Helene Fischer-CDs ohne CD

Bald steht Weihnachten vor der Tür – das Fest der Liebe, der gepimpten Nadelbäume und der Geschenke. Letzteres gab es letztes Jahr auch für Freunde und zwar – damit man auch gleich sieht, dass es von Herzen und aus schwieligen Händen kommt – was Selbstgemachtes. Ich bin eine Niete, wenn es um Handwerkliches geht, also fielen Vogelhäuschen oder Schlüsselbretter schon mal weg. Ich hätte ein Lied komponieren und aufnehmen können, aber wer mich schon mal singen hörte weiß: das ist nichts Gutes und auf gar keinen Fall als Geschenk für Menschen geeignet, die man eigentlich mag. Wer mag schon eine Kakophonie wildgewordener Klänge hören, untermalt von einer Stimme, die wie eine Mischung aus Rammstein und den Schlümpfen klingt? Ok, ist immer noch besser als Helene Fischer, aber trotzdem nicht schön.

Letztlich gab es im letzten Jahr dann kulinarische Kleinigkeiten, nämlich selbstgebrannte Mandeln. Das klingt im ersten Moment einfach, aber tatsächlich gingen dafür zwei Sonntag-Vormittage drauf. Und ein Kochlöffel (Zucker ist mächtig!). Es gab sie in Variationen, zum Beispiel mit einer Kakao- oder leichten Chili-Note. Eingepackt in kleine Tütchen war das eine schöne Sache und geschmeckt hat es anscheinend auch. Es kamen zumindest keine Beschwerden.
Nun könnte ich das gleiche dieses Jahr wieder machen, aber das wäre ja langweilig. Außerdem gibt es ein logistisches Problem: die HNO-Abteilung des städtischen Klinikums lagert die OP-Abfälle mittlerweile in einem gesicherten Bereich. Somit komme ich also nicht mehr so einfach an das Rohmaterial für die gebrannten Mandeln. Weiß gar nicht, wie die das auf den Weihnachtsmärkten machen. Die brauchen ja noch viel mehr als ich für meine paar Tütchen (der Vorteil, wenn man wenig Freunde hat). Wo kriegen die das alles her?

So oder so wird es dieses Jahr also etwas anderes geben – nur was? Es muss einigermaßen haltbar sein, sollte schmackhaft und vielleicht auch ein bisschen ausgefallen sein. Ich dachte an Soleeier; das wäre doch witzig und außergewöhnlich, aber die Urologie des Klinikums handhabt das mit ihren OP-Abfällen leider ähnlich wie die HNOler. Da ist nichts zu holen. Also keine Eier in Salzlake (ein bisschen Chili wäre noch reingekommen und – so der Plan – ein Hauch Honig). Wenn mir nicht bald etwas Passendes einfällt, muss ich doch noch komponieren und singen und aufnehmen. Oder ich verschenke Helene Fischer-CDs, nehme aber die CD vorher raus. Diese erschrockenen Blicke, wenn sie das Geschenkpapier auspacken und die CD sehen und dann das freudige Lächeln – eventuell sogar Tränen – der Erleichterung, wenn sie feststellen, dass die CD gar nicht in der Hülle steckt. Gibt es einen größeren Freundschaftsbeweis als eine Helene Fischer-CD ohne CD? Ich glaube nicht.

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