man doch meinen, dass zumindest ein großer Teil der Shoppingwütigen zuhause bleibt. Wahrscheinlich war dem auch so und stattdessen war die Stadt bevölkert, von Leuten, die shoppen hassen, sich aber dachten, dass bei dem Mistwetter weniger los ist. Es gibt sehr viele Menschen, die nicht gerne shoppen: die Stadt war voll.

Zuerst wollte ich mit der S-Bahn fahren, aber 7,20 Euro einfach??? Die sind doch nicht ganz dicht. Dafür parke ich bis Dienstag Mittag direkt am Bahnhof. Nicht, dass ich so lange dort parken wollte, aber so ein Erlebnis ist S-Bahnfahren in unseren Gefilden nun auch nicht, als dass es mir 14,40 Euro wert gewesen wäre. In New York erlebt man auf so einer Fahrt wenigstens ab und an was und dort ist es auch noch wesentlich günstiger. Letzteres liegt aber wohl eher daran, dass die Amis mit den deutschen „Wabensystemen“ heillos überfordert wären. Da würden die Zugführer ja reihenweise von frustrierten, aber nach „Amendement 2“ bewaffneten und sich des Wabensystem erwehrenden weißen Vollblutamerikanern erschossen – wenn es farbige Zugführer sind sogar noch bevor man einen Blick auf den Ticketautomaten geworfen hat („Hey, das war Selbstverteidigung! Jeder der siebzehn Schüsse. Oh, übrigens… ich brauche ein Ticket nach Uptown… können sie mir da helfen?“). Weil man also die Zugführer schützen möchte, zahlt man in New York nur einmal: man steigt ein und irgendwann aus, fertig. Wenn man nur eine Station fährt: doof. Wenn man bis Coney Island raus möchte, ist es dafür sehr günstig. Man zahlt weniger als von mir aus nach Mannheim. Und hat weniger Unterhaltung: bei uns sind nicht allzuviele Freaks in der S-Bahn unterwegs… die trifft man dann alle in Mannheim.
Ich bin also nicht S-Bahn, sondern mit dem Auto gefahren – im Schlepptau den ewigen Quell der Freude, das Lachen des Morgens, des Mittags und des Abends, der wahrgewordene Wikipedia-Eintrag von „Frohgemut“: den Junior, der Einkaufen sogar noch mehr hasst als ich, aber neue Schuhe und etwas Oberbekleidung braucht. Was kann einen regnerischen Tag in einer völlig von mies gelaunten Anti-Shoppern bevölkerten Stadt noch schöner machen, als ein mies-gelaunter shopping-hassender Sohn? Ich weiß es nicht, aber ich bin mir auch nicht sicher, ob es noch steigerungsfähig gewesen wäre…

Der Junior braucht Schuhe. Zu meiner Zeit hieß das: ab zum Regal mit den Salamder-Schuhe, links dran vorbei zu den Billig-Schuhen, die noch feucht waren von der Gerbsäure. Bezüglich Farbe war ich relativ frei, solange es eher dunkel und somit weniger schmutzanfällig war. Schuhe anprobiert, obligatorischen Daumen an Zehen drücken zwecks Größencheck, passt, fertig. Kasse, Lurchi-Heft mit in die Tüte, Abgang.

Ich weiß nicht, was in der Zwischenzeit passiert ist… oder wem man die Schuld geben kann… den Ballerspielen eher nicht, aber das Fernsehen habe ich schwer im Verdacht… jedenfalls hat man heutzutage mit einem 15-jährigen Balg eine Diva an der Backe, gegen die Joan Collins oder Mariah Carey wie Mutter Theresa wirkten. Selbst Schuhe kaufen dürfte mit den beiden einfacher gewesen sein. Aber immerhin hatten diese Diven Geld, also war es egal, was die Schuhe kosteten. Mir ist das nicht egal und ich sehe es auch nicht ein, einem Heranwachsenden Designertreter um die Füße legen zu lassen, die nach einem halben Jahr eh wieder zu klein sind. Also gab es diesbezüglich schon im Vorfeld eine Ansprache meinerseits, was die Lage mit der Aussicht auf Regen und Shopping nicht unbedingt positiv beeinflusste. Doppelt dumm nur, wenn man nach einer Stunde zähem Kampf endlich zwei Paar Schuhe (ein Paar für die Halle, ein Paar für den täglichen Gang zur Schule und zurück ins Ghetto und Sonstiges) für das Heimkind in Spe hat, aber plötzlich Schuhe für sich selbst entdeckt, für die man die nächsten zwei Weihnachtsfeste plus Ostern saussen lassen würde – was auch preislich in etwa in die Richtung tendiert.

Zum Glück möchte der Junior ungern mit mir zusammen gesehen werden – auch nicht an der Kasse – weshalb ich der Dame an eben jener unauffällig einen Zehner zustecken und sie somit überreden konnte, das Preisschild auf dem Karton mit einem sehr viel, sehr sehr sehr viel günstigeren Preisschild zu überkleben. Jetzt muss ich nur noch den Router so einstellen, dass man nach diesen Schuhen nicht googeln kann – oder man dabei auf irgendwelchen chinesischen Zalando-Seiten landet… jedenfalls darf der wahre Preis nie bekannt werden, sonst habe ich beim nächsten Mal ein ernsthaftes Argumentationsproblem. Die Nummer mit „Echt? Die sind so im Preis gestiegen? Juhuuu, ich bin reich!“-Nummer klappt nach 2015 sicher nicht ein zweites Mal.

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