Beim Frisör

Um kurz nach Sechs durch strömenden Regen und am Limit des noch Erlaubten zum Einkaufsparadies zu rauschen, in der Hoffnung, dass man doch noch kurz vor halb Sieben dort ankommt und eventuell eine Frisöserin zu erwischen, die einen von der lästigen Matte befreit, um dann festzustellen, dass sie dort neue Öffnungszeiten, bis 20 Uhr nämlich, haben, ist toll. Wenn dann nur ein Knirps von geschätzten zehn Jahren vor einem ist…noch besser. Dann gehts schnell. Sollte man meinen. Die Jugend von heute ist aber verwöhnt und lässt sich nicht mit einem schnellen Schnipp-Schnapp hier und da und fertig abspeisen. Nein, der kleine Gigolo stellte Ansprüche an die Länge vorne, den Schneidewinkel an den Seiten und wehe eine Strähne saß nicht so, wie der kleine Rotzer es wollte… das sind die Folgen von Tokyo Hotel und unsereins muss nun darunter leiden!

Der Vater des Möchtegern-Kaulitz hat es übrigens schlau gemacht: stand rauchend vor der Tür, linste gelegentlich mal durchs Fenster, was die Brut so macht und kam erst, als sich eine Ende der Prozedur so langsam erahnen ließ.

Dafür gehts bei mir schnell, dachte ich, aber der Frisöserin war langweilig, weil um diese Uhrzeit dann anscheinend doch nicht soviel los ist. Also ließ sie sich Zeit. Es erinnerte an das Mähen eines Rasens mit einer Nagelschere. Halm für Halm, bzw. Haar für Haar wurde sachte durchtrennt und langsam zu Boden getragen. Kam mir zumindest so vor. Nun denn, kein Problem. Ich hatte nichts vor, die Frisöserin war eine von der ruhigen Sorte und laberte mir kein Ohr ab (im Gegensatz zu der Kollegin im Laden, aber die palaverte jemand anderen ins Grab, also war es mir egal), also alles im grünen Bereich …bis der nächste Vater mit seiner Brut kam. Warum der die ganze Zeit auf mich einredete weiß ich nicht, aber er tat es. Suchte wohl einen Verbündeten für seinen Klagegesang gegen die Frauen dieser Welt und tatsächlich wäre er in manch anderer Situation damit bei mir an der durchaus richtigen Stelle, aber doch nicht abends um kurz vor Sieben, beim Frisör, mit zwei Frisösenrinnen, die scharfe Scheren in der Hand haben und gefrustet sind, weil sie Spätschicht haben?

Naja, habs ja überlebt und es sind wieder neun Millimeter untenrum (und damit meine ich die Haare! Auf dem Kopf!), oben mit der Schere, Koteletten gekürzt und Finger weg von den Augenbrauen. 13,80 – 15, stimmt so. Danke.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.