Man ist nicht unbedingt auf Hawaii, nur weil es kein Bier gibt

Seit geschätzten vier Jahren ist Bart beim Mann ja wieder in. Insofern kann man es nicht wirklich als „auf den fahrenden Zug aufspringen“ bezeichnen, wenn ich da jetzt auch mitmische. Tatsächlich ist „mitmischen“ auch heftig übertrieben. Es wuchert halt so vor sich hin und wird nicht jeden zweiten oder dritten Tag geschoren, aber Bart kann man das eigentlich nicht nennen – aber in Anbetracht der Tatsache, dass man das Wort „Gesichtswucherung“ im Duden nicht findet (bzw. schon, aber die meinen etwas medizinisches und das ist mein „Bart“ nun wirklich nicht), nenne ich ihn eben trotzdem so. Also habe ich jetzt Gesichtswucherung Bart.

Es ist nicht schön, wenn man älter wird. Die Sehkraft lässt nach und man braucht eine Brille (wenn man vorher schon eine hatte, braucht man immer stärkere Gläser und irgendwann haben die Dinger die Dicke von den Sicherheitsscheiben, die früher in Banken und Postfilialen verbaut waren), man stöhnt jedesmal, wenn man aufsteht und man stöhnt, wenn man sich hinsetzt. In anderen Situationen stöhnt man auch – meistens, wenn wenn man die blöden Pillen vergessen hat (aber eigentlich ist einem auch die Anstrengung fast zuviel, weshalb man ganz froh ist, dass Weihnachten nur einmal im Jahr ist und an Ostern schon länger keine Eier mehr gesucht werden, wobei man sich eigentlich ab Fronleichnam wieder auf Weihnachten freut, weil – so sagt einem die vita-buarlecithin-getunte Erinnerung: schön ist es ja schon…) und überhaupt stöhnt man allgemein ziemlich viel: über zu weite, zu steile, zu enge, zu matschige, zu grasige, zu verwinkelte Wege, über das grelle Licht im Wartezimmer der diversen Ärzte (es ist eine Verschwörung: es ist überall viel zu grell!), wo man mittlerweile Stammgast ist, über die Jugend von heute und das Scheisswetter von morgen… eigentlich stöhnt man über alles.
Auch ganz furchtbar: das Haupthaar wird grau. Oder fällt aus. Bei mir ist es ersteres. Wo vorher ein zarter dunkelblonder Straßenköterfarbton die herb-männliche Stirn umrahmte, ist jetzt ein steingraues Meer. Die Natur kann so grausam sein. Naja, es könnte schlimmer sein (Hallo Haarausfall!), aber trotzdem…

Aber Natur ist nicht umsonst weiblich und deshalb legt die Natur noch eine Schippe drauf: die Gesichtswucherung der Bart ist auch grau… ABER nicht durchgehend! Tatsächlich mischt sich hier und dort ein Mausgrau unters vorherrschende Steingrau; gelegentlich ist auch ein Zementgrau dabei. Das alleine ist schon nicht schön, aber der Natur reicht das noch nicht. Sie ist der Meinung, dass man dem Bereich über der Oberlippe einen Ausflug in die Vergangenheit und somit einen Hauch von Straßenköterdunkelblond gönnen sollte. Im Zusammenspiel mit den Grauschattierungen rundherum sieht das wie ein Pornobalken aus. Bei Magnum war sowas ja noch ok, bei mir sieht es aber doof aus. Liegt vielleicht am fehlenden Ferrari oder daran, dass das Licht auf Hawaii solchen Oberlippenbürsten schmeichelt. Ich habe aber keinen Ferrari und das einzige, was diese Location mit Hawaii gemein hat ist, dass es hier gerade auch kein Bier gibt. Ich wäre also gerne auf Hawaii (und gerne auch mit Bier) und ich möchte einen Ferrari. Sollte das nicht machbar sein, will ich zumindest Fairness in Sachen Bartfarbschema. Weil: färben werde ich den nicht!

Nun hadere ich mit dem Schicksal: soll ich der Natur trotzen und weiterhin mit magnumeskem Schnauzer (optisch! Tatsächlich ist da ja noch mehr Bart – nur halt in dezenten, sich in den Hintergrund stellenden Grautönen) durch die nur aufgrund fehlenden Bier wegens Hawaii ähnlichen Gefilde wandeln und der Gesichtswucherung dem Bart seinen Lauf lassen oder breche ich das Experiment ab? Hm *durchdenbartwuschel* mal schauen.

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